Copy-Paste-Affäre Guttenberg "Gegen wissenschaftliche Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen"

Im Wortlaut: Die Erklärung der Universität Bayreuth zum einkassierten Doktortitel von Karl-Theodor zu Guttenberg.


"Die Promotionskommission der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth hat gestern und heute getagt und beschlossen, den an Herrn Freiherr zu Guttenberg verliehenen Doktorgrad zurückzunehmen.

In der Promotionsordnung der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät heißt es ausdrücklich: 'Die benutzte Literatur und sonstige Hilfsquellen sind vollständig anzugeben; wörtlich oder nahezu wörtlich dem Schrifttum entnommene Stellen sind kenntlich zu machen.' Die Kommission, darauf weisen die Mitglieder einstimmig hin, hat sich davon überzeugt, dass Herr Freiherr zu Guttenberg gegen diese wissenschaftlichen Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen hat. Dies hat er auch selbst eingeräumt.

Die wörtliche oder sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstößt nach der Rechtsprechung gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens und schließt die Annahme einer Arbeit als Dissertation im Regelfall aus. Stellen sich solche Mängel, wie im vorliegenden Fall, erst nachträglich heraus, kann der Doktorgrad auf der Grundlage des Artikels 48 Verwaltungsverfahrensgesetz zurückgenommen werden.

Die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes konnte die Kommission letztlich dahinstehen lassen. Für die Kommission war entscheidend, dass unabdingbare wissenschaftliche Standards objektiv nicht eingehalten worden sind. Im Fall ihrer Verletzung ermächtigt Artikel 48 Verwaltungsverfahrensgesetz zur Rücknahme des Doktorgrades, ohne dass ein Täuschungsvorsatz nachgewiesen werden muss.

Das Verfahren der Promotionskommission der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, die ausschließlich über die promotionsrechtlichen Konsequenzen zu entscheiden hatte, ist damit beendet. Die weitere Arbeit der Universitätskommission 'Selbstkontrolle in der Wissenschaft' bleibt hiervon unberührt; sie befasst sich mit Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, die sich aus dem Fall Guttenberg ergeben, und einer Weiterentwicklung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis."

him/ dapd



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Gebetsmühle 24.02.2011
1. universität buy-reuth
Zitat von sysopIm Wortlaut: Die Erklärung der Universität Bayreuth zum einkassierten Doktortitel von Karl-Theodor zu Guttenberg. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747412,00.html
für mich ist unfassbar, wie diese angebliche universität erst einen arbeit mit der höchstnote benoten kann und dann, als der prüfkandidat den tittel zurückgeben will, über das hingehaltene stöckchen springt und sich gleichzeitig gar nicht äußert, warum genau denn die arbeit den anforderungen nicht entpricht. aber eins steht doch wohl fest: der doktortittel wurde nicht entzogen, weil guttenberg "fehler mit irgendwelchen fussnoten" gemacht hätte, sondern er wird entzogen, weil er eine leistung vorgetäuscht hat, die er selbst nicht erbracht haben kann. folglich beruht der entzug des tittels eindeutig auf der erkenntnis, dass ein betrugsversuch vorliegt. und betrüger können in diesem staat doch wohl kein hohes amt ausüben.
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