Deutschlands freundlichste Ausländerbehörden Nie mehr eisige Beamte

Die erste Begegnung mit einem Land ist prägend, das Ausländeramt oft die erste Anlaufstation für ausländische Studenten und Wissenschaftler. Ein Preis für vorbildliche Behörden soll die Staatsdiener motivieren, Besuchern freundlich statt frostig zu begegnen. Tief im Westen gelingt das am besten.


Plakat des Wettbewerbs: Herzlich willkommen

Plakat des Wettbewerbs: Herzlich willkommen

Frankfurt am Main - Früh aufstehen, vor der noch geschlossenen Behörde Schlange stehen, bei Öffnung in den Gang stürmen, eine Nummer zu ziehen. Wieder stundenlanges Warten, um dann im Sprechzimmer zu erfahren, dass man vor dem falschen Raum gewartet oder Unterlagen vergessen hat - so geht es nicht selten in Ausländerbehörden zu. Gereizte Besucher lassen Beamte barsch und unhöflich reagieren. Und umgekehrt.

Besucher der Ausländerbehörden in Bochum, Kassel und Regensburg kennen solche traumatischen Erlebnisse kaum. Die Ämter der drei Städte wurden jeweils mit dem Preis für die freundlichste Ausländerbehörde ausgezeichnet.

Mit dem Preis zeichnen die Humboldt-Stiftung und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft seit dem vergangenen Jahr Ausländerbehörden aus, die sich besonders aufgeschlossen, flexibel und hilfsbereit gegenüber ausländischen Wissenschaftlern und Studenten verhalten. Nur Ausländer, die in Deutschland leben und arbeiten, können Vorschläge für die die freundlichste Behörde einreichen; ein Amt kann sich also nicht selbst nominieren.

In diesem Jahr sammelte der Stifterverband insgesamt 323 Vorschläge für 52 verschiedenen Behörde, deutlich mehr als im Vorjahr. Die drei Preisträger erhalten jeweils 25.000 Euro. Damit können sie ihre Angebote weiter verbessern.

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"Wir brauchen die Zuwanderung von Spitzenkräften, damit sich auch unsere eigenen Talente optimal entwickeln. Die Besten kommen aber nur zu uns, wenn sie sich willkommen fühlen", erklärte Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes. Und Wolfgang Frühwald, Präsident der Humboldt-Stiftung, sagte: "Wenn ausländischen Wissenschaftlern und Studierenden ihnen hier freundlich und unbürokratisch geholfen wird, die Anfangsschwierigkeiten in diesem für sie fremden Land schnell zu überwinden, dann ist Deutschland auf einem guten Weg, sich international zu öffnen."

Keine andere Behörde wurde so häufig genannt, nämlich 81 Mal, wie das Ausländerbüro im Einwohneramt der Stadt Bochum. Die Ruhr-Universität Bochum wurde ebenfalls vielfach gelobt. In der Begründung der Jury heißt es, die Behörde lege die Spielräume der Rechtsvorschriften "in maximaler Weise zugunsten der internationalen Gäste" aus. Überdies seien die Mitarbeiter sehr kundenorientiert, sozial wie fachlich kompetent - und in "besonders gastfreundlich gestalteten Räumlichkeiten" sitzen sie auch.

Die Behörden von Kassel ("gutes Serviceangebot und zuvorkommende Behandlung") und Regensburg ("meint es mit dem Slogan 'You are welcome' ernst") wurden jeweils 22 Mal nominiert. Beide waren schon 2003 in der Endrunde gelandet. "Vor drei, vier Jahren noch hatten wir große Probleme", räumte Hilbert von Löhneysen, Ordnungsamtschef in Kassel, ein. Doch dann griff die Stadt Verbesserungsideen des Ausländerbeirats auf. Seitdem gibt es neue Serviceschalter, längere Öffungszeiten, Termine auf Absprache. Und zusätzlich richtete das Ausländeramt einen Sprechtag in der Universität ein.

Sieben weitere Behörden räumten zwar keinen Preis ab, erhielten aber Lob für ihr "herausragendes Engagement": Aalen, Bremen, Erlangen, Leipzig, Mannheim, Münster, Osnabrück.



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