Campus-Spanner in den USA Hunderte Frauen auf Uni-Toiletten gefilmt

Mehr als 1500 Videos soll ein Doktorand der Universität von Delaware heimlich auf Damentoiletten aufgenommen haben. Erst nach zwei Jahren wurde er erwischt. Den Hunderten Geschädigten bleibt nur ein schwacher Trost.

University of Delaware (Archiv): "Wir nehmen dieses Vergehen sehr ernst"
Corbis

University of Delaware (Archiv): "Wir nehmen dieses Vergehen sehr ernst"


Die kleine Kamera im Spender für Damenbinden kam einer Studentin doch sehr verdächtig vor: Nachdem sie dem Campus-Sicherheitspersonal der Universität von Delaware einen Tipp gab, untersuchten die das Uni-Gelände und stießen in vier weiteren Gebäuden auf versteckte Kameras in Klokabinen.

Die Toilettenspionage soll sehr umfangreich gewesen sein: Über zwei Jahre soll ein 38-jähriger Doktorand in mehreren Toiletten der Universität und in umliegenden Gebäuden unbemerkt Aufnahmen von Frauen gemacht haben. Insgesamt erzählte er der Campus-Polizei von 1500 Videos. Da manchen Frauen mehrfach gefilmt wurden, gehen die Ermittler von "Hunderten" Geschädigten aus. Der verdächtige Doktorand war Anfang Juli festgenommen worden. Mit den Vorwurf konfrontiert, soll er schon bei der Polizei umfassend gestanden haben.

Die Kameras hatte er demnach seit 2012 an diversen Orten auf dem Campus der staatlichen Universität in Newark im US-Bundesstaat Delaware versteckt. Zu Beginn seien Toiletten in der Bibliothek und in der Sporthalle des Uni-Basketballteams mit Kameras versehen worden. Später seien auch in Toiletten in einem Labortrakt, in einem Hörsaalgebäude und in der Mitarbeiterinnentoilette eines Biotechnologie-Instituts Kameras installiert, an dem der Mann als Doktorand geforscht hatte, worden.

Der Doktorand wurde von der Universität umgehend exmatrikuliert, bei einer Verurteilung drohen ihm ernste Konsequenzen: Skip Homiak, zuständig für die öffentliche Sicherheit auf dem Campus Delaware, sagte dem lokalen Nachrichtensender NBC Philadelphia, der Mann werde ungeachtet des Urteils sein Studentenvisum verlieren und wahrscheinlich nach Mexiko abgeschoben. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet derzeit auf kriminelle Verletzung der Privatsphäre in 21 Fällen.

Videos landeten wohl nicht im Internet

Viele Aufnahmen, die der Mann gesammelt hatte, sind offenbar sehr eindeutig zuzuordnen. Vierzig betroffene Studentinnen habe die Polizei bereits ausfindig machen können, berichtete Delaware Online. Sicherheitschef Homiak sagte, wenn Mitarbeiterinnen und Studentinnen wissen wollten, ob sie ebenfalls gefilmt worden sein, sollten sie sich für einen anonymen Abgleich an die Sicherheitsbehörden wenden.

Wie sich herausstellte, wurden einige Studentinnen sogar mehrmals gefilmt und fotografiert. "Wir nehmen dieses Vergehen sehr ernst", versicherte Patrick Harker, Präsident der Uni Delaware. Sowohl die Zentrale der ortsansässigen Staatsanwälte als auch das Forensikteam der Polizei von Middletown seien in die Ermittlungen eingebunden.

Ein Trost für die Ausspionierten ist, dass laut Universitätsleitung die Videos nicht elektronisch verbreitet worden sein sollen.

ilo



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berney 28.07.2014
1. schwacher Trost?
was es immer wieder für kranke Menschen gibt... Allerdings wäre es für mich ein großer Trost, wenn das Material nur vom Perversling geschaut worden wäre und ich mich nicht in den weiten des Internets befände. Das ist heute sicherlich nicht selbstverständlich.
backfeed1 28.07.2014
2. Die NSA nach diesem § verklagen
Kann die Staatsanwaltschaft nicht mal die NSA "auf kriminelle Verletzung der Privatsphäre in 42.124.152.817 Fällen" verklagen? Nach demselben Muster? Wieso geht das hier? Wieso nicht bei der NSA?
Hamberliner 02.08.2014
3. Was soll dieser Sturm im Bierglas?
Zitat von sysopREUTERSMehr als 1500 Videos soll ein Doktorand der Universität von Delaware heimlich auf Damentoiletten aufgenommen haben. Erst nach zwei Jahren wurde er erwischt. Den hunderten Geschädigten bleibt nur ein schwacher Trost. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/campus-spanner-an-der-universitaet-delaware-uni-toiletten-ausspioniert-a-983185.html
Wenn auf den Aufnahmen keinerlei Gesichter o.a. Identifizierungsmerkmale zu sehen waren, und das setze ich bei den beengten Platzverhältnissen voraus (kein Weitwinkelobjektiv), dann liegt schlicht und ergreifend keinerlei Verletzung irgendeiner Privatsphäre vor. Keine der gefilmten Frauen kann dann behaupten, sie sei auf irgendeiner Aufnahme zu erkennen. Sich dann immer noch darüber aufzuregen finde ich hanebüchen, peinlich und erbärmlich. Im Übrigen: Meine Fingerkamera (externe Zusatzkamera zur Videokamera) hat eine nur wenige mm große Öffnung für die Linse und ist zigarrendick. Allerdings kommt sie nicht in Damentoiletten zum Einsatz, sondern an Motorrad und Helm. Ich habe damit schon ohne jede Angst in der Westsahara marokkanische Kontrollposten und Militäranlagen gefilmt. Es gibt auch noch kleinere Kamaras zu kaufen, versteckt in Brillen oder Schreibzeug. Vor dem Hintergrund versteh ich nicht, wieso ausgerechnet ein Doktorand unfähig ist, die Hidcam so zu tarnen, dass sie niemand entdeckt. Dümmer geht's nicht mehr. Wieso? Gibt es denn die Newsgroup alt.binaries.pictures.erotica.voyeurism nicht mehr?
hermannheester 11.08.2014
4. Das Beshreiten akademischer Bildungsgänge
Zitat von sysopREUTERSMehr als 1500 Videos soll ein Doktorand der Universität von Delaware heimlich auf Damentoiletten aufgenommen haben. Erst nach zwei Jahren wurde er erwischt. Den hunderten Geschädigten bleibt nur ein schwacher Trost. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/campus-spanner-an-der-universitaet-delaware-uni-toiletten-ausspioniert-a-983185.html
Dieses Beschreiten ist nicht immer und nicht wirklich ein Zeichen sittlicher oder gar akademischer Reife. Der Gärungsprozess unreifer Jugendlicher und überzeugter Krimineller dauert auch hier oft über die Maßen lange an.
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