Kommentar zum Burschentag Nehmt den Rechten ihre Privilegien!

In Eisenach trifft sich die Deutsche Burschenschaft. Noch immer genießen die stramm rechten Akademiker und völkischen Ideologen viele Vorteile, zum Beispiel im Steuerrecht. Höchste Zeit, dass sie die verlieren.

Fackelzug der Burschenschafter (2013): Traditionspflege in Eisenach
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Fackelzug der Burschenschafter (2013): Traditionspflege in Eisenach

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Wenn es nur die Fackelzüge wären, die Kappen und Farben, all die merkwürdigen Bräuche, das Fechten, das Biertrinken. Selbst der "Deutschland, Deutschland"-Gesang wäre noch auszuhalten. Es ließe sich abtun als Folklore, was die Deutsche Burschenschaft (DB) da alljährlich in Eisenach veranstaltet bei ihrem Verbandstreffen, dem Burschentag.

An diesem Donnerstag beginnt das Treffen wieder - und es ist eben nicht auszuhalten.

Denn nicht nur die Traditionen der DB sind überkommen, sondern auch ihre Ideologie ist es: Völkisches und nationalistisches Denken prägen den Dachverband zahlreicher Burschenschaften in Deutschland und Österreich. Er hat sich in den vergangenen Jahren als akademischer Brückenkopf für Rechtspopulismus und Rechtsextremismus positioniert. Mitglieder provozierten mit "Ariernachweis"-Anträgen, verunglimpften Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, gaben krude Thesen und platte Parolen von sich.

Die DB vertritt zwar nur eine Minderheit: Gerade mal zwei Prozent der Studenten in Deutschland sind überhaupt noch korporiert, dazu gehören liberale Verbindungen ebenso wie christliche und konservative. Doch Burschenschafter in Eisenach repräsentieren die Rechtsausleger der Szene. Es ist bis heute eine gut vernetzte Minderheit mit Einfluss - in Österreich noch mehr als in Deutschland.

Eine Minderheit zumal, die ähnliche Privilegien genießt wie Tierschutzvereine oder Umweltorganisationen: Spenden an Burschenschaftswohnheime lassen sich oft von der Steuer absetzen, viele der Trägervereine gelten als gemeinnützig, auch wenn im Bierkeller gepöbelt wird gegen Ausländer und Andersdenkende. So begünstigt der Staat Organisationen, in denen noch immer von Großdeutschland geträumt wird und in denen Rassismus keimt.

Politiker, Verfassungsschützer und Finanzämter müssen genauer hinschauen und den stramm rechten Burschenschaften ihre Privilegien nehmen. Es geht nicht um große Verbotsdebatten, es geht um kleine Verwaltungsakte und Aktionen, die es den völkischen Ideologen schwerer machen. In Eisenach hat jetzt der Stiftungsrat der Wartburg entschieden, den historischen Ort nicht mehr an die DB zu vermieten. Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

insgesamt 33 Beiträge
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mr.bronto 12.06.2014
1.
Schade das ist eigentlich ein interessantes Thema aber es bleibt oberflächliches polemisieren gegen konservative. Wo bleiben die Fakten ich möchte mir selbst eine Meinung bilden!
gustavsche 12.06.2014
2. Es gutmenschelt sehr...
Ich mag die Burschenschaften auch nicht, weil sie häufig nationalistisch sind. Aber Spenden müssen von der Steuer absetzbar sein. Die Begründung, dass sie häufig rassistische und fremdenfeindliche Positionen vertreten, reicht nicht, schließlich akzeptieren wir die steuerliche Absetzbarkeit einer jeden Parteispende, als auch bei Spenden an die NPD. Ich möchte einen Staat gemäß GG und keinen, der nach Gutdünken entscheidet, was eine gute und was eine schlechte Gesinnung ist. Und es doch schon komisch, dass es mal wieder nur um Rechtsradikale geht. Wenn die steuerliche Absetzbarkeit bei Spenden an Burschenschaften fällt, gehören dann auch mal die Spenden an linksradikale Einrichtungen auf den Prüfstand? Was die "Rote Hilfe" betreibt, halte ich für weitaus schlimmer als das, was die Burschenschaften betreiben. Und fängt man erstmal an, bestimmte Ideologien steuerlich zu benachteiligen, dann ist das ein Dammbruch und dann kommen viele moderate Positionen ins Kreuzfeuer, z. B. "EU-Kritik" oder "Neoliberalismus". Bei der Stimmung gegen die FDP in den letzten Jahren können dann auch FDP-Spenden eine "Sonderbehandlung" erhalten, auch wenn die FDP eine demokratische und liberale Partei ist, sich allenfalls (moderate!) Positionen in der Ordnungspolitik erlaubt, die bei den roten, schwarzen und großen Sozen als menschenverachtender Turbokapitalismus gilt.
Qual 12.06.2014
3. Hetze?
"Nehmt den Rechten ihre Privilegien!" Klingt für mich in erster Linie mal nach Hetze. Wer nicht begreift wieso man im Kampf gegen Unrecht nicht die eigenen Werte verraten darf, ist selber im Unrecht. Ist dem Spiegel also die Sachlichkeit abhanden gekommen? Ich denke schon. Hat der Spiegel dann noch eine Existenzberechtigung? Sicher. Als Modeerscheinung die der BILD in nichts nach steht, sicher aber nicht als Journalismus auf ursprünglicher Ebene. Hier hilft auch kein Verweis auf den Kommentator, denn der hat sich nicht selbst eingeladen.
Blaumilchvor, 12.06.2014
4. Fähnlein Fieselschweif unterwegs
Die waren doch erst vergangenes Wochende in Coburg beim sog. CC Pfingsttreffen und haben dort im Vollsuff an die Häuser uriniert. Gehn die auch mal anständigen Berufen nach und tun was fürs Gemeinwohl?
kalbphilipp 12.06.2014
5. Es gilt immer noch....
....gleiches Recht für alle. Auch wenn es die Rechte der Rechten betrifft.
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