Campus-Presse Die besten deutschen Studentenblätter

Uni-Zeitungen gibt es zuhauf, mal politisch, mal skurril und unterhaltsam oder auch völlig verschnarcht. Alles so schön bunt hier - aber welche ist die Schönste im ganzen Land? Ein neuer Wettbewerb soll es klären.

Die Jenenser Studentenzeitung "Akrützel" hat eine lange und, nun ja, ziemlich verworrene Geschichte, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Mindestens. Damals erschien sie auf Latein, ihr einziger Leser war der Papst. Der Name hat laut Webseite  ebenfalls mit der Kirche zu tun ("a cruce"), aber irgendwie auch mit Kritzeleien, dem englischen "Acruzzle", mit holländischen Seefahrern und dem Schweizer Ruf "Acruici" (heute: "Grüzi"). Und mit Lakritze. Die kleine, tapfere Zeitung ging dann durch ein historisches Wechselbad. Im Dritten Reich wurde sie verboten, in der DDR mit der "Sozialistischen Universität" zwangsvereinigt, stürzte schließlich Honecker und erscheint seitdem alle zwei Wochen an der traditionsreichen Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Das alles ist natürlich sowas-von-erlogen. Aber Bernd Zeller hat den jenensischen Humbug für die "Akrützel" sehr hübsch erfunden. Als Jurastudent zählte er 1990 zu den Gründern des Blattes, eines "Zentralorgans für alle, die es nicht besser verdienen". Direkt geschadet hat ihm das nicht: Später wurde Zeller Buchautor sowie Gagschreiber und Vorzeige-Ossi in der "Harald Schmidt Show". Inzwischen ist er Verleger des Satiremagazins "Pardon".

Aufgestanden aus Ruinen

"Akrützel" erscheint also der wundersamen Legende zum Trotz erst seit 14 Jahren, ist damit aber schon einer der Dinosaurier unter den deutschen Studentenblättern. Weil die Studentenschaft ständig wechselt, kennzeichnet auch die Zeitungszene ein ständiges Kommen und Gehen. Gerade in Ostdeutschland gibt es Projekte, die ähnlich wie "Akrützel" in bewegten Zeiten entstanden. Nur eine Kleinigkeit älter sind zum Beispiel "ad rem" aus Dresden (Dezember 1989) und die "UnAufgefordert" , gegründet im November 1989 an der Berliner Humboldt-Universität gleich nach dem Mauerfall. Die Zeitung gehört mit ihrer thematischen und stilistischen Vielfalt zweifellos zu den besten deutschen Campus-Blättern.

An den West-Hochschulen gibt es ebenfalls Publikationen, die sich keineswegs verstecken müssen - etwa das hochschulübergreifende "Mayers"  in München oder die 1987 gegründete Heidelberger Studierendenzeitung "Ruprecht" . Manche achten strikt auf ihre redaktionelle Unabhängigkeit und legen sich gern mal mit Studentenvertretungen an, andere werden von Fachschaften oder Asten herausgegeben.

Daneben finden die großen, überregionalen Magazine wie "Unicum Campus" oder "Audimax" ihren Platz auf den Mensatischen. Und um Aufmerksamkeit buhlen auch die offiziösen Verlautbarungsorgane der Hochschulen, die oft mächtig dröge und allemal gut für ein spontanes Gähnen sind.

Unterstützung für Studenten-Redaktionen

Die Campus-Presselandschaft ist schwer unüberschaubar. Höchste Zeit also für einen Wettbewerb: Beim "Campus Presse Award" werden jetzt die besten deutschsprachigen Studentenzeitungen gesucht, nicht nur in Deutschland, auch in Österreich und der Schweiz. Dahinter stehen der Finanzdienstleister MLP und der Medienverlag Rommerskirchen.

Gemeinsam fahnden sie nach Blättern, die durch Qualität und Ideen überzeugen - und "von Studierenden für Studierende" gemacht werden. Die Spezialzeitschriften größerer Verlage sind damit ebenso aus dem Rennen wie die kommerziellen Uni-Zeitschriften und die Rektorats-Postillen.

Den Gewinnern des Wettbewerbs winken eine gute Computerausstattung sowie Hospitanzen in Redaktionen. Außerdem will die "Initiative Pro Campus-Presse" studentischen Journalismus mit Praxistipps, Workshops, Fachbüchern und Abonnements von Medienmagazinen unterstützen. In der Jury sitzen unter anderem Christoph Keese ("Welt am Sonntag"), Gabriele Fischer ("Brandeins") und der Hamburger Journalistikprofessor Siegfried Weischenberg. Die Bewerbungsfrist endet am 23. August, nähere Infos gibt es auf der Homepage zum Preis .


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