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Diplom-Tauschaktion: Zeig her, gib her

Foto: Florian Luxenburger

Weltreise als Diplomarbeit Tauschhandel zum Abschluss

Für seine Diplomarbeit reist Florian Luxenburger um die Welt und startet eine kuriose Tauschkette: Er gibt das Kaleidoskop seiner Oma weg - und bekommt eine Bronzepyramide, ein Spielzeugschiff und eine Nutella-Spritze. Seine Tauschpartner fotografiert er und schreibt ihre Geschichten auf.

Es gibt Studenten, die erledigen ihr Praxissemester mit einem schlichten Praktikum in einer Werbeagentur. Und es gibt Menschen wie Florian Luxenburger, 27, Kommunikationsdesigner, hungrig auf die Welt, der sich zwei Kameras in den Rucksack steckt und für acht Monate auf Reisen geht.

Von der FH in Trier fuhr Luxenburger vergangenen Herbst zunächst mit dem Auto nach Istanbul , dann ging es mit dem Flugzeug kreuz und quer durch die Welt: Indien, Thailand, Laos, die Philipinen, Japan, USA, Mexiko, Guatemala, Rumänien, Polen, Spanien und Amsterdam. Einen richtigen Plan hatte er nicht. "Ich habe die Tickets spontan gekauft, dahin, wo es günstig war", sagt Luxenburger. Er hatte nur den Drang zu fotografieren, zu filmen und zu schreiben. Außerdem die Idee zu einem ungewöhnlichen Tauschprojekt .

Dabei ging es Luxenburger nicht um eine "Hans-im-Glück"-Aktion wie die des Kanadiers Kyle MacDonald, der sich vor einigen Jahren von einer roten Büroklammer per Kettentausch bis zu einem eigenen Haus hochtauschte. Luxenburger interessierten die Geschichten hinter den Objekten, die er fotografieren und weitergeben wollte.

"Wir alle haben Gegenstände, die uns helfen, sich an bestimmte Personen oder Erlebnisse zu erinnern. Mein Ziel war es, verschiedene Gegenstände mit emotionaler Bedeutung in der ganzen Welt zu finden", sagt Luxenburger. Also ließ er sich von den Menschen, die ihm auf der Reise begegneten, persönliche Gegenstände geben und hinterließ dafür eine Sache, die er vorher selbst getauscht hatte. Die damit verbundenen Erinnerungen protokollierte er. Schließlich entstand daraus ein Teil seiner Diplomarbeit.

Die Welt aus der Perspektive eines Suchers

Den erste Gegenstand für diese Aktion stellte Luxenburger selbst: ein 50 Jahre altes Kaleidoskop seiner Großmutter. "Ich hatte es nach vielen Jahren wiedergefunden. Es steht gewissermaßen für meine Begeisterung für visuelle Erlebnisse, und damit bin ich dann losgezogen", sagt Luxenburger. Sein Vater ist Fotograf. Schon seit er ein Kind ist, betrachtet er die Welt aus der Perspektive eines Suchers.

In der jeweiligen Stadt angekommen, begann Luxenburger, in Szeneviertel und Bars zu gehen. Er besuchte Maler, Fotografen, Bildhauer und Street-Art-Künstler. Er wohnte bei Menschen, die er zufällig auf Partys kennengelernte, ließ sich weiterempfehlen oder quartierte sich in einem alternativen Künstlerhaus ein.

"Erst kurz bevor ich abgereist bin, habe ich dann die Leute, die ich cool fand, um einen Gegenstand gebeten", sagt Luxenburger. So kam er an die Bronzepyramide einer Pantomime, die "Love injection"-Spritze mit Nutella von zwei Kunsthistorikerinnen oder an das Spielzeugboot eines Wall-Street-Bankers.

"Ich habe nicht mit jedem getauscht, es sind immer Menschen gewesen, mit denen ich einen Teil meiner Reise verbracht habe", sagt Luxenburger. Das hat nicht immer funktioniert. "In Indien konnte ich gar nichts tun, weil ich den Leute einfach nicht vermitteln konnte, was ich genau tauschen wollte." Insgesamt elf Geschichten und Gegenstände hat er auf diese Weise in allen Länder gefunden.

Für Luxenburger war es die intensivste Zeit seines Studiums: "Das Praxissemester hat mir gezeigt, dass ich keine Angst vor der Zukunft haben muss. Ich brauche nicht immer einen Plan, auch wenn ich mal loslasse, läuft es trotzdem weiter." Ganz auf die "Kunstnummer" könnte er sich jedoch nicht verlassen, deshalb hat Luxenburger nach seinem Uni-Abschluss gerade mit Freunden eine kreative Bürogemeinschaft gegründet. Die Einweihungsfeier dafür hat er allerdings verpasst. Luxenburger ist schon wieder unterwegs auf der nächsten Reise.

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