Die Rock’n'Roll-Mami "Ich bin jetzt viel vernünftiger"

Als Hobbymusikerin hat sie sich die Nächte um die Ohren geschlagen, heute geht sie früh ins Bett. Ihre Tochter hat das Leben von Carmen Gücker, 25, völlig verändert. Dass die wilde Zeit vorbei ist, bereut die Münchner Medizinstudentin aber nicht.


"Früher hatte ich ein ziemlich unregelmäßiges Leben. Ich habe in Berlin in einer WG gewohnt und war Saxophonistin in einer Band. Wir haben oft spät geprobt oder waren auf Konzerten. Meist bin ich erst morgens nach Hause gekommen - meine Mitbewohnerin war auf dem Weg in die Uni und ich auf dem Weg ins Bett.

Studentin Carmen: Glücklich zu dritt
Hauke Hoffmann

Studentin Carmen: Glücklich zu dritt

All das hat sich verändert, seit mein Freund und ich uns vor anderthalb Jahren entschieden haben, ein Kind zu bekommen. Vor acht Monaten kam unsere Tochter Lena zur Welt, jetzt leben wir zu dritt in München. Mein Freund hatte hier ein Jobangebot. Ich bin mit ihm hierher gezogen, damit unsere Familie zusammen aufwächst.

Warum ich mitten im Studium ein Kind kriegen wollte? Ich hatte das Gefühl, alles erlebt zu haben, was ich erleben wollte. Ich dachte mir: 'Alles, was ich noch erleben will, geht auch mit Kind.' Außerdem hat mir der Zeitpunkt gut gepasst: Ich habe zehn Semester Medizin hinter mir und bin scheinfrei. Nach der Babypause muss ich nur noch mein Praktisches Jahr machen, dann bin ich fertig.

Lieber schwanger im Studium

Im Beruf wäre es schwieriger gewesen, eine Auszeit zu nehmen und ein Kind großzuziehen. Als Ärztin muss man viele Überstunden machen und fühlt sich dem Arbeitgeber und den Kollegen verpflichtet. Im Studium bin nur mir selbst verpflichtet. Als Studentin muss ich weniger leisten und kann mir meine Kurse und Hausarbeiten frei einteilen.

Die Schwangerschaft hat mir sogar Vorteile gebracht: Als ich Praktikantin in der Frauenheilkunde war, haben mich die Frauen auf der Station ernster genommen als meine Kommilitonen. Für die Patientinnen war ich nicht nur eine Medizinstudentin, sondern vor allem eine werdende Mutter. Deshalb haben sie mir vertraut.

Einen Monat vor Lenas Geburt habe ich mein Studium unterbrochen. Im Moment genieße ich es, zu Hause zu sein und Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Ich habe aber auch Angst, den Anschluss zu verpassen.

Kaum Kitaplätze in München

Sobald wir eine Kinderbetreuung gefunden haben, will ich an die Uni zurück. Leider gibt es in München nicht viele Krippenplätze, und eine Tagesmutter können wir uns nicht leisten. Vielleicht muss ich deshalb länger als geplant warten, bis ich weiterstudieren kann.

Durch Lena hat sich mein Leben völlig verändert. Ich bin viel vernünftiger geworden: Ich gehe früher schlafen und ernähre mich gesünder. Außerdem trinke ich keinen Alkohol mehr - das war ein ziemlich großer Schritt. Manchmal fühle ich mich ziemlich fremd, wenn ich auf Konzerten oder Partys die einzige bin, die nicht trinkt. Dann merke ich: Ich gehöre nicht mehr dazu.

Trotzdem fühle ich mich immer noch jung und unternehmungslustig. Ich nehme Lena oft mit und war mit ihr im Sommer auf der Fête de la Musique. Früher habe ich auf Konzerten nur an die Musik gedacht - heute denke ich in erster Linie an meine Tochter."

Aufgezeichnet von Khuê Pham


Auf SPIEGEL ONLINE erzählen diese Woche vier Studentinnen, warum sie sich dafür entschieden haben, während ihres Studiums ein Kind zu bekommen - und wie sie den Alltag zwischen Krippe und Hörsaal bewältigen.

Montag: Studium mit Kind, jetzt oder nie
Dienstag: "Alles eine Frage der Organisation", sagt Gesine, 22 Mittwoch: Ingemarie, 26 - ein Kind, zwei Jobs, Spitzennoten Donnerstag: Julia, 26, will mit Kind richtig durchstarten

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Seite 1
Reziprozität 01.12.2008
1.
Zitat von sysopFür viele angehende Akademikerinnen stellt sich die Frage, wann für sie der beste Zeitpunkt ist, eine Familie zu gründen. Noch während des Studiums, oder erst anