Camp für kreativen Protest In acht Schritten zum Top-Demonstranten

Sie will mal so richtig dagegen sein. Nur wogegen, das ist noch nicht ganz klar. Wie werde ich AktivistIN? UniSPIEGEL-Autorin Greta Taubert hat sich in ein Camp "für kreativen Protest" eingeschleust. Als Demo-Novizin für die gute Sache trainiert sie Actiontanz und irritierendes Straßentheater.


Ich habe noch nie eine öffentliche Unruhe angezettelt. Nicht einmal an einer Demonstration habe ich teilgenommen. Ich habe kein Transparent getragen, keine Schlachtenlieder skandiert, keinem Polizisten die Zunge rausgestreckt, sogar als Studentin nicht.

Das heißt aber auch: Ich bin eine radikale Anfängerin in Sachen Bürgerprotest - dabei wird inzwischen sogar im kreuzbraven Stuttgart Rabatz gemacht, und wer weiß, was als Nächstes kommt. Um für jeden Fall gewappnet zu sein, habe ich mich bei einem Protestcamp angemeldet.

Solche Lager sind in der Aktivistenszene ein wichtiger Baustein zur professionellen Vorbereitung des politischen Widerstands. Zum Beispiel gab es vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm große Camps im Umland, in denen Blockadetraining und Trommelworkshops auf dem Programm standen. Ich will aber ein politisch eleganter Radikalinski sein.

Fotostrecke

22  Bilder
Öde Studentendemos: Die Top Five der peinlichen Proteste
Deswegen entschied ich mich für das "Labor für kreativen Protest". Es will Aktivisten-Azubis wie mir einen Einblick in künstlerische Protestformen wie Straßentheater, Flashmobs und andere Performances geben. Veranstaltet wird es vom Zentrum für Politische Schönheit, einem Sammelbecken von Berliner Kreativen, Studenten und Schauspielern, die Kunst und Protest kombinieren möchten.

Aber, ha!, das kann beileibe nicht jeder! Man muss sich echt einlassen können, stellte sich heraus, und bestimmte Fertigkeiten schon mitbringen:

1. Teil: Sei hart im Nehmen!

Es ist ein kühler Septembermorgen in der mecklenburgischen Einöde. Auf den Äckern bringen die Bauern mit schwerem Gefährt die letzte Saat in den Boden. Bis zum Horizont nichts als Natur. Zwischen den Feldern liegt der 800 Jahre alte Gutshof Schloss Bröllin. In den kaum sanierten Viehställen sind Schlafräume untergebracht, wo der Herbstwind durch die mit Pappkartons ausgebesserten Fenster drückt. Bis zur nächsten Dusche ist es ein erfrischender Weg über den Hof. "Das gehört so", denke ich, "Aktivisten werden nicht im Hotelbett geboren."



insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Iwanov 14.12.2010
1. ...
Boot-Camp? Das würden diese linken Socken doch gar nicht aushalten... Actiontanz, Straßentheater? Wie wärs mit einem gesunden Basiswissen europäischer Geschichte, politischer Wissenschaften und Ethik? Ein gebildeter Mensch kann mehr erreichen als sone naive Antifa-Socke.
Waiguoren 14.12.2010
2. Bildung ist alles
Ausbildungsoffensive für gelernte Berufsdemonstranten. Als ob Deutschland nicht andere Probleme hätte.
Resident.Rhodan, 14.12.2010
3. Vita
Zitat von IwanovBoot-Camp? Das würden diese linken Socken doch gar nicht aushalten... Actiontanz, Straßentheater? Wie wärs mit einem gesunden Basiswissen europäischer Geschichte, politischer Wissenschaften und Ethik? Ein gebildeter Mensch kann mehr erreichen als sone naive Antifa-Socke.
Schön, dass Sie da sind. Endlich treffe ich mal einen gebildeten Menschen, der mir doch sicher anhand seines Werdeganges aufzeigen kann, was er ob seiner Bildung alles erreicht hat, so gesellschaftspolitisch gesehen. Dann erzählen Sie doch mal, wie Sie die Welt denn schon zum Besseren verändert haben, was immer Sie persönlich auch darunter verstehen... Nicht das ich wirklich glaubte, dass derartige Protestformen wie im Artikel beschrieben irgendetwas bewirken könnten. Aber die gehen wenigstens für ihre Überzeugungen - wie immer man diese als Außenstehender beurteilen mag - auf die Straße, während Sie im Warmen und Trockenen sitzen und gehässige Kommentare schreiben.
keyoz 14.12.2010
4. ...
Zitat von IwanovBoot-Camp? Das würden diese linken Socken doch gar nicht aushalten... Actiontanz, Straßentheater? Wie wärs mit einem gesunden Basiswissen europäischer Geschichte, politischer Wissenschaften und Ethik? Ein gebildeter Mensch kann mehr erreichen als sone naive Antifa-Socke.
ihre wortwahl spricht bände, aber sei´s drum. die gebildeten menschen, von denen sie fabulieren, sollten tatsächlich was verändern, aber wir wissen doch, dass sie wiederum zu schlau sind, genau das zu tun. der bildungsbürger fühlt sich pudelwohl auf seinen pöstchen und polemisiert. wirkliche veränderung ist ihm ein graus.
Bremerland 14.12.2010
5. .
Zitat von IwanovBoot-Camp? Das würden diese linken Socken doch gar nicht aushalten... Actiontanz, Straßentheater? Wie wärs mit einem gesunden Basiswissen europäischer Geschichte, politischer Wissenschaften und Ethik? Ein gebildeter Mensch kann mehr erreichen als sone naive Antifa-Socke.
Ohne Aktionen wie dieses Trainigslager verteidigen zu wollen: Welches Geschichtswissen fehlt den bitteschön jemandem, der sich für den Antifaschismus einsetzt?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© UniSPIEGEL 5/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.