Oliver Trenkamp

Kommentar zum Burschentag Nehmt den Rechten ihre Privilegien!

In Eisenach trifft sich die Deutsche Burschenschaft. Noch immer genießen die stramm rechten Akademiker und völkischen Ideologen viele Vorteile, zum Beispiel im Steuerrecht. Höchste Zeit, dass sie die verlieren.
Fackelzug der Burschenschafter (2013): Traditionspflege in Eisenach

Fackelzug der Burschenschafter (2013): Traditionspflege in Eisenach

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Wenn es nur die Fackelzüge wären, die Kappen und Farben, all die merkwürdigen Bräuche, das Fechten, das Biertrinken. Selbst der "Deutschland, Deutschland"-Gesang wäre noch auszuhalten. Es ließe sich abtun als Folklore, was die Deutsche Burschenschaft (DB) da alljährlich in Eisenach veranstaltet bei ihrem Verbandstreffen, dem Burschentag.

An diesem Donnerstag beginnt das Treffen wieder - und es ist eben nicht auszuhalten.

Denn nicht nur die Traditionen der DB sind überkommen, sondern auch ihre Ideologie ist es: Völkisches und nationalistisches Denken prägen den Dachverband zahlreicher Burschenschaften in Deutschland und Österreich. Er hat sich in den vergangenen Jahren als akademischer Brückenkopf für Rechtspopulismus und Rechtsextremismus positioniert. Mitglieder provozierten mit "Ariernachweis"-Anträgen, verunglimpften Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, gaben krude Thesen und platte Parolen von sich.

Die DB vertritt zwar nur eine Minderheit: Gerade mal zwei Prozent der Studenten in Deutschland sind überhaupt noch korporiert, dazu gehören liberale Verbindungen ebenso wie christliche und konservative. Doch Burschenschafter in Eisenach repräsentieren die Rechtsausleger der Szene. Es ist bis heute eine gut vernetzte Minderheit mit Einfluss - in Österreich noch mehr als in Deutschland.

Eine Minderheit zumal, die ähnliche Privilegien genießt wie Tierschutzvereine oder Umweltorganisationen: Spenden an Burschenschaftswohnheime lassen sich oft von der Steuer absetzen, viele der Trägervereine gelten als gemeinnützig, auch wenn im Bierkeller gepöbelt wird gegen Ausländer und Andersdenkende. So begünstigt der Staat Organisationen, in denen noch immer von Großdeutschland geträumt wird und in denen Rassismus keimt.

Politiker, Verfassungsschützer und Finanzämter müssen genauer hinschauen und den stramm rechten Burschenschaften ihre Privilegien nehmen. Es geht nicht um große Verbotsdebatten, es geht um kleine Verwaltungsakte und Aktionen, die es den völkischen Ideologen schwerer machen. In Eisenach hat jetzt der Stiftungsrat der Wartburg entschieden, den historischen Ort nicht mehr an die DB zu vermieten. Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

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