Comicfigur Bin Laden Tunichtgut und Terrorist

Im Comic "Bin Laden enthüllt" erbt der junge Osama Millionen und träumt von der Zerstörung des gesamten Westens. Als sexbesessener Loser mit zu viel Bakschisch gerät der Nachwuchs-Dschihadist an den falschen Hassprediger. Eine gelungene Satire, um Terrorangst wegzulachen.

Von Gabriela Seidel-Hollaender


Mai 2016: Durch einen Zufall stoßen amerikanische Soldaten im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet auf den greisen Chef der Qaida, Osama Bin Laden. Agenten der CIA verhören ihn in einem Geheimgefängnis im Irak. Der zottelbärtige Gefangene erzählt seinen Werdegang als Terrorist: Stationen eines mäßig begabten Kindes.

Früh tritt der Sohn eines immens reichen Bauunternehmers in Saudi-Arabien ein millionenschweres Erbe an. Er entwickelt sich zu einem geltungsbedürftigen Quertreiber, möchte Hochhäuser lieber zerstören, nicht bauen.

Osama besucht Scheich Abdullah Azzam, einen Prediger des Dschihad, und kommt der feisten, keksemümmelnden Gestalt gerade recht mit seinem Eifer, seinem Machthunger - und seinem Geld. Die beiden planen den heiligen Krieg, zunächst gegen die Russen in Afghanistan. Später lanciert Osama, ein sexbesessener Tunichtgut, immer größenwahnsinnigere Terrorakte. Endlich soll die Welt ihn ernst nehmen.

Der in Frankreich lebende algerische Journalist und Buchautor Mohamed Sifaoui, Jahrgang 1967, ist vor elf Jahren einem islamistischen Anschlag in Algerien nur knapp entgangen; seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem muslimischen Fundamentalismus und deckt islamistische Netzwerke auf. Jetzt will er den Terrorismus mit einem "anderen Ansatz" untersuchen. Sifaoui glaubt, dass "Lachen ein wunderbares Mittel gegen den Terror und den Schrecken sein kann". Auch wolle er dem Chef der Qaida den Nimbus nehmen und ihn "auf das reduzieren, was er im Wesentlichen ist: ein krimineller Ideologe, der skrupellos die islamische Religion instrumentalisiert, um Barbarei zu säen".

Diese Entmystifizierung ist Sifaoui, zusammen mit dem renommierten Zeichner Philippe Bercovici, auf ziemlich amüsante Weise gelungen. Darüber hinaus ist "Bin Laden enthüllt" eine historisch genaue Chronik: Dass den Amerikanern die Taliban in Afghanistan lieber waren als die Sowjets, lässt Sifaoui nicht aus, auch nicht die Schlampereien von CIA und FBI, die den Hinweisen auf das Terrornetzwerk vor dem Anschlag am 11. September nicht entschieden genug nachgingen.

Spätestens Art Spiegelmans - mit dem Pulitzer-Preis gekrönte - Shoah-Darstellung "Maus - Die Geschichte eines Überlebenden" hat offenbar die Skepsis dem politischen Comic gegenüber zerstreut. Auch wenn man Sifaoui eine polemische und reißerische Art vorwerfen könnte: "Bin Laden enthüllt" ist eine intelligente und informative Satire.



insgesamt 2 Beiträge
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SeineWeisheit 15.10.2010
1. Bestätigt
Ich habe den Comic gelesen und kann es nur bestätigen: sehr amüsant.
Parzival v. d. Dräuen 15.10.2010
2. Bilder
Der Artikel hätte ein paar Bilder bieten können, so kann er nicht mal einen ungefähren Eindruck vermitteln, ob sich der Kauf lohnt.
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