Bundestagswahl 2017 Was die Parteien den Jungwählern versprechen

Rente und Steuern sind Dauerthemen im Wahlkampf - aber was ist mit Schule und Ausbildung? Oder Computerspielen und Wehrpflicht? Wir haben die Wahlprogramme auf U-30-Themen abgeklopft. Und tatsächlich was gefunden.

Junge Wahlberechtigte
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Junge Wahlberechtigte

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Klar, Angela Merkel besucht die Gamescon, die Kanzlerin und Herausforderer Martin Schulz stellen sich den Fragen von YouTubern: Um Termine mit jungen Leuten kommt kein Wahlkämpfer herum. Aber viel Platz ist im Wahlkampf nicht für sie.

Meist reden mehr oder weniger alte Leute vor mehr oder weniger alten Wählern über mehr oder weniger alte Themen. Alle vier Jahre wieder. Rente, Steuern, möglichst wenig Veränderung.

Kein Wunder, dass immer weniger Jungwähler ihre Stimme abgeben, bei der letzten Bundestagswahl waren es noch 64 Prozent. Dabei müsste der Wahlkampf gar nicht so gestrig sein. Er könnte sich durchaus um die Zukunft drehen, denn in ihren Wahlprogrammen befassen sich die Parteien damit: Uni, Schule, Ausbildung - sogar E-Sports kommt vor.

SPIEGEL ONLINE hat sich in den Wahlprogrammen auf die Suche gemacht - bei den Parteien, die jetzt im Bundestag vertreten sind oder laut Umfragen in den nächsten einziehen könnten. Öffnen Sie die Themenbereiche und klicken auf die Wahlversprechen - so erfahren Sie, welche Partei sie macht.

Ausbildung

DPA

Schluss mit Schulgeld für Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und weitere Heilberufe
CDU/CSU, SPD

Es soll eine Mindestausbildungsvergütung geben.
SPD, Grüne

Mehr Jugendberufsagenturen
SPD

Förderung von Freiwilligendiensten wie FJS
AfD, Grüne

Bessere Qualität der Ausbildung
SPD

Keine Gebühren mehr für Techniker-, Meister- und Fachwirtkurse
SPD

Schule

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Gymnasium als eigenständige Schulform erhalten
CDU/CSU, AfD

Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter
CDU/CSU, SPD

Schulen sollen ein positives Bild von Ehe und Elternschaft vermitteln.
AfD

Gesamt- und Gemeinschaftsschulen ausbauen
Grüne

Der Bund soll direkt in Schulen und Kitas investieren können.
SPD, Grüne, Die Linke

Mehr Ganztagsschulen
SPD

Rechtsanspruch auf kostenlose Ganztagsbetreuung
Die Linke

Gender-Ideologie raus aus den Schulen
AfD

Digitales

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Bessere Ausrüstung von Schulen mit digitaler Technik
CDU/CSU, SPD, Grüne

Social-Media-Unterricht an Schulen
CDU/CSU, SPD

Entwicklung von Computerspielen fördern
CDU/CSU

Keinerlei Beschränkung und Zensur des Internets
AfD

Unterstützung für E-Sport
CDU/CSU

Flächendeckender Ausbau von Glasfasernetzen
CDU/CSU, AfD, Grüne

Studium

DPA

Landarztregelung für Medizin-Studienplätze
CDU/CSU

Der Meisterbrief befähigt zum Masterstudium.
SPD

Keine Mittel mehr für Gender-Professuren
AfD

Mehr Master-Studienplätze
SPD

Zurück zu Diplom- und Magisterstudiengängen
AfD

Studiengebühren sind okay.
FDP

Bafög

DPA

Mehr Bafög für Schüler und Studenten
SPD, CDU/CSU

Bafög nicht zurückzahlen müssen
Grüne

Bafög-Erlass für Studenten und Azubis, die Eltern werden
AfD

Bafög künftig regelmäßig und automatisch erhöhen
Grüne

Bafög-Bezug unabhängig vom Elterneinkommen
FDP, Die Linke

Mehr Förderung für studentische Eltern
CDU

Lebensentwürfe

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Respekt für unterschiedliche Formen des Zusammenlebens
CDU/CSU

Ehe und traditionelle Familie mit Kindern bewahren und stärken
AfD

Alle Lebensentwürfe, sexuellen Orientierungen, geschlechtlichen und ethnischen Identitäten sollen gleichwertig sein.
Die Linke

Familie ist da, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen
Grüne

Familienpolitik soll sich am Bild der Familie aus Vater, Mutter und Kindern orientieren.
AfD

Mehr Rechte für Regenbogenfamilien
FDP

Job

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Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit
CDU/CSU, SPD, Grüne

