Flirt-Revier Universität Student sucht Frau

Unis gelten als ideale Partnerbörsen. Darum erschrickt VWL-Student Mathias kurz vor seinem Abschluss: 25 und immer noch unverpaart? Eilig holt er Tipps bei einem Flirtcoach ein, meldet sich zum Speed-Dating an - und wird überrascht.

Corbis

Viele Mädchen verspricht mir die Kassiererin in der Mensa. Optimistisch stecke ich mein Ticket für das Studenten-Speed-Dating an der Uni Köln ein. Nächste Woche ist es soweit: Ich werde Frauen kennenlernen. An meiner Uni.

Flirten fällt mir schwer. Und das, obwohl ich - 25, VWL-Student, Single - täglich an der größten und angeblich erfolgversprechendsten Partnerbörse überhaupt unterwegs bin. "Ich erzähle meinen Studenten immer: Sie werden nie wieder so viele alleinstehende Menschen treffen wie an der Uni", sagt der Soziologe Hans-Peter Blossfeld. In zahlreichen Studien hat er untersucht, wie Liebende zueinander finden - und festgestellt, dass sich Ehen vor allem an Hochschulen anbahnen. Alter, Bildungsstand, Lebenssituation und Freizeitverhalten von Studenten ähneln sich, noch dazu ist die Auswahl groß.

Nur: All diese Chancen bringen mir nichts, weil ich sie nicht nutze. Wenn mir eine Frau gefällt, genieße ich und schweige. Viele Fragen hindern mich daran, eine Frau anzusprechen: Was soll ich ihr sagen? Wie komme ich rüber? Wie wird sie reagieren? Beim Feiern räumt der Alkohol diese Fragen zwar meist aus dem Weg. Der erste Kontakt schafft jedoch Platz für neue: Über was sollen wir sprechen? Sollen wir bei der lauten Musik überhaupt sprechen? Was ist beim Tanzen zu wenig, was zu viel? Also bin ich auf die Initiative der Frauen angewiesen. Der Haken: Wählerisch bin ich auch noch.

Doch langsam bekomme ich Angst: Im Frühling werde ich mein Studium abschließen und die Uni verlassen; mehr Arbeit, weniger Zeit und bereits Vergebene erwarten mich. Die Zeit drängt. Vor dem Speed-Dating spreche ich mit einem Flirtcoach. Von Maximilian Pütz, Autor des Ratgebers "Der perfekte Eroberer", will ich wissen, wie ich die Partnerbörse Uni am besten nutzen kann. Das Unigelände sei der beste Ort für einen Flirt, sagt Pütz. Viele Frauen laufen über den Campus, kaum eine erwartet, hier angesprochen zu werden. "In der Disco sind die Frauen das gewohnt und deshalb voreingenommen. Diese Abwehrhaltung fehlt auf der Straße, und du hast hier keine Konkurrenz wie im Club."

"Tut mir leid, aber ich habe einen Freund"

Grundbedingung sei jedoch, dass ich mich überwinde. Ich solle einer Frau einfach sagen, dass sie mir gefällt und ich sie gerne kennenlernen möchte. Die meisten Männer seien überrascht, wie positiv Frauen darauf reagieren, sagt Pütz. Warum sollten sie auch negativ reagieren?

Meinen Mut nehme ich schließlich in der Bibliothek zusammen, wo mir beim Lernen eine Studentin auffällt. Als sie den Lesesaal verlässt, folge ich ihr in den Flur und spreche sie an. "Hi, du bist mir vorhin aufgefallen und ich möchte dich gerne kennenlernen." Mehr bekomme ich nicht raus. Sie lächelt: "Tut mir leid, aber ich habe einen Freund." Ich antworte: "Schade, aber wenn ich dich nicht angesprochen hätte, dann hätte ich es nie erfahren." - "Schön, dass du mutig warst." Eine Woche später grüßt sie mich in der Cafeteria.

Voll verknallt - die besten Flirtsprüche

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Für die Vorlesung rät mir der Flirtcoach zu einem Zettel mit den Worten "Willst Du mit mir gehen? Ja. Nein. Vielleicht." Das breche das Eis und wir hätten einen Grund, gemeinsam zu lachen. Mein erster Versuch in "Einführung in die Psychologie" geht gleich doppelt schief. Die Kommilitonen reichen den Zettel zur falschen Frau weiter, und die gibt ihn auch noch sofort mit strengem Blick zurück. "Das mit dem Zettel ist ja wie beim Russisch Roulette", kommentiert mein Vordermann.

