"Containern" von Lebensmitteln Studentinnen wollen in Karlsruhe klagen

Sie holten sich Lebensmittel aus den Abfallcontainern von Geschäften und wurden verurteilt: Zwei Studentinnen wollen den Diebstahl-Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und wollen deshalb beim Bundesverfassungsgericht klagen.

Ist "Containern" Diebstahl? Zwei verurteilte Studentinnen wollen vor das Bundesverfassungsgericht ziehen
Christiane Raatz/ ZB/ DPA

Ist "Containern" Diebstahl? Zwei verurteilte Studentinnen wollen vor das Bundesverfassungsgericht ziehen


Zwei Studentinnen, die in Bayern wegen sogenannten Containerns von Lebensmitteln verurteilt wurden, wollen ihren Fall vor das Bundesverfassungsgericht bringen. Die Klage soll am 8. November in Karlsruhe eingereicht werden. Das teilte die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) mit, die Gerichtsverfahren koordiniert und die beiden Frauen unterstützt.

Die Studentinnen waren in Olching bei München mit Obst und Gemüse aus dem Müllcontainer eines Supermarkts erwischt worden. Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck wertete das als Diebstahl und verurteilte die Frauen, je acht Stunden bei der örtlichen Tafel zu helfen. Außerdem erhielten sie eine Geldstrafe von 225 Euro auf Bewährung. Dieses Urteil bestätigte das Bayerische Oberste Landesgericht Anfang Oktober.

"Containern ist kein Diebstahl", erklärte dagegen Boris Burghardt von der GFF. "Wer verhindert, dass Lebensmittel verschwendet werden, tut nichts Verwerfliches." Die Frauen wurden mit den Worten zitiert: "Wir wollen unserer Positionierung gegen Lebensmittelverschwendung und die Kriminalisierung des Containerns mit dem Schritt vor das Bundesverfassungsgericht Nachdruck verleihen."

him/dpa

insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kreuzberger36 31.10.2019
1. Richtig so.
Die Verschwendung ist nicht strafbar, so viel zu Nachhaltigkeit. Viel Erfolg der Klage der beiden wünsche ich .
Hamberliner 31.10.2019
2. Re: Richtig so.
Zitat von kreuzberger36Die Verschwendung ist nicht strafbar, so viel zu Nachhaltigkeit. Viel Erfolg der Klage der beiden wünsche ich .
... sondern sogar gesetzlich vorgeschrieben: Lebensmittelabfälle dürfen in der EU nicht mehr an Schweine verfüttert werden. Es soll der Prävention von Tierseuchen (Maul- und Klauenseuche, Schweinepest) dienen. Zu erforschen, wie man diese Tierseuchen trotz Abfallverfütterung verhindern kann ist man zu faul, dämlich oder ängstlich, obwohl z.B. Japan vormacht wie das geht. Ebenso ist es dem Einzelhandel die beleidigende Diskriminierung arbeitender Singles erlaubt, die werktags nicht viele Stunden Zeit mit Selberkochen vergeuden und nur an Wochenenden z.B. Fleisch für eine Person brauchen. Nicht zwei. In meinem Kühlschrank vergammelt seit vorigem Wochenende gerade ein Minutensteak weil der Gesetzgeber REWE erlaubt hat, das immer nur paarweise zu verkaufen. Wer dabei verschwendet bin nicht ich, sondern REWE. Ich bin der Gesellschaft schuldig, meine fachliche Qualifikation nutzbar zu machen und nicht statt zu arbeiten stundenlang herumzurennen um mein Fleisch separat vom Fleischer zu holen, der Minutensteaks auch einzeln verkauft, statt alles zusammen im Supermarkt. Auch Zeitverschwendung ist Verschwendung. Eine weitere staatlich verordnete Verschwendung dabei: Direkt vor meiner Nase, auf dem Nachbargrundstück, befindet sich ein Verteil- und Logistikzentrum der Hamburger Tafel. Ich habe mich mal erkundigt, ob ich dort (typischerweise montags) angebrochene Fleischpackungen spenden dürfe. Antwort: nein, dürfen sie nicht annehmen.
arzi76 31.10.2019
3. @ Hamberliner Kommentar Nr. 2
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie Ihren Kommentar ernst meinen. Jedoch ist nicht REWE daran schuld, sondern Sie selber. Sie könnten das Minutensteak z.B. einfrieren (vor allem mit dem Wissen, daß sie es ansonsten wegschmeissen müssten). Oder Sie kochen/ braten ganz einfach 2 Streaks und bewahren eines im Kühlschrank auf. Aber Sie sind scheinbar zu wichtig in Ihrer Position, um zum Fleischer zu gehen, da sie diese Zeit scheinbar nutzen um "Ihre Arbeitskraft der Gesellschaft" zur Verfügung zu stellen... Mal ganz nebenbei macht das jeder, der einer Arbeit nachgeht und Sie unterstützen damit die Gesellschaft und den Staat der solche schlimmen Gesetze verabschiedet. Und den bösen Großkonzern REWE anstatt den regionalen Handwerker um die Ecke (Fleischer in dem Falle). Wenn Sie wirklich etwas gutes tun wollen (für sich und die Umwelt) kaufen Sie regional. Und halten Sie nicht zuviel von Ihrer "nützlichen fachlichen Qualifikation im Dienste der Gesellschaft". Das haben andere auch und gehen zum Fleischer.
foxb3b3 31.10.2019
4. doch es ist Strafbar
Der Müll gehört dem Ladenbesitzer. Entwendet man es, ist es Diebstahl. An sich wollen die Studentinnen doch nur kostenlos an Essen kommen um sich Geld zu sparen, während andere dafür arbeiten müssen. Holen die sich dann bei dem Müll den sie da raus holen dann eine Lebensmittelvergiftung darf dann wieder die Allgemeinheit dafür zahlen, dass sie behandelt werden. Am besten versuchen sie dann noch den Ladenbesitzer auf Schmerzensgeld zu verklagen, weil se verdorbene Lebensmittel gegessen haben und würden vielleicht auch noch Recht bekommen, denn der Ladenbesitzer muss dafür sorgen, dass abgelaufene Lebensmittel nicht mehr in Umlauf kommen.
taglöhner 31.10.2019
5. Infantile Sparheimer
Das hätte ja bedeutet, den Handel zu zwingen es zuzulassen, dass nicht vermarktbare Ware zu Maximaldumping (Nulltarif) in Verkehr gebracht wird. Sowas würde selbst eine Planwirtschaft ruinieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.