Fotostrecke

Studenten auf der Elbe: Deutsche Bürokratie stoppt "Petburg"

Foto: Vojt?ch Zikmunda/ dpa

Deutsche Behörden Aus für Plastikflaschen-Floß auf der Elbe

An der deutschen Grenze ist Schluss für das Plastikflaschen-Tretboot: Die Elb-Floßfahrt tschechischer Studenten scheitert an den Vorschriften der deutschen Behörden. Um ihr Ziel Hamburg trotzdem zu erreichen, satteln die fünf nun um.

Ein Zehn-Meter-Tretboot ohne Außenbordmotor? Das geht nach Ansicht der deutschen Behörden gar nicht. Ein Motorboot ohne Führerschein allerdings erst recht nicht. Vor den Vorschriften kapitulierten jetzt fünf tschechische Studenten, die mit ihrem Plastikflaschen-Tretboot "Petburg" auf der Elbe von Nymburk bei Prag bis nach Hamburg fahren wollten. "Nach langen Diskussionen haben wir beschlossen, unsere Bootsfahrt zu beenden", sagte Hobbykapitän Jan Kara.

Knapp zwei Wochen hatten die Studenten mit ihrem selbst gebauten Tretboot aus 5000 Plastikflaschen bereits im Grenzhafen Decin ausgeharrt: Das Schifffahrtsamt in Dresden wollte das zehn Meter lange und vier Meter breite unkonventionelle Boot nicht einfach passieren lassen.

Für die Weiterfahrt auf der Elbe stellte es eine Reihe von Anforderungen: Zum "sicheren und schnellen Manövrieren" sei das Tretboot mit einem Außenbordmotor auszurüsten. Zudem müsse mindestens eine Person an Bord den "Sportbootführerschein Binnen" haben. Weiter gefordert wurden unter anderem Paddel und Rettungswesten.

Die tschechische Seite hatte den Abenteurern eine Ausnahmegenehmigung ausgestellt, eigentlich sollte die Fahrt damit weitergehen. "Die Einwände der Kollegen aus Deutschland sind zulässig", räumte der Leiter des Schifffahrtsamts im tschechischen Decin, Martin Klein, jedoch ein. In Dresden sei etwa mit dichterem Verkehr zu rechnen als auf der Elbe in Tschechien.

"Wir haben nicht genug Zeit, das Boot umzubauen und einen Führerschein zu machen", sagte Jan Kara SPIEGEL ONLINE. Damit starb das Unterfangen. Auf ihrer Facebook-Seite  haben sie das Ende der Bootsreise bereits mit einer symbolischen Todesanzeige für die "Petburg" betrauert.

In achtmonatiger Handarbeit hatten Kara und sein Freund Jakub Bures das Tretboot mit rund 5000 Plastikflaschen zusammengebaut. "Wir wollten etwas bauen, das günstig ist", hatte Kara erklärt, "und in Tschechien fliegen diese PET-Flaschen überall herum." Ein Grund für die fünf Freunde, mit dem Boot auch gleich für mehr Umweltschutz zu werben. Nur rund sechs von zehn in Tschechien verkaufte PET-Flaschen landen nach Angaben der Abfallwirtschaft im Recycling.

Ihr Ziel Hamburg will die Gruppe aus Nymburk nun auf anderem Wege erreichen. "Hamburg und Nymburk zu verbinden, war schon immer mein Traum", sagte Kara SPIEGEL ONLINE. Die Crew sattelte spontan auf geliehene Fahrräder um. Am Freitagabend wollen sie in Meißen ankommen, in acht Tagen, hofft Kara, erreichen sie dann Hamburg. Manch eine PET-Flasche schmückt nun die Fahrradrahmen, Flaschendeckel zieren die Fahrradspeichen. Wenn das mal nicht gegen die deutsche Straßenverkehrsordnung verstößt.

sun/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.