Nach der Pause setze ich mich in eine andere Ecke des Hörsaals. Diesmal gebe ich einer blonden Studentin in der Reihe vor mir den Zettel selbst. Sie nimmt ihn mit überraschtem Blick, dreht sich nach dem Lesen kurz lächelnd zu mir und kreuzt "vielleicht" an. Wir lachen beide. Ihre Telefonnummer möchte sie mir nach der Vorlesung zwar nicht geben, aber immerhin hatten wir eine unterhaltsame Begegnung. Und das Speed-Dating in der Mensa steht schließlich auch noch an.

Beim Flirten gilt: Emotion statt Information

Dafür rät mir Maximilian Pütz, keinesfalls jedes Mal meinen Lebenslauf runterzurattern. "Mach alles, was aus der Masse heraussticht und eine emotionale Reaktion hervorruft." Beim Flirten gelte der Grundsatz: Emotion statt Information. "Tu einfach was Bescheuertes: Sag nichts, lächle sie nur an, sprich darüber, wie absurd die Situation ist, oder erzähl deinen Lieblingswitz", sagt Pütz. "An wen wird sie sich am Ende mehr erinnern? An den Typen, der mit ihr zum 20. Mal übers Studium gesprochen hat, oder an dich?"

Beim Speed-Dating gebe ich mein Bestes, keine förmlichen Vorstellungsgespräche zu führen. "So, du hast also ein Nasenpiercing", eröffne ich ein Gespräch mit einer Teilnehmerin. "Ja, hast du ein Problem damit?", fragt sie. "Nein, aber meine Mutter bestimmt!" Sie lacht: "Ja, mein Vater auch." Eine andere Studentin trägt eine markante Hornbrille. Ich frage sie nach ihrer Sehstärke. "Die weiß ich gar nicht", sagt sie. "Na dann bin ich gespannt, wie du ohne Brille aussiehst. Darf ich das mal sehen?", frage ich. Ja, ich darf. Und die Teilnehmerin mit der Louis-Vuitton-Tasche frage ich, ob ihre Tasche echt ist, eine andere, welchen Typen sie hier am süßesten findet.

Nach dem Speed-Dating können wir uns noch bei Kölsch und Schnittchen unterhalten. Mit der Studentin, die mir an diesem Abend besonders gut gefallen hat, tausche ich Nummern aus.

Was auch immer daraus wird: Ich hatte seit meiner Flirt-Offensive überraschend nette Begegnungen. Noch immer kostet es mich Überwindung, eine Frau anzusprechen. Aber ich habe mir eine lockere Einstellung angewöhnt: Wenn eine Frau auf eine nette Aktion oder einen freundlichen Spruch patzig reagiert, hat sie ein Problem - und nicht ich.


Dora Trân
UND JETZT WIRD GEHEIRATET!

Erfolgreich angebandelt und die Hochzeit schon im Blick? Hier steht, wie es mit der Traumhochzeit klappt, ohne sich mit dem Fest bis 2045 zu verschulden. Diese Studenten haben sich getraut! mehr...


insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hans-peter2000 27.12.2013
1. ...
Alles hängt von der Konstitution der eigenen Seele ab. Wer Angst in der Seele hat oder keinen Zugang zu ihr hat, wird eine Frau nicht begeistern/ überzeugen können. Das ist eine Frage des Unterbewusstseins und nicht des Verstands. Daher bringen die Flirt-Ratgeber nichts. Viel eher sollte man an sich selbst/ der Persönlichkeit arbeiten. 25 ist übrigens kein Alter. Am Berufseintritt zerschellen sowieso langfristig viele Partnerschaften, da die Partner sich ganz anders entwickeln müssen um beruflich zu bestehen. Daher: Alles ist im Fluss...für gelungene Partnerschaften ist es nie zu spät.
marthaimschnee 27.12.2013
2.
Zitat von sysopCorbisUnis gelten als ideale Partnerbörsen. Darum erschrickt VWL-Student Mathias kurz vor seinem Abschluss: 25 und immer noch unverpaart? Eilig holt er Tipps bei einem Flirtcoach ein, meldet sich zum Speed-Dating an - und wird überrascht. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/date-an-der-uni-liebe-flirttipps-speeddating-fuer-studenten-a-938503.html
Na klar, was sonst! Wenn der Realitätsverlust bei ihm als angehendem Ökonom genauso groß ist, wie die unserer TOP Vorbilder in der Wirtschaft, dann ist es kein Wunder, daß er den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Lustig ist, daß die Sichtweise von jemandem, der was "Richtiges" studiert, ganz ähnlich ist. Nur sieht der keinen Wald, weil er in der Wüste steht, sprich, in den MINTs gibt's wirklich kaum Frauen!
ludwig49 27.12.2013
3. Schon kompliziert geworden...
...wenn der Herr Student inzwischen für das Speed-Dating im Vorfeld den Flirt-Coach braucht. An das Leben nach dem Studium mag man gar nicht denken. Und VWL! Sind das nicht auch die, die beispielsweise Prognosen für die Zukunft abgeben, alles wissen und dann doch nichts auf die Reihe bringen. Wen wundert das.
spiegelfreak 27.12.2013
4. Problem: Du bist halt nur ein
Das Problem beim "Dating" einer gutaussehenden Frau an einer UNI: Der Mann ist halt "nur Student". Die Frau ist dagegen eine junge, gutaussehende angehende intellektuelle Akademikerin. Zudem sind Frauen geistig ca. 3 bis 7 Jahre "weiter". Du bist also ein 22 jähriges fast-noch-Kind und sie ist auf dem Zenit ihrer körperlichen und geistigen Attraktivität. DAS PASST NICHT ZUSAMMEN. Wenn Du 22 bist, dann suchst Du gleichaltrige oder Frauen unter 22. Da gibt es gerade mal 4 Jahrgänge an der Uni: 22, 21, 20, 19 - und noch einen ausserhalb der Uni (18). MAGER! Diese 4 Jahrgänge aber greifen auf ALLE Jahrgänge der Uni (und logischerweise auch ausserhalb der Uni) zu: Also locker mal 8 Studenten-Jahrgänge. Plus alle jungen Professoren. Plus ALLE Assistenten. Macht mal locker 15 Jahrgänge. Ich würd mal schätzen, dass auf jede halbwegs schlanke und halbwegs gutaussehende Frau in einer Deutschen Uni MINDESTENS drei Männer kommen. Und dann sind da noch die Männer AUSSERHALB der Uni: Akademiker die schon verdienen und den Frauen etwas "bieten" können, dass Du als Student in der Regel NICHT bieten kannst, also etwa Reisen nach Thailand, oder ein total schickes Innenstadt Apartment statt eines stinkigen WG Zimmers in dem Du wohnst! Ja klar: Sie sagt "mir ist das alles egal". Schau Dir das in 10 Jahren nochmal an, und dann isehst Du: Es ist anders ;-) Berechnet man noch, dass es in jedem älteren Jahrgang mehr Menschen gibt (also 22 Jährige Frauen = 2 Millionen aber z.B. 2,7 Millionen 32 jähriger Männer), dann ergibt sich ein ungeheurer "Druck" von höheren Männerjahrgängen, der sich nach "unten" durchreicht. Es gibt in DE einen "virtuellen Männerüberschuss" da in Akademikerkreisen Frauen in der Regel deutlich jünger sind bei Paaren. So gesehen kommen auf jede intellektuelle angehende Akademikerin locker mal 5 bis 10 Männer. Das Ergebnis wirkt sich natürlich auf das Verhalten diese Frauen aus: Sie müssen keinerlei Anstrengungen unternehmen um an Männer zu kommen (ausser sie haben einen Psychoknacks der dazu führt dass sie NUR Männer wollen, die sie nicht bekommen können - aber von den Frauen kann man eh abraten). Wer sich nicht anstrengen muss, der lässt sich gehen: Z.B. figurmässig. Das führt dann zu einer weiteren "Verknappung" von normalfigürlichen Frauen - und der Quotient wird immer ungünsiger für den männlichen Studenten. Einziger Trost: In den USA ist es NOCH schlimmer ;-) Aber man darf ja aus Deutchland jederzeit auswandern. Hätte ich z.B. 10 Jahre früher tun sollen. Nun ja. Tip: Es gibt tatsächlich Länder, in denen das alles genau andersherum ist.
hallosaurus 27.12.2013
5. Und sie sind es doch...
"Die meisten Männer seien überrascht, wie positiv Frauen darauf reagieren, sagt Pütz. Warum sollten sie auch negativ reagieren?" Darüber musste ich schmunzeln. Ich habe sehr viele negative Erfahrungen in Deutschland gemacht, aber erlebt, dass es in anderen Ländern (vor allem Skandinavien) ganz anders läuft. Zum einen geht man dort netter mit Anmachversuchen um und zum anderen sind Frauen selbst unglaublich aktiv- sprechen Männer oft selbst an. Meine Freunde wollten es nicht glauben, waren aber bei einem Besuch völlig begeistert, wie toll sich Frauen in Schweden bspw. verhalten. Leute wollen einfach Spaß haben. Aus meiner Sicht liegt da der Hund begraben. Deutsche neigen vielleicht zu einer zu ernsten Einstellung?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.