Deutschlands reichste Hochschule Uni Greifswald, die Großgrundbesitzerin

Klamme Unis allenthalben - auch in Greifswald klagen Dozenten und Studenten über den Sparzwang. Dabei besitzt die Uni an der Ostsee mehr Land als jede andere deutsche Hochschule. In der Kasse klingelt's trotzdem nicht.

Zu ihrem Landbesitz kam die Uni vor langer Zeit. Im Jahr 1637 übereignete Pommernherzog Bogislaw XIV. der Universität über 14.000 Hektar Acker-, Wald- und Hofflächen des aufgelösten Klosters Eldena. Die Schenkung war der Ausgleich für nicht geleistete Patronatszahlungen. Der beispiellose Landbesitz und die daraus erzielten Pachtzinsen versetzten die Universität vor dem Zweiten Weltkrieg in die ungewöhnliche Lage, lange Jahre nahezu ohne staatliche Zuschüsse auszukommen.

Der Landbesitz wurde allerdings von der DDR im Zuge der Bodenreform verteilt oder dem so genannten Volkseigentum zugeschlagen. Doch jetzt werden die herzoglichen Geschenke in mehr als 20 Gemeinden in der Umgebung Greifswalds auf Antrag der Universität nach und nach rückübertragen.

Schutt, Ruinen, marode Betriebe

"Mit der Rückübertragung werden wir wieder steinreich", sagt Uni-Liegenschaftschef Wolfgang von Diest mit unüberhörbarer Ironie. In der Tat hat die Uni bisher vor allem Steine bekommen: Die zuletzt übertragenen Liegenschaften sind voller Beton- und Backsteinschutt aus Gebäuderuinen. Anderswo sorgen marode landwirtschaftliche Anlagen und sonstige Altlastenflächen aus dem Besitz eher für einen zusätzlichen Kostenfaktor als für Gewinn.

Die an Deutschlands Hochschulen herrschenden Finanzprobleme, von denen auch Greifswald betroffen ist, sind damit jedenfalls nicht zu beheben. Daran ändere auch nichts, so Wolfgang von Diest, dass für etliche der inzwischen rückübertragenen landwirtschaftlichen Nutzflächen akzeptable Pachten eingestrichen werden. Man fühle sich an der Universität dem Landbesitz aber insgesamt verpflichtet und wolle traditionell die Verantwortung dafür tragen, selbst wenn kaum Nutzen daraus zu ziehen sei.

"Für die laufende Rückübertragung kommen insgesamt ohnehin nur etwa die Hälfte der einstigen Ländereien der Universität in Frage", erklärt von Diest. Die Geschichte des letzten halben Jahrhunderts habe Fakten geschaffen, die sich juristisch nicht zurückdrehen ließen, ohne neues Unrecht zu begehen. Er verweist auf einstige Liegenschaften der Universität, wo zu DDR-Zeiten Wohnungen entstanden. Anderswo wurden kommunale Verwaltungsgebäude, Kindergärten, Schulen, Kulturhäuser oder Feuerwehrdepots errichtet. Niemand, der sich dort ahnungslos und gutgläubig eingerichtet hat, solle in Verlegenheit gebracht werden, versichert von Diest.

"Wo jedoch Gemeinden Universitätseigentum an Dritte zum Beispiel als Bauland verkauften, da melden wir Ansprüche auf Erlösherausgabe an", betont von Diest. Als einer der ersten Orte bekam das Hanshagen zu spüren, dessen Bürgermeister Michael Harcks sich zu Jahresbeginn mit ratenweiser Rückzahlung von 250.000 Euro aus Baulandverkäufen einverstanden erklären musste. Harcks empfindet das als besonders schmerzlich, da die Kommunalaufsicht und das Amt für offene Vermögensfragen seinerzeit nichts gegen die Verkäufe einzuwenden hatten. Dabei hatten da die Rückübertragungsansprüche der Universität längst vorgelegen.

Allein bei der Oberfinanzdirektion Rostock hatte die Universität die Rückübertragung von knapp über 1100 Flurstücken beantragt, die in so genannten Zuordnungsrunden verhandelt und entschieden werden. 786 davon sind der Universität bereits zugesprochen worden.

Von Lutz Jordan, AP

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