30-Stunden-Woche für alle
Die Linke

Einfachere Rückkehr in den Job nach der Kinderpause
AfD

Langzeitarbeitskonto für Pausen im Berufsleben
FDP, SPD

Schluss mit der sachgrundlosen Befristung
SPD

Gleicher Lohn für Leiharbeiter
Grüne, CDU/CSU, SPD, Die Linke

Schluss mit allen Befristungen
Die Linke

Höherer Lohn für Pflegeberufe
FDP, Grüne

Gender-Gerechtigkeit

d
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d

Entgelttransparenz-Gesetz prüfen
CDU/CSU

Mindestens 40 Prozent Frauen in der Wissenschaft
SPD

Keine Mittel mehr für "Gender-Forschung"
AfD

Mehr Rechte für die Queer-Community
Die Linke, Grüne

Gleiche Bezahlung von Männern und Frauen per Gesetz
Die Linke

Elterngeld für bis zu zwei Jahre
Grüne

Sonst so

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Kinderrechte ins Grundgesetz
CDU/CSU, SPD

Wehrpflicht wieder einführen
AfD

Mehr Kindergeld
CDU/CSU, Die Linke

Mehr Radschnellwege
CDU/CSU, Grüne

Strafmündigkeitsalter auf zwölf Jahre absenken
AfD

Ein "Jugend-Check" für politische Maßnahmen
SPD

Wahlalter auf 16 senken
SPD, Grüne

Ehe-Start-Kredit mit Teilerlassen pro Kind
AfD

Keine schärferen Hartz-IV-Sanktionen mehr für unter 25-Jährige
SPD

Kostenloser öffentlicher Nahverkehr
Die Linke

Und hier finden Sie die Wahlprogramme detailliert zum Nachlesen.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 16.09.2017
1. Eine Frage
Die SPD fordert also 40 % Frauen in der Wissenschaft. Wie will sie das realisieren? In Deutschland darf jeder frei entscheiden, was er studieren will. Möchte die SPD das abschaffen? Werden Frauen dann gezwungen, Physik zu studieren? Wie genau läuft das ab?
ruckzuck236 16.09.2017
2. Überrascht
Ich habe die FDP ziemlich genau verfolgt und habe viel über ihre Pläne bezüglich U30-Themen gelesen. Deswegen bin ich ein wenig überrascht hier so wenig über die FDP zu sehen, z.B was Glasfaserausbau angeht.
kugelfang 16.09.2017
3. Ganz einfach!
Zitat von Phil2302Die SPD fordert also 40 % Frauen in der Wissenschaft. Wie will sie das realisieren? In Deutschland darf jeder frei entscheiden, was er studieren will. Möchte die SPD das abschaffen? Werden Frauen dann gezwungen, Physik zu studieren? Wie genau läuft das ab?
Die SPD sitzt zwar seit 20 "gefühlten!" Jahren mehr oder weniger mit in der Regierung/Verantwortung, ist aber nur am Fordern oder besser am Überfordern, als wäre sie in der Opposition! So kann man immer leicht alles dem Koalitionspartner in die Schuhe schieben : Die machen da nicht mit aber wir wollten ja! Daran gewöhnen, das vor der Wahl ja alles sooooo wichtig ist, werden sie spätestens 14 Tage nach der Wahl merken, da spricht diese Themen keiner mehr an, wie mit Rente, prekäres Arbeiten, Mieten und Armut im Lande. Schule und Schüler sind jetzt nur Interessant weil neu Wähler, denen kann man noch alles erzählen!
GoaSkin 16.09.2017
4. als Erstwähler glaubt man noch an Wahl- und Parteiprogramme
Wer schon ein paar Wahlen hinter sich hat, dem ist klar, dass sich die Parteien nicht nur selten an ihre Wahlversprechen handeln, sondern die Themen in den Wahlprogrammen zu dem kaum auf der politischen Agenda stehen. Ist aber auch irgendwie logisch: Die Politiker müssen nach Lösungen für aktuelle Probleme und Anliegen suchen und ihre Entscheidungen nach den zur Zeit gegebenen Umständen richten. Politische Beschlüsse sind nicht das Ergebnis von Vorhaben, die viele Jahre voraus geplant sind. Eine ehrliche Partei würde kein Wahlprogramm veröffentlichen. Doch ohne kann sie leider keine Wahl gewinnen - weil der Wähler ein Programm und Wahlversprechen erwartet. Man darf aber einfach nicht nach Programmen und Themen wählen, sondern sollte eher auf die Wellenlänge einer Partei und ihrer Leute achten und versuchen, ihre fachliche Kompetenz zu beurteilen.
_platzhalter_ 16.09.2017
5. Tendenziös.
Grundsätzlich ist das ja durchaus eine nette Auflistung. Das Problem des SPIEGEL ist aber wie immer die Orientierung nach Links. Hier kommt nur in sehr geringem Maße das Programm der FDP in diesen Themen zur Geltung. als Beispiel möchte ich den Punkt Investitionen in Technik in Schulen anbringen, dort taucht besagte Partei nicht auf, obwohl sie genau solch eine Klausel im Programm hat. Schade, denn ansonsten ist die Übersicht durchaus gelungen.
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