Reaktion auf Beschwerde Uni Hamburg begründet Auftrittsverbot für Christian Lindner

"Höchst bedenklich" fand FDP-Chef Christian Lindner, dass er an der Uni Hamburg auf Einladung der Liberalen Hochschulgruppe nicht reden durfte. Die Uni erklärte nun, warum - und verwies auf eine Routineentscheidung.

Christian Lindner: Auftritt abgesagt wegen Regeln zur Raumvergabe
Gregor Fischer / picture alliance/dpa

Christian Lindner: Auftritt abgesagt wegen Regeln zur Raumvergabe


Die Universität Hamburg hat eine Beschwerde von FDP-Chef Christian Lindner mit einer sachlichen Erklärung abgebügelt. Dass der Politiker an der Hochschule nicht auftreten durfte, begründete sie mit klaren Bestimmungen bei der Raumvergabe: Demnach sei "explizit ausgeschlossen, dass die Uni Räume für Veranstaltungen mit parteipolitischer Ausrichtung zur Verfügung stellt".

Wie eine Sprecherin der Hochschule mitteilte, habe die liberale Hochschulgruppe LHG Hamburg eine Veranstaltung mit dem Titel "LHG diskutiert mit: Christian Lindner" in den Räumen der Uni Hamburg angefragt. Dabei hätte es einen Vortrag von Lindner mit anschließender Diskussion mit dem Publikum geben sollen.

Dem Antrag sei "routinemäßig durch die zuständige Verwaltungsstelle nicht stattgegeben worden, da die Universität Hamburg bei der Raumvergabe, ob intern oder extern, den Bestimmungen über die Vergabe und Nutzung von Grundstücken und Räumen folgt". Die Universität habe dem FDP-Chef ihre Gründe bereits am Dienstag in einem persönlichen Brief erläutert, teilte die Sprecherin mit.

Lindner hatte sich zuvor bei Twitter Luft gemacht: Er halte es für "höchst bedenklich", dass die Hochschule Debatten ihrer Studentinnen und Studenten mit Politikern wie ihm ablehne. Er habe bereits an Dutzenden Veranstaltungen dieser Art an Hochschulen in Deutschland teilgenommen.

Die LHG zeigte sich von dem Auftrittsverbot für Lindner "überrascht" und versteht die Begründung der Uni nicht. "Das ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar", sagte Jonas Bayer, Vorsitzender der LHG in Hamburg, dem SPIEGEL. "Wir hatten durchaus auch vor, kritisch mit Christian Lindner zu diskutieren", betonte er.

Warum durfte Wagenknecht und Lindner nicht?

Bayer stört vor allem, dass es vor wenigen Tagen an der Hamburger Universität eine Diskussionsveranstaltung mit Sahra Wagenknecht gegeben hat - moderiert von einem Bundestagsabgeordneten der Linken. Auch Lindner sprach von "Willkür" der Universität. Wenn bei Wagenknecht ein wissenschaftlicher Vortrag akzeptiert werde, halte er auch gern einen, schrieb er auf Twitter.

Die Hochschule erklärte jedoch, die Diskussion mit Wagenknecht sei als wissenschaftliche Veranstaltung angekündigt und als "Diskussionsveranstaltung zwischen zwei wirtschaftswissenschaftlichen Positionen durch den studentischen 'Arbeitskreis Plurale Ökonomik Hamburg' beantragt worden. Sie unterliegt demnach anderen Regeln.

fok/olb

insgesamt 148 Beiträge
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arvenfoerster 23.10.2019
1. Freiheit der Wissenschaft
Es ist nicht Routine, einen Mangel an Debatte mit fehlenden Räumen zu begründen. Es mehreren sich die Beispiele, etwa im Falle Luckes (auch Uni Hamburg), Patzelts (Uni Leipzig) und jetzt Linder, in denen sich die Universität der Debatte verweigert oder zumindest das Recht auf sie nicht aktiv verteidigt. Unsere akademischen Räume laufen dadurch Gefahr, das Wichtigste aufzugeben, was sie seit den Göttinger Sieben ausmacht: die Freiheit der Wissenschaft.
klimaterium 23.10.2019
2. Dürftige Begründung
Das war allerdings nicht anders zu erwarten. In so einem Fall wird dann eine formal so eben passende Begründung heran gezogen. Woraus zieht die Uni den Schluss, dass das eine parteipolitische Veranstaltung gewesen wäre? Etwa daraus, das Lindner Parteimitglied ist? Unsere Bildungsmisere scheint schon bis in die Spitzen von Universitäten durch zu schlagen.
a.maassen 23.10.2019
3. Wetten daß ...
ein Politiker mit einem roten oder grünen Parteibuch ohne Probleme hätte reden dürfen?
interessierter10 23.10.2019
4. Hätte SPON gleich recherchiert, wäre das Ganze nicht so hoch
gekocht worden. So konnte Lindner sich als Opfer inszenieren und SPON hat sich als willfährig erwiesen. Das war kein journalistisches Ruhmesblatt.
freeride4ever 23.10.2019
5. Mimimi
Lindner.. Wer war das nochmal?
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