Pro & Contra Soll es Bestenlisten an Unis geben?

Sollten Hochschulen Listen über ihre Top-Studenten führen? Ja, findet Studentin Elsa Schmoock, so erkennen die Unis endlich Spitzenleistung an - und es verbessern sich die Jobchancen. Nein, findet Student Jan Cloppenburg, die Elitenförderung ist ungerecht.


Pro

Elsa Schmoock

"Die Dean's List ist nicht nur Ausdruck der Anerkennung erbrachter Studienleistungen, sondern bietet auch zahlreiche Möglichkeiten, sich die besten Voraussetzungen für das spätere Berufsleben zu schaffen. Insbesondere die Partnerunternehmen tragen dazu bei. Jedes Unternehmen stellt einen Ansprechpartner exklusiv für Dean's-List-Studierende zur Verfügung, der für jegliche Fragen und Anregungen offen ist.

Die Angebote seitens der Unternehmen reichen von Seminaren und Workshops bis hin zu Praktika und Jobausschreibungen. Um sich auch persönlich besser kennenzulernen, werden beispielsweise gemeinsame Dinner, Unternehmensexkursionen oder auch mal eine Kunstführung bei einem Partnerunternehmen angeboten.

Als weiterer wichtiger Aspekt steht für mich vor allem die Vernetzung der Studierenden im Vordergrund. Als eine der Dean's-List-Sprecher bin ich mitverantwortlich, für einen regen Austausch zu sorgen. Bei unseren regelmäßig stattfindenden Stammtischen werden nicht nur Wünsche und Ideen bezüglich der Angebote der Dean's List besprochen, sondern darüberhinausgehend auch Freundschaften geschlossen. Ferner werden einem tiefergehende Einblicke in den Fachbereich gewährt, was unter anderem durch die Kaminabende mit unserem Dekan, Professor Hackethal, zum Ausdruck kommt. Insgesamt kann ich überzeugt sagen, dass es für mich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich eine große Bereicherung ist, Mitglied der Dean's List zu sein."

Elsa Schmoock studiert im fünften Semester Wirtschaftswissenschaften an der Universität Frankfurt am Main. Sie ist Sprecherin der Dean's List ihres Jahrgangs.

Contra

Jan Cloppenburg

"Warum ist der Irrglaube so verbreitet, dass gerade die Studierenden mit den besten Noten die stärkste Förderung benötigen? An zahlreichen Hochschulen werden den drei, fünf oder zehn Prozent mit den besten Noten geradezu absurde Vorteile versprochen: Sie werden zu Stammtischen und zu Teestunden mit den Professoren und Professorinnen eingeladen, bekommen extra Workshops für Soft Skills angeboten und treffen bei Dinner-Events auf potentielle Arbeitgeber - Nachwuchsrekrutierung auf Staatskosten!

Gute Noten resultieren in der Regel aber gerade daraus, dass diese Studierenden im Laufe ihres Lebens bereits die stärkere Förderung erhalten haben. Die Prinzipien der Gleichheit und Bildungsgerechtigkeit verlangen, dass unsere Hochschulen ihre allzu begrenzten Mittel dafür einsetzen, allen Studierenden ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen.

Dabei müssen sie auf die Diversität von Menschen mit völlig unterschiedlichen Biografien eingehen und neue Zugänge zu Bildung ermöglichen. Gerade jene, die aus verschiedenen Gründen (bisher) nicht in der Lage sind, gute Noten zu schreiben - zum Beispiel, weil sie neben dem Studium arbeiten müssen oder bisher kaum gefördert wurden -, brauchen intensivere Unterstützung. Öffentliche Mittel müssen in die Stärkung der Chancengleichheit investiert werden. Unser Bildungssystem ist eines der selektivsten der Welt. Würden die Hochschulen die Kreativität, die sie für Eliteförderung aufbringen, in die Gestaltung der Lehrpläne und die Entwicklung wertvoller Lehrmethoden stecken, hätten alle Studierenden bessere Noten und mehr Freude am Studium. Wir brauchen nicht mehr Auslese, wir brauchen mehr Gerechtigkeit."

Jan Cloppenburg studiert Politikwissenschaft an der Universität Bremen. Seit Ende 2013 ist er Vorstandsmitglied des freien Zusammenschlusses von Studentinnenschaften (fzs).

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insgesamt 3 Beiträge
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Waisenkind 30.04.2014
1. Welch Überraschung
Die Studentin, die auf der Liste steht, findet die Liste gut und der Student, der vermutlich nicht darauf steht, findet es schlecht. Welch Überraschung. Beiden gelingt es nicht, die Vor- und Nachteile zu sehen. Und auch im Artikel werden doch eher seltsame Ansprüche an gute Studierende gestellt. Die guten sollten den schlechten dann auch Nachhilfe geben? Klar, nett wäre das, es aber zu einer Forderung machen? Auch die Aussage des Studenten, das gute Studierende nur wegen der starken Förderung so gut sind, halte ich für Neid. Ja, zum Teil liegt es auch an der Förderung. Andererseits ist es einfach so, dass wir von Natur aus nicht alle gleich sind. Etwas, das viele offenbar nur schwer akzeptieren können. Das eine schließt das andere doch nicht aus. Warum sollte es nicht möglich sein, unterschiedliche Förderungen für unterschiedliche Studierende anzubieten. Herr Cloppenburg möchte Gleichheit und Bildungsgerechtigkeit, wobei er darunter zu verstehen scheint, dass alle die gleichen Noten haben sollten. Ich verstehe unter Gleichheit allerdings, dass alle Studierende eine Förderung bekommen, wobei diese Förderung nicht für alle Studierende dieselbe ist, sondern eben auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt. Ich habe in meiner eigenen Studienzeit als Tutorin gearbeitet und habe Tutorien speziell für schwächere Studierende angeboten (inklusive Extratutorien an Wochenenden etc. und diese wurden von der Uni nicht bezahlt). Gleichzeitig habe ich aber auch Tutorien für besonders interessierte Studierende angeboten. Und zu Guter letzt auch nich eines für alle. So konnte sich jeder Studierende aussuchen, welches Tutorium für ihn das richtige war. Die Vorlesung und die abschließende Klausur waren dann aber für alle dieselben.
OskarVernon 30.04.2014
2.
Zitat von sysopSollten Hochschulen Listen über ihre Top-Studenten führen? Ja, findet Studentin Elsa Schmoock, so erkennen die Unis endlich Spitzenleistung an - und es verbessern sich die Jobchancen. Nein, findet Student Jan Cloppenburg, die Elitenförderung ist ungerecht. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/deans-list-dekanslisten-elitenfoerderung-im-studium-a-966246.html
Gute Noten resultieren (wie übrigens die meisten Erfolge im Leben!) in aller Regel daraus, dass sich jemand dafür ins Zeug gelegt hat; und weniger gute eben daraus, dass da jemand andere Prioritäten gesetzt hat als sich bessere zu erarbeiten.
angelobonn 01.05.2014
3. Gleichmacherideologie
Diese dümmliche Gleichmacher-Ideologie des Herrn Cloppenburg ist zum verzweifeln. Selbstverständlich brauchen wir in Deutschland eine stärkere Förderung der Spitze, wenn wir unseren Wohlstand dauerhaft behalten wollen. Gut, dass einzelne Universitäten derartige Angebote trotz des Links-Grünen Drucks zum Gendern und Gleichstellen von unterschiedlichen Begabungen schaffen!
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