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Hochschulfunk: Von Nord bis Süd

Foto: afk M94.5

Campus-Radios Kampf dem Dudelfunk

In den Semesterferien haben es Campus-Radios schwer. Doch auch während sich Hörer und Macher an die Strände fläzen, bleibt der Hochschulfunk hörenswert - und spielt Musik abseits des Mainstreams mit teils ausgezeichnetem Wortprogramm. Ein Rundflug durch den Uni-Äther.
Von Steffen Eggebrecht

Am Ende einer sich permanent wiederholenden Soundschleife klingelt zweimal ein Telefon. Dann folgt ein "Hallo", danach die Ansage: "Hier spricht der automatische Internetstreambeantworter. Wir sind im Moment aufgrund der Semesterferien leider nicht zu erreichen." Anschließend ein kurzer Einschub, um 18 Uhr folge noch eine einstündige Sendung, und das gleiche Lied geht wieder von vorne los. Der Sommer ist eine fürchterliche Zeit für Radiomacher - und offensiv versuchen die Macher vom Chemnitzer Campus-Radio "UNiCC" mit ihrem Problem umzugehen.

Die vorlesungsfreie Zeit gepaart mit dem Sommerloch ist ein Problem für den Hochschulfunk. Die studentischen Redakteure machen Urlaub, Neuigkeiten sind Mangelware und die meisten Zuhörer sind auch weit weg. Besonders die kleinen Uni-Städte fallen in Tiefschlaf, wenn ihre Studenten in die Heimat oder den Urlaub fahren. Doch der Sendebetrieb muss irgendwie weitergehen.

Rund 50 Campus-Radios  senden mittlerweile von der Kieler Förde bis zum Bodensee. Einige produzieren nur ein paar Stunden pro Woche, andere liefern Programm rund um die Uhr. Der älteste Hochschulfunk existiert seit 1950, das "radio hsf" in Ilmenau. Eins der jüngsten Radios ist "FunkUP" in Potsdam, es sendet erst seit April. Gibt es keinen eigenen Uni-Sender, verwirklichen sich viele Studenten in Bürgerradios, in denen sie oft den Großteil des Programms bestücken.

Alternativen zur Mainstream-Beschallung

Geld für Betrieb und Technik der Campus-Radios geben meist die Hochschule oder andere öffentliche Träger. Die Finanzierung laufe "primär über Hochschulen oder Trägervereine", sagt Albrecht Kutteroff, Abteilungsleiter in der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und oberster Programmwächter im Südwesten. Die Landesmedienanstalten zahlen ebenso mit wie einzelne Spender. Die meisten studentischen Redakteure arbeiten unentgeltlich für ihren Sender.

Obwohl die größten Campus-Radios auch den Äther nutzen, entwickelt sich das Internet besonders bei den jungen Sendern zum beliebten Träger von Wort und Musik. Der Vorteil: Internetradio kostet weniger, man braucht keine der raren Hörfunkfrequenzen und das Programm streamen kann heute fast jeder Rechner. Außerdem erreichen die kleine Stationen mit oft nur lokaler UKW-Reichweite im Netz ein deutlich größeres Publikum, auch außerhalb der jeweiligen Hochschulstadt.

Die Angebot der studentischen Radiomacher reicht von politischer Satire über Magazinsendungen zu Politik, Sport und Kultur bis hin zu Nachrichten und Reportagen. Manche von ihnen klingen ganz ausgezeichnet - SPIEGEL ONLINE stellt fünf Sender vor.

Volles Sendungsbewusstsein: Eldoradio aus Dortmund
Lauscherangriff:
Mephisto aus Leipzig
Indie große Stadt:
afk M 94,5 aus München
Let There Be Rostock:
Lohro aus der Hansestadt
Rhein und charttauglich: Kölncampus aus der Domstadt