Deutschlandstipendium Ingenieurstudenten bekommen am häufigsten Geld

Das Deutschlandstipendium sollen besonders talentierte und engagierte Studenten bekommen - doch nur 0,76 Prozent erhalten die Förderung. Wer hat die größten Chancen?

Maschinenbaustudenten in Chemnitz (Archivbild): Deutschlandstipendien werden ungleich verteilt
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Maschinenbaustudenten in Chemnitz (Archivbild): Deutschlandstipendien werden ungleich verteilt


Das Deutschlandstipendium ist ein Flop, das zeigt sich besonders in der Kluft zwischen den Zielen von damals und der Realität von heute: Acht Prozent aller Studenten sollten die Förderung bekommen, doch: Nicht einmal 0,8 Prozent erhielten sie im vergangenen Jahr. Mit dem Stipendium sollten junge Menschen dazu animiert werden, ein Studium aufzunehmen, doch: 93 Prozent der Stipendiaten im Jahr 2013 waren keine Studienanfänger, sondern studierten schon länger.

Soweit die Kritik an einem Konzept, das von Anfang an krankte. 2011 wurde das Deutschlandstipendium eingeführt - als Prestigeprojekt der damaligen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Idee: Staat und Wirtschaft sollten für besonders begabte, talentierte oder engagierte Studenten zusammenlegen. 300 Euro gibt es seit dem Sommersemester 2011 für ausgewählte Nachwuchsakademiker, jeweils die Hälfte aus öffentlicher und privater Quelle und unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Wer genau von dem Deutschlandstipendium profitiert, zeigt eine detaillierte Übersicht des Statistischen Bundesamts mit dem Titel "Bildung und Kultur".

Die Ergebnisse im Überblick:

  • 19.740 Stipendien wurden im Jahr 2013 vergeben, das entspricht 0,76 Prozent aller Studenten in Deutschland.

  • Etwas mehr Männer (10.414) als Frauen (9326) erhielten ein Stipendium.

  • Ungefähr 7,5 Prozent (1495) der Stipendiaten waren ausländische Studenten.

  • Knapp ein Viertel der Stipendiaten (4391) erhielt zudem Bafög.

  • Rund ein Fünftel (4157) war im ersten Hochschul- oder Fachsemester.

  • Die meisten Stipendiaten (13.286) studieren an einer Universität, der Rest an Fachhochschulen (5982), Kunsthochschulen (428), Pädagogischen Hochschulen (24) und Theologischen Hochschulen (20).

  • Am häufigsten erhielten Studenten der Ingenieurwissenschaften das Stipendium (5734), gefolgt von angehenden Rechts-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaftlern (5090), und Studenten der Mathematik und Naturwissenschaften (4131).

  • Am seltensten gefördert wurden Sportstudenten (90) und angehende Veterinärmediziner (65).

  • Diese Hochschulen haben am meisten Stipendien vergeben: Goethe-Universität Frankfurt am Main (867), RWTH Aachen (852), Technische Universität München (538), Technische Universität Darmstadt (529) und die Universität Duisburg-Essen (527).

  • Das Bildungsministerium hatte 56,7 Millionen Euro bereitgestellt, doch nur 25,3 Millionen Euro - nicht einmal die Hälfte - wurden abgerufen.

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Das größte Problem bei der Vergabe des Stipendiums: Hochschulen müssen für jeden Stipendiaten einen privaten Geldgeber überzeugen, die Hälfte des Förderbetrags, also 150 Euro monatlich zu übernehmen. Gerade für Hochschulen ohne gute Kontakte zu Firmen und Gönnern ist das ein oft schwieriges Vorhaben. Hochschulen hatten wiederholt darüber geklagt, das Einwerben von Mitteln bei Firmen und Stiftungen sei bürokratisch aufwendig, potenzielle Geldgeber zum Spenden zu motivieren, gestalte sich schwierig.

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lgr/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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SirWolfALot 20.11.2014
1.
" und Studenten derMathematik und Naturwissenschaften(4131) " schön, dass es auch so wenig Naturwissenschaften gibt. Bei uns in Tübingen ist selbst Psychologie eine Naturwissenschaft. Mich würde es eher interessieren was davon viele Stipendien bekommt
gerdMx 20.11.2014
2. Rechenkünste?
Ach, legen Sie doch nicht so viel Wert auf genaue Zahlen; sonst merken Sie noch, dass ein Fünftel der Stipendiaten zwar im ersten Hochschul- oder Fachsemester sind, aber 93% keine Studienanfänger.
mathi 20.11.2014
3.
Da das Deutschlandstipendium unter Einbezug wirtschaftlicher Geldgeber oder Stiftungen verliehen wird (welche 50% der Stipendienleistung tragen), die bestimmen können aus welchen Studiengängen zukünftige Stipendiaten kommen sollen, ist es wenig verwunderlich, dass technisch orientierte Studiengänge häufiger gefördert werden.
abby_thur 20.11.2014
4. Deutschlandstipendium
Auf der Homepage des Deutschlandstudiums steht unter "Wer wird gefördert?" "Das Deutschlandstipendium fördert an deutschen Hochschulen Studierende aller Nationalitäten, deren bisheriger Werdegang herausragende Studienleistungen erwarten lässt." "Studienleistung"- das heißt, jemand muss schon vorher studiert haben. Daher erkärt sich doch der Satz im Artikel "93 Prozent der Stipendiaten im Jahr 2013 waren keine Studienanfänger, sondern studierten schon länger."
Shelly 20.11.2014
5. Die Ingenieursstudenten verdienen diese Stipendien am meisten!
Im Gegensatz zu vielen Schwurbel-Studienfächer, die keinen großen Aufwand verlangen, dafür aber auch hinterher keinen Arbeitsplatz bieten, ist ein Ingenieursstudium harte Arbeit. Das verdient es, mit Stipendien untgerstützt zu werden.
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