Wohnungsmarkt In diesen Uni-Städten sind WG-Zimmer am teuersten

600 Euro im Monat für ein kleines Zimmer? Viele Studenten kommen um solche Mietpreise nicht herum. Vor allem in beliebten Uni-Städten werden WG-Zimmer immer teurer.

Das Zimmer im hippen Münchner Stadtteil Schwabing ist 22 Quadratmeter groß, hat einen Balkon und Fischgrätenparkett, und die Mitbewohner scheinen sympathisch: "Wir haben eine kleine Küche mit kleinem Esstisch, in der wir auch gerne gemütlich kochen würden. Außerdem ist die WG mit einem Vollbad ausgestattet (also steht dem Spa nichts mehr im Wege ;)", heißt es in der Anzeige.

Doch das Angebot hat einen Haken: Das Zimmer in der Dreier-WG kostet 850 Euro, plus Kosten für Strom und Internet.

Das Wohnen in WGs wird immer teurer - zumindest in den großen und beliebten Uni-Städten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI), die rund 67.000 Inserate auf dem Wohnungsportal WG-gesucht.de ausgewertet haben. Die Studie liegt dem SPIEGEL exklusiv vor.

Demnach kostet ein WG-Zimmer in München durchschnittlich 600 Euro im Monat, in Frankfurt am Main 480 Euro und in Hamburg und Stuttgart 450 Euro. Wer in den ostdeutschen Ländern studiert, kommt günstiger weg. Ein WG-Zimmer kostet hier im Durchschnitt 266 Euro.

Sehen Sie hier, in welchen Uni-Städten Studenten mit welchen Monatsmieten rechnen müssen - und wie sich die Preise in den vergangenen fünf Jahren verändert haben. Klicken Sie dazu einfach auf die Kreise:

Laut der Untersuchung ist der Mietmarkt für Studenten so angespannt, weil...

  • immer mehr Menschen studieren. Im Wintersemester stieg die Zahl der Studenten laut Statistischem Bundesamt auf 2,8 Millionen an. Vor zehn Jahren waren es etwa 800.000 weniger.
  • immer mehr Studenten einen Studienort wählen, der weit von ihrem Elternhaus entfernt ist. In den Fünfzigerjahren wohnte noch fast jeder dritte Student bei seinen Eltern, inzwischen ist es nur noch jeder fünfte.
  • …der Anteil ausländischer Studenten gestiegen ist. Im Wintersemester 2017/2018 waren es rund 370.000 und damit 140.000 mehr als noch vor zehn Jahren.
  • …die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte wächst und es insgesamt weniger WGs gibt.

Details zur Studie

Stefan Brauckmann, Direktor des MMI, sagt, Studierende seien aus mehreren Gründen gern gesehene Mieter. Zum einen seien sie bei der Wohnungssuche nicht so anspruchsvoll wie Berufstätige, weil sie in der Regel nur für einen begrenzten Zeitraum eine Wohnung anmieteten. Das führe auch dazu, dass Vermieter alle paar Jahre - nämlich bei jedem Wechsel - die Mietkosten erhöhen könnten. "Außerdem bürgen häufig die Eltern - das ist eine wertvolle Absicherung für den Vermieter."

Zugleich wohnen immer weniger Studenten in geförderten Wohnheimen. Durch den starken Anstieg der Studierenden in Deutschland, sei es für die Studentenwerke eine unmögliche Herausforderung gewesen, ausreichend Wohnheimplätze zu schaffen.

kha/olb