US-Unis in der Kältewelle "Vorlesungen wurden gecancelt, Gebäude geschlossen"

Deutschen Forschern und Studenten machte die Kälte in den USA in dieser Woche zu schaffen. Die Hochschulen blieben größtenteils verwaist, doch einige wenige Doktoranden kämpften sich in Chicago zu ihrer Uni durch. Größtes Problem: der Verkehr.

Anne Heinrichs

Fünf E-Mails hat Anne Heinrichs am vergangenen Wochenende von ihrer Universität bekommen. Darin schrieb die Hochschule von Chicago ihren Studenten, dass der gewöhnliche Uni-Betrieb in diesen Tagen unterbrochen wird. Grund: zu kalt. "Vorlesungen wurden gecancelt und Gebäude geschlossen", sagt Heinrichs.

Nur mit einer persönlichen Schlüsselkarte und auf eigenen Wunsch kamen die Studenten noch in ihre Business School. Eine Entscheidung, die man sich laut Heinrichs gut überlegen muss. Denn nach dem eiskalten Weg zur Uni gab es nicht einmal die Möglichkeiten, sich zu stärken. Auch Restaurant und der Coffee-Shop auf dem Campus blieben dicht.

Die Deutsche Doktorandin Heinrichs kommt eigentlich aus dem Ruhrgebiet und forscht im Moment an der Business School der University of Chicago. Auch sie ist während ihres Auslandaufenthalts in die Rekord-Kältewelle hineingeraten, die Nordamerika bis zum Donnerstag fest im Griff hielt.

Kälte da, Koffer weg

Philipp Weber, der im US-Bundesstaat Illinois eine Stammtisch für Deutsche organisiert, an dem auch immer wieder Studenten sitzen, sagt über die vergangenen Tage, es sei "extrem kalt" gewesen. Nicht umsonst trage Chicago den Namen 'windy city', der raue Wind mache die Kälte beinahe unerträglich. "Man empfindet sie nach kurzer Zeit nur noch als Schmerz."

Christfried Focke, Mitarbeiter an einem Forschungsinstitut der Northwestern University, erlebte Komplikationen bei seiner Rückreise in die USA aus dem deutschen Neujahrsurlaub: Bis zur Landung lief alles nach Plan, aber dann saß Focke mit den anderen Passagieren zwei Stunden auf dem Rollfeld fest. Offenbar waren zu wenige Flughafenangestellte zur Arbeit erschienen und die hatten auch noch mit vereisten Türen zu kämpfen.

Als Focke erfuhr, dass er mindestens eine Stunde auf sein Gepäck warten müsse, entschied er sich, nicht weiter auszuharren und erst einmal nach Hause zu fahren. Den Koffer will er sich holen, wenn sich die Lage normalisiert hat. Die Northwestern University und auch Fockes Labor blieben während der Eiszeit mit bis zu -23 Grad geschlossen. Für Focke hieß das Heimarbeit, auch wegen einer geborstenen Rohrleitung, die sein Büro schon kurz vor Weihnachten unter Wasser gesetzt hatte. Fockes Winterregel während der Eiseskälte: "Solange es nicht sein muss, verlasse ich das Haus nicht!"

Doktorandin Heinrichs war da wagemutiger und stapfte jeden Tag dick eingemummt, mit Skihose und kniehohen Stiefeln zur Uni. Schnee geschippt wurde kaum. Und neben dem Sicherheitspersonal waren nur einige andere versprengte Doktoranden auf dem Campus unterwegs. Dass die Uni so gut wie ausgestorben war, hat aber auch Vorteile: "Es war sehr ruhig, gemütlich und ein enorm effektiver Tag", freut sich Heinrichs.

jon

insgesamt 14 Beiträge
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juergw. 10.01.2014
1. Unglaublich,diese Kälte...
Zitat von sysopAnne HeinrichsDeutsche Forscher und Studenten machte die Kälte in den USA in dieser Woche zu schaffen. Die Hochschulen blieben größtenteils verwaist, doch einige wenige Doktoranden kämpften sich in Chicago zu ihrer Uni durch. Größtes Problem: der Verkehr. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/deutsche-studenten-frieren-in-der-kaelte-von-nordamerika-a-942669.html
wer ist dafür verantwortlich ?Ich bin erstaunt,wie die Bewohner der Russischen Förderation in der dortigen Kälte ,es bis heute schaffen,dort zu überleben...
MartinS. 10.01.2014
2. ...
Zitat von juergw.wer ist dafür verantwortlich ?Ich bin erstaunt,wie die Bewohner der Russischen Förderation in der dortigen Kälte ,es bis heute schaffen,dort zu überleben...
Sie mögen diese Ironie ja für unheimlich amüsant und angemessen halten, doch kann ich ihnen in diesem Fall wahrlich nicht zustimmen. Insbesondere Witterungsverhältnisse werden sehr stark anhand der gewohnten Zustände wahrgenommen. Sich darüber lustig zu machen, indem man auf eine andere Region verweist, in der diese eher als Normalität gelten, ist schlichtweg unangemessen (und auch nicht besonders geistreich) Sie können sich darauf verlassen, dass eine mehrwöchige Phase mit Temperaturen von über 40° hier in Deutschland auch als Hitzewelle wahrgenommen werden. Wenn denn ein hilfreicher Kommentator aus China einen ähnlich humorigen Beitrag von sich gibt, dass wir uns nicht so anstellen sollen... immerhin hats sowas in der Sahara jeden Tag, dann wird man dies auch nur als Dummheit abstempeln. Ich kann ihnen zumindest versichern, dass Kälte in Chicago durchaus ein bekanntes Phänomen ist. Und wenn in diesem Umfeld das öffentliche Leben aufgrund der Witterung schon im berichteten Ausmaß eingeschränkt wird, dann würde bei vergleichbaren Temperaturen hier in Deutschland keine einzige Bahn mehr fahren.
einfallsreichtum 10.01.2014
3.
Vielen Danke MartinS habe durchaus geschmunzelt.
stanislaus2 10.01.2014
4. Uiih,Uiih,Uiih, ein Jahrhundertwinter.
New York: aktuelle Temperatur 0°C. Bis nächsten Freitag auf + 10°C ansteigend. Dann soll es in Berlin -2°C sein. Was soll denn dieser Schmarren?
stauni 10.01.2014
5. denglisch
für die Doktorandin Heinrichs würde der Satz "Lectures wurden gecancelt und Buildings geclosed" viel besser passen! Ein Hoch auf die Germany Sprache!!
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