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Elite-Unis: Das sind die deutschen Exzellenzen

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / dpa

Deutschlands beste Unis Wie weiter, Exzellenzen?

Die Förderung deutscher Elite-Unis steht auf dem Prüfstand. Heute verraten die Wissenschaftsminister, wie viele Hochschulen künftig gefördert werden sollen - und welche neuen Regeln gelten.

Wenn die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) an diesem Freitag verkündet, wie die deutschen Elite-Unis in Zukunft gefördert werden sollen, wird Dieter Imboden nicht erreichbar sein. Irgendwo in Frankreich wird er einen Kanal entlangschippern, zusammen mit seiner Frau, und sich vor allem darum sorgen, dass das Wetter hält.

Den Urlaub hatte der Schweizer Universitätsmanager seiner Frau versprochen, nach all dem Trubel im Februar. Da hatte er die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe vorgestellt, die haarklein die Exzellenzinitiative für die deutschen Hochschulen ausgewertet hatte. Jenes Programm, mit dem die Bundesregierung seit 2006 rund 4,6 Milliarden Euro zur Förderung der Spitzenforschung in die Hochschulen gepumpt hat.

Imbodens vielbeachtetes und gelobtes Gutachten war die Vorarbeit für die GWK. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben sich die Wissenschaftssekretäre schließlich auf Eckpunkte geeinigt.

So ganz kann Imboden aber auch im Urlaub nicht vom Thema lassen. Wir erreichen ihn zum Gespräch kurz hinter einer Schleuse, da hat er ausnahmsweise Handyempfang. Zwar kann die GWK bei ihren Beschlüssen davon noch abweichen, aber als recht sicher gelten diese Punkte:

  • Die Fortführung der Initiative ist unstrittig. Aber man hat sich darauf geeinigt, dass die neue Runde etwa zwei Jahre später startet, die Zwischenzeit finanziell überbrückt wird. Das freut Imboden: "Der Vorschlag war uns immer sehr wichtig, damit die Hochschulen ausreichend Zeit für die neuen Bewerbungen bekommen." Die Details sind aber noch nicht bekannt. So muss beispielsweise geklärt werden, was das für Forscherverträge bedeutet, die an laufende Programme gekoppelt sind.
  • Pro Jahr will der Bund wohl 400 Millionen Euro für das Projekt ausgeben, die Länder 133 Millionen Euro. Damit soll ungefähr so viel Geld fließen wie bisher.
  • Die Förderung der Graduiertenschulen soll wegfallen, so wie es die Imboden-Kommission gefordert hatte.
  • Die Förderung soll sich damit in Zukunft auf zwei Linien verteilen: Die Hochschulen bewerben sich zunächst als Exzellenzcluster, also mit Forschungsschwerpunkten, die interdisziplinär und zum Teil auch hochschulübergreifend bearbeitet werden. Die zweite Linie ist die Förderung ganzer Hochschulen als Exzellenzeinrichtungen. Dafür ist Voraussetzung, dass mindestens zwei Cluster als exzellent anerkannt wurden.
  • Es sollen, nach langem Gezerre um die Zahl, zwischen acht und elf Hochschulen als exzellent eingestuft werden. Bis zu 50 Cluster werden gefördert.
  • Ein ganz neues Instrument ist die Universitätspauschale. Universitäten, die eine Clusterförderung bekommen, können zusätzlich eine Million Euro pro Jahr beantragen. Das Geld soll ihnen helfen, auch jenseits der Cluster die Arbeitsbedingungen zu verbessern und neue Stellen zu schaffen.
  • Vielleicht die größte Neuerung: Der Bund soll in die langfristige Förderung der Exzellenz-Unis einsteigen. (Bei Clustern soll es bei der auf sieben Jahre befristeten Finanzierung bleiben.) Für die Hochschulen fällt damit der Aufwand für neue Anträge weg; allerdings fürchten manche, die Bundespolitik könnte darüber mehr Einfluss nehmen. Alle sieben Jahre soll evaluiert werden, wie die Hochschulen ihre Mittel verwendet haben.

Immerhin an dieser Stelle findet sich dann der Blick zurück, den Imboden in seinem Gutachten empfohlen hatte - das zeigt auch ein vorläufiger Katalog von Exzellenzkriterien, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. Es war Imbodens anderer zentraler Punkt , der aber sonst kaum noch eine Rolle spielt: Er wollte, dass die Vergabe von Fördermitteln stärker an erbrachte Leistungen gekoppelt wird und weniger an schöne Versprechungen in den Förderanträgen. In allen Rektorenbüros deutscher Hochschulen sitzen geübte Antragschreiber. "Nach allem, was ich über die jetzigen Pläne weiß, befürchte ich, es könnte dann schwer werden, die guten von den sehr guten Anträgen zu unterscheiden", so Imboden. Die "Entschlackung der Antragsrhetorik", die er sich erhofft hatte, würde so nicht erreicht.

Andere Kritiker greifen das Projekt viel grundsätzlicher an: Viele Studentenvertretungen, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und auch viele Grünen-Politiker sagen, dass mit der Exzellenzinitiative eine Zwei-Klassen-Akademisierung betrieben werde, von der der Rest der Forschungslandschaft nichts habe. Steigt der Bund in die Langzeitförderung einzelner Unis ein, wird das ihre Ablehnung verstärken.

Imboden verabschiedet sich: Er muss los, will in einer Stunde an der nächsten Schleuse sein. Das politische Feilschen dagegen geht weiter. Im Juni, auf der Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel, soll über die Pläne entschieden werden.

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