Datenleck Interne Papiere enthüllen Rechtsextremismus bei Burschenschaften

Von

Politik-Phantasien: Der Traum vom gesellschaftlichen Rechtsruck


Jörg Haider, Burschen, SS-Veteranen (im Jahr 2000): "Heimat in der FPÖ"
Getty Images/ Newsmakers

Jörg Haider, Burschen, SS-Veteranen (im Jahr 2000): "Heimat in der FPÖ"

Die politischen Ziele der Rechtsextremen und der Gemäßigten liegen weit auseinander. Während die SI zwar weit rechts steht, sich aber mit der bundesrepublikanischen und europäischen Realität arrangiert hat, träumt die BG offenbar von einem gesellschaftlichen Rechtsruck in Deutschland. Dabei ist auch relevant, dass etwa die Hälfte der rund 40 BG-Bünde aus Österreich kommt. Dort spielt die rechtspopulistische FPÖ - und in ihr eine Reihe aktiver Burschenschafter und Alter Herren - eine gewichtige Rolle. Im November 2009 referiert Walter Rosenkranz, Mitglied der rechten Wiener Burschenschaft Libertas und österreichischer FPÖ-Parlamentarier:

"1954 kam es zur Gründung der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). 1983 erfolgte die erste Beteiligung an einer Regierung. 1986 kommt die Zeit von Jörg Haider (Wiener akademische Burschenschaft Silvania), der 1989 Landeshauptmann in Kärnten wird, und die FPÖ zu Wahlergebnissen führt, die die Größenordnung der Volksparteien erreichen und übertreffen. […] Zusammenfassung: Die FPÖ ist nicht die Partei der Burschenschafter, aber Burschenschafter finden - wie andere Korporierte - meist ihre Heimat in der FPÖ."
(Protokoll der SI-Tagung zu Europa vom 5. und 6. November 2009)

Bei den jüngsten Wahlen im Bundesland Wien wurde die FPÖ mit einem Viertel der Stimmen zweitstärkste Kraft - und entsprechend selbstbewusst treten auch die mit ihr verbundenen österreichischen Burschenschaften auf.

Hoffnung auf einen Rechtsruck in Deutschland schöpft die Burschenschaftliche Gemeinschaft aus der öffentlichen Resonanz auf die biologistischen Thesen Thilo Sarrazins. So begründet die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn ihren Antrag, rassistische Aufnahmekriterien in die Verfassung der DB aufzunehmen, wie folgt:

"Es ist aber völlig unverständlich, dass gerade in einer historischen Phase, in der die 68er den Zenith ihres Einflusses bereits überschritten haben und die gebildeten Schichten, angeregt durch die von Thilo Sarrazzin öffentlich vertretenen Ansichten, beginnen, sich mit den Grundlagen eines biologischen und damit wissenschaftlichen Menschenbildes vertraut zu machen, nun mit 40 Jahren Zeitverzögerung die Deutsche Burschenschaft sich plötzlich jene widerlegten Thesen zueigen macht, von dem der Rest des Deutschen Volkes sich gerade mühsam freizukämpfen beginn. Indem sie eine eindeutige Haltung in der Frage des Volkstumsbegriffs einnimmt, hat sie sich vielmehr an die Spitze dieses radikalen Umschlagens des öffentlichen Diskurses zu stellen, dessen Tragweite heute noch gar nicht abzusehen ist."
(Nachrichtenblatt 312 vom 23. April 2011 - der Antrag soll aus formalen Gründen erst auf dem Burschentag 2012 verhandelt werden - Anm. d. Red.)

- orthographische Fehler wie im Original -

Burschen-Leaks: Einblick in eine verschworene Gemeinschaft

insgesamt 382 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BartSimpson, 15.07.2011
1.
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
Jetzt bin ich aber überrascht.
wolffsohn 15.07.2011
2. Europas Antidemokraten Sorgen Uns...
ZITAT: "Den Trend der antidemokratischen, sich gegen die Menschen Europas richtenden Strömungen kann man nur aufhalten, wenn man Brüssel mehr Entscheidungsmacht überantwortet und Europa anstelle eines Kommissionspräsidenten jetzt endlich einen gemeinsamen Präsidenten nach Vorbild der USA benennt, der den Staatsregierungen und seinen Gouverneuren übergeordnet ist. Zur Zeit aber erlebt Europa den Fortschritt des Rückschritts." Den ganzen Artikel lesen Sie hier: http://brainlux-contor.blogspot.com/2011/07/danemarks-nazis-zerstoren-europa.html
Berta, 15.07.2011
3. Und sowas sitzt später wieder
in den Verwaltungen usw. hört das denn nie auf.
joey55 15.07.2011
4.
Jämmerlich ist allein dieser Bericht. 40 von 123 Burschenschaften dominieren den Verband? Lächerlich. Dass sich der Spiegel einer Berichterstattung über Gewalttaten gegenüber Verbindungsstudenten jeder Couleur verweigert ist bezeichnend. Das ist nichts als reiner Skandaljournalismus, der sich auf vereinzelte Dokumente und Aussagen stützt, aber die Veröffentlichung liberaler Beschlüsse und Dokumente unetrlässt.
otto huebner 15.07.2011
5. wer wie ein clown ..........
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
rumlaeuft wird wie ein clown wahrgenommen. die nimmt doch KEINER wirklich ernst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.