Datenleck Interne Papiere enthüllen Rechtsextremismus bei Burschenschaften

Von

Die Deutsche Burschenschaft - überaltert und schwindsüchtig


Viele Alte, wenig Junge: Das Verhältnis von Ehemaligen zu Aktiven ist etwa neun zu eins
dapd

Viele Alte, wenig Junge: Das Verhältnis von Ehemaligen zu Aktiven ist etwa neun zu eins

Eine jahrzehntelange "Abstimmung mit den Füßen" (Quelle: Abschlussbericht der Regionalkonferenzen, Februar 2010) hat die Deutsche Burschenschaft erheblich geschwächt. Sie leidet - mit Ausnahme der rechtsextremen Burschenschaftlichen Gemeinschaft - unter erheblichen Nachwuchsproblemen und Überalterung.

Der Verband selbst gibt seine Mitgliederzahl auf seiner Internetseite mit etwa 15.000 an. Externe Schätzungen gingen bislang von rund 11.500 Verbandsbrüdern aus. Der Bericht zu den Regionalkonferenzen aus dem Februar 2010 belegt jedoch, dass weniger als zehntausend Burschenschafter dem Verband angehören - und wie ernst das Problem gesehen wird:

"Allein in den vergangenen vier Jahren hatte die DB einen Mitgliederschwund von 3000 Burschenschaftern zu verzeichnen - an einzelnen Burschenschaftern und ganzen Burschenschaften. Der Verband repräsentiert damit heute nur mehr knapp 10.000 Mitglieder (zum Vergleich: Anfang der 70er Jahre umfasste die DB noch über 35.000 Mitglieder) und der Austritt von Weiteren kann nicht ausgeschlossen werden- er droht jederzeit. Für die DB bedeut dies nicht nur einen zunehmenden Verlust an repräsentativer Bedeutung und Einflussvermögen- so von letzterem noch etwas verblieben ist. Nein, auch der finanzielle Rahmen wird bei anhaltender Entwicklung mittelfristig reduziert werden müssen. Es bleiben dem Verband nur mehr wenige Semester, um die ursächlichen Probleme für diesen Exodus zu finden und zu lösen, bevor er in der völligen Bedeutungslosigkeit verschwunden ist und auch im burschenschaftlichen Lager nur noch eine Minderheit der existenten Bünde repräsentieren wird."
(Nachrichtenblatt 308 vom 6. Februar 2010)

Sehr wahrscheinlich ist, dass selbst die genannte Mitgliederzahl noch zu hoch gegriffen ist. Der aktuelle Tätigkeitsbericht der organisierten Alten Herren zeigt, wie schwer es dem Verband fällt, seine genaue Stärke zu ermitteln:

"Die weitere Vorort-Tätigkeit beinhaltete die nach wie vor extrem mühsame Erhebung der jährlichen Stärkemeldungen und Amtsträgeradressen. Nach einigen Mahnläufen konnten so immer 78 VABen (Anm. d. Red.: Vereinigungen Alter Burschenschafter) dazu bewogen werden, ihre Stärkemeldung abzugeben. Bedauerlich ist, daß die zahlreichen Nichtmeldungen jegliche Form einer konzertierten Mitgliederwerbung oder selbst die Aktualisierung der Netzseiten des Verbandes nahezu unmöglich machen. Wenn man auf absehbare Zeit hier zu einer konstruktiven Verbandsarbeit zurückkehren will, wird man um die konsequente Streichung langjähriger Karteileichen nicht herumkommen."
(Tagungsunterlagen zum Altherrentag 2011)

Nur eines von vielen Beispielen des Burschenschaftsalltags ist ein Protokoll der studentischen Aktiven der Saarbrücker Ghibellinia mit knapp 20 Aktiven und rund 100 Alten Herren aus dem Dezember 2010:

"TOP 1: Die Tagesordnung wird verlesen und genehmigt

TOP 2: Das Protokoll wird genehmigt.

TOP 3: Post
Nichts

TOP 4: Gewesene Veranstaltungen
Julfest: Das Fest war sehr schlecht organisiert. Zusätzliche Probleme bereitete die krankheitsbedingte Abwesenheit des Sprechers am Samstag. Nur durch den massiven Einsatz einiger Bundesbrüder, vor allem AH X*, konnte das Fest erfolgreich verlaufen. Zukünftig sollen Einkäufe rechtzeitig getätigt werden, nicht erst am Tag der Veranstaltung. Außerdem soll ein Zeitplan und eine Liste mit einer Aufgabenverteilung erstellt werden. Das Fest war leider abermals schwach besucht, viele Alte Herren aus der Umgebung haben gefehlt.

TOP 5: Kommende Veranstaltungen
Mensurtag: Die Paukantenbetreuung beginnt Freitag um 18 Uhr. Samstag ist Treffpunkt um 8 Uhr für die Aktiven. Bundesbruder X* wird Mettbrötchen besorgen, die verkauft werden können. Die Mensurmannschaft wird aus den Bundesbrüdern X*, AH Y* sowie AH Z* bestehen.
Silvesterfeier: Die Veranstaltung fällt mangels Interesse aus. Stattdessen wird die Aktivitas die Silvesterfeier der PV Fiducia Germania besuchen.
Ghibellinenstammtisch: Die Veranstaltung fällt aus.

TOP 6: Fuchsenkritik
Fuchs X* wird für seine gute Arbeit während der Kneipe gelobt.

TOP 7: Verschiedenes
Nichts"

* Die Namen sind der Redaktion bekannt
- orthographische Fehler wie im Original -

Burschen-Leaks: Einblick in eine verschworene Gemeinschaft

insgesamt 382 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BartSimpson, 15.07.2011
1.
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
Jetzt bin ich aber überrascht.
wolffsohn 15.07.2011
2. Europas Antidemokraten Sorgen Uns...
ZITAT: "Den Trend der antidemokratischen, sich gegen die Menschen Europas richtenden Strömungen kann man nur aufhalten, wenn man Brüssel mehr Entscheidungsmacht überantwortet und Europa anstelle eines Kommissionspräsidenten jetzt endlich einen gemeinsamen Präsidenten nach Vorbild der USA benennt, der den Staatsregierungen und seinen Gouverneuren übergeordnet ist. Zur Zeit aber erlebt Europa den Fortschritt des Rückschritts." Den ganzen Artikel lesen Sie hier: http://brainlux-contor.blogspot.com/2011/07/danemarks-nazis-zerstoren-europa.html
Berta, 15.07.2011
3. Und sowas sitzt später wieder
in den Verwaltungen usw. hört das denn nie auf.
joey55 15.07.2011
4.
Jämmerlich ist allein dieser Bericht. 40 von 123 Burschenschaften dominieren den Verband? Lächerlich. Dass sich der Spiegel einer Berichterstattung über Gewalttaten gegenüber Verbindungsstudenten jeder Couleur verweigert ist bezeichnend. Das ist nichts als reiner Skandaljournalismus, der sich auf vereinzelte Dokumente und Aussagen stützt, aber die Veröffentlichung liberaler Beschlüsse und Dokumente unetrlässt.
otto huebner 15.07.2011
5. wer wie ein clown ..........
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
rumlaeuft wird wie ein clown wahrgenommen. die nimmt doch KEINER wirklich ernst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.