Datenmanipulation Fälschungsskandal um deutschen Star-Physiker

Wegen der Manipulation von Forschungsergebnissen hat die Universität Konstanz dem bereits als Nobelpreisträger gehandelten Physiker Jan Hendrik Schön den Doktortitel entzogen.


Konstanz - "Der Fall Schön ist der größte Fälschungsskandal in der Physik der letzten 50 Jahre", sagte Wolfgang Dieterich, Fachbereichssprecher Physik und Vorsitzender des Promotionsausschusses der Universität. Ein Wissenschaftler, der wie Schön Daten manipuliere, sie in falschem Zusammenhang präsentiere sowie künstlich erzeuge, sei unwürdig, einen Doktortitel zu tragen.

Die am Freitag veröffentlichte Entscheidung sei bereits vor drei Monaten von einem mit zwölf Hochschullehrern besetzten Gremium getroffen und vor zwei Wochen Hendrik mitgeteilt worden, sagte Dieterich weiter. Schön könne innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung Widerspruch einlegen.

Der heute 34 Jahre alte Schön hatte nach seiner Promotion an der Universität Konstanz seit 1998 an den Bell-Laboratorien im US-Staat New Jersey gearbeitet. Wegen seiner spektakulären Ergebnisse hätten einige Kollegen ihn bereits als möglichen Nobelpreisträger genannt, sagte Dieterich.

Anfang 2002 seien jedoch erste Zweifel an Schöns Ergebnissen aufgekommen. Eine Kommission habe 25 Veröffentlichungen Schöns unter die Lupe genommen und in 16 Fällen Datenmanipulationen festgestellt, teilte die Universität Konstanz mit. Damit könne wissenschaftliches Fehlverhalten zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Die Universität stellte klar, dass das Fehlverhalten nicht in direktem Zusammenhang mit der Promotion des Physikers stehe, jedoch bei dessen späteren Arbeiten an den Tag gelegt worden sei. Das Universitätsgesetz sehe vor, dass der Doktortitel entzogen werden kann, wenn sich "der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung des Grades als unwürdig erwiesen hat".



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.