Bremer Privathochschule Politik setzt Jacobs University ein Ultimatum

Die private Jacobs University in Bremen überlebte bislang nur dank großzügiger Gaben von Staat und Stiftern. Jetzt erhöht die Stadt den Druck: Bis Ende des Monats muss die Hochschule einen Finanzierungsplan vorlegen. "Wir kämpfen gemeinsam um das Überleben", heißt es aus der Politik.

Bremer Campus: Jacobs University muss bis Ende Januar Finanzplan vorlegen
DPA

Bremer Campus: Jacobs University muss bis Ende Januar Finanzplan vorlegen


Die private Jacobs University (JUB) in Bremen hat schon lange Geldprobleme, inzwischen erhöht die Politik den Druck: Bis zum 31. Januar muss die Hochschule darlegen, wie sie sich zukünftig ohne öffentliche Mittel finanzieren will. Hält sie sich nicht an den vertraglich vereinbarten Konsolidierungskurs, könnte Bremen sich aus der Finanzierung zurückziehen. "Wir ringen gemeinsam um das Überleben der Jacobs University", sagte der Sprecher des Bremer Wirtschaftssenators Martin Günthner (SPD).

Im vergangenen Sommer hatte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) der Uni bis einschließlich 2017 drei Millionen Euro pro Jahr zugesagt. Aber nur unter strengen Vorgaben: "Die Jacobs University verpflichtet sich in dem Vertrag, schrittweise bis 2018 einen dauerhaft ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, einen Haushalt, der ohne weitere öffentliche finanzielle Unterstützung auskommt", sagte Böhrnsen dem Deutschlandfunk. Vertragspartner sind die Jacobs University, die Jacobs Foundation sowie das Land Bremen.

Die Privatuni war vor rund 15 Jahren mit ehrgeizigen Zielen gestartet: Damals wollten Deutschlands Bildungspolitiker den staatlichen Hochschulen Konkurrenz machen, und es kam zu einem regelrechten Länder-Wettlauf um die schickste neue Privatuni. Das hochverschuldete Bremen unterstützte seine neue Uni mit einer Starthilfe von 230 Millionen Mark, damals hieß sie noch International University Bremen. Ein paar Jahre später benannte sie sich um in Jacobs University - nachdem die Jacobs Foundation, die Stiftung des großen Kaffeerösters, die Hochschule mit 200 Millionen Euro bezuschusste. Seitdem half auch Bremen immer wieder aus: Insgesamt zahlte der Stadtstaat 23 Millionen Euro und gewährte eine Bürgschaft von 50 Millionen Euro. Dauerhaft half das der Uni bislang aber nicht.

Das soll sich jetzt ändern: Der Fraktionsvorsitzende Matthias Güldner von den Grünen, Koalitionspartner der SPD, spricht von "drastischen Maßnahmen", die jetzt erforderlich seien. Zu konkreten Plänen äußerte die Uni sich auf Anfrage nicht. Lediglich: "Natürlich müssen wir uns auf die Zeit ab 2018 vorbereiten", sagte die Sprecherin dem "Weser-Kurier", "aber wir malen nicht schwarz".

Was die Hochschule teuer macht

Allein im Geschäftsjahr 2012 machte die Hochschule 21 Millionen Euro Verlust. Mit der Jacobs Foundation hat die Hochschule zwar einen großzügigen Unterstützer, bräuchte aber eigentlich weitere Spender aus der Wirtschaft, um sich ihr umfangreiches Studienprogramm weiter leisten zu können. Die JUB ist eine Volluniversität - ungewöhnlich für eine private Hochschule in Deutschland. Zudem leistet sich die Hochschule einen "sensationell guten Betreuungsschlüssel" (Güldner): Auf einen Professor kommen nach eigenen Angaben nur zehn Studenten. Dafür zahlen Bachelorstudenten 20.000 Euro Gebühren - theoretisch zumindest. Denn viele Studenten bekommen ein Stipendium oder nehmen ein Darlehen in Anspruch.

Der Sprecher des Wirtschaftssenators betont: "Wir wollen die hochanerkannte Bildungseinrichtung in Bremen halten." Aber diese Zusage sei nun mal an Bedingungen geknüpft. Im Februar werden sich die zuständigen Gremien mit dem Finanzierungsplan der Hochschule beschäftigen.

fln



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.