Design gegen Rechts Rechtsweg ausgeschlossen

Ungewöhnlich, bissig, anders sollte das Grafikprojekt der Studenten an der FH Dortmund sein. Über 150 Studenten beschäftigten sich ein Semester lang in Plakaten, Filmen und Objekten mit Rechtsradikalen - und ließen an den Glatzen kein gutes Haar. Jetzt erhielt das provokante Projekt einen Preis.


"Glattgebügelte Aktionen gegen Ausländerfeindlichkeit gibt es genug", findet Johannes Graf, Professor am Fachbereich Design der FH Dortmund. Unter der Leitung von Graf und seines Kollegen Dieter Ziegenfeuter beschäftigten sich Studenten bereits vor zwei Jahren mit rechter Gewalt. Graf wollte mit dem Projekt "Design gegen Rechtsradikalismus" aufrütteln - vor allem die Jugendlichen in Dortmund. Aber nicht nur die waren begeistert: Kürzlich wurde das Projekt vom bundesweiten "Bündnis für Toleranz und Demokratie" ausgezeichnet.







Starke Plakate: Was Dortmunder Studenten zum Rechtsextremismus einfällt - klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen


"Die Würde des Menschen ist unantastbar", heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes - der Ausgangspunkt für das Projekt. Die Idee hatte Graf, als sich die Meldungen von ausländerfeindlichen Übergriffen abermals häuften. "Wir mussten etwas tun, das deutlicher war als die übliche political correctness." Seine Studenten waren anfänglich davon nur mäßig angetan. "Es gibt doch schon so viele Aktionen gegen rechts", sagten einige.

Doch dann entstand eine Reihe von Arbeiten, die das Thema künstlerisch-spielerisch umsetzten - oder über das übliche Maß hinaus provozieren sollten. "Die Studenten haben ihre Zweifel schnell abgelegt", sagt Graf und verweist auf die Kreativität in den Arbeiten. Slogans wie "Faschos sind doof und haben kleine Schniepel", das Motiv mit Hitler als Voodoopuppe oder ein Toilettenbild mit dem Schriftzug "national befreite Zone" wurden auf Postkarten und Plakate gedruckt.







Mal spielerisch, mal bissig: Weitere Motive der Designstudenten - per Klick auf ein Bild zur Großansicht


Natürlich blieben die Reaktionen der rechten Szene, als die Grafikstudenten ihre Arbeiten ausstellten, nicht aus. "Es gab Demonstrationen und sogar persönliche Drohungen", erzählt Graf. "Aber so etwas muss man aushalten." Beim Protest der Rechten sei den Studenten die Bedeutung der Aktion erst richtig klar geworden.

Alle Studenten haben ihre Arbeiten selbst finanziert, den Druck und die Materialkosten. Bettelbriefe zur Unterstützung der Aktion hatten kaum Erfolg. "Da kam das Preisgeld von 5000 Euro gerade recht." Trotz mangelnder Unterstützung vor allem aus der Politik will Graf die Aktion noch ausbauen. Künftig sollen die Grafikstudenten in jedem Semester die Möglichkeit haben, Arbeiten zum Thema herzustellen. Der plakative Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit geht also weiter.

Von Leon Stebe

Kürzlich bei UniSPIEGEL ONLINE: "Das Land der Dieter und Denker" - eine Plakataktion Weimarer Studenten



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