Christian im Hotel Mama Die Selbständigkeit schläft, wenn ich zu Hause bin

Christian, 26, erlebte die Freiheit auf dem Surfboard in Mexiko - und danach wieder das wohlige Gefühl am heimischen Herd. Bis zum Semesterstart hielt er durch. Dann war klar: Wer einmal raus war, kehrt nur unter Schmerzen wieder.

Eltern-Mitbewohner Christian: Zwei Monate gesurft, jetzt wieder im Hotel Mama

Eltern-Mitbewohner Christian: Zwei Monate gesurft, jetzt wieder im Hotel Mama


Nach meinem Trip durch Mexiko war ich blitzeblank. Zwei Monate lang habe ich auf großem Fuß gelebt und gesurft, als Folge bin ich bei meinen Eltern in Wörth am Main gestrandet. Meine Möbel standen ja eh schon da.

Bevor ich ins Ausland ging, bin ich aus meiner alten WG ausgezogen. Die neue wurde erst zum Semesterbeginn in zwei Monaten frei. Es wäre doof, sich für die kurze Zeit etwas zu suchen, dachte ich. Außerdem freuten sich meine Eltern - seit ich vor drei Jahren zum Studieren auszog, kriegen sie mich nicht so häufig zu Gesicht.

Es war trotzdem schwer, sich umzustellen. In Mexiko das Gefühl der absoluten Freiheit, hier ein 5000-Seelen-Kaff und feste Essenszeiten. Außerdem verfalle ich zu Hause immer in so einen Trott. Ich werde träge; selbst mein Zimmer aufzuräumen scheint zu anstrengend.

Meine Mutter ist deshalb fest davon überzeugt, dass ich keinen Haushalt führen kann. Sie glaubt, in meiner WG schimmeln die Töpfe, dabei bin ich sehr selbständig. Diese Selbstständigkeit schläft bloß, wenn ich zu Hause bin.

Ich versumpfe dann immer, schlafe zu lang, gehe zu spät ins Bett. Was anderes kann man in Wörth ja auch nicht machen, die meisten Freunde sind wie ich zum Studieren oder Arbeiten weggezogen. Außer Skype, Zu-Oft-Emails-Abrufen und Joggen gibt es nichts zu tun. Mit meinen Eltern verstehe ich mich gut, auch wenn ich mich manchmal aus Langeweile über Waschmittel streite. Aber es ist klar: Das ist eine Notlösung.

Ihr Haus ist nicht mehr mein zu Hause. Es ist einfach das Haus, in dem meine Eltern wohnen.

Nicht nur Christian wohnte in diesem Sommer wieder zu Hause, auch andere Studenten ziehen wieder ins Hotel Mama. Auf SPIEGEL ONLINE erzählen zwei von Trägheit und Sorglosigkeit.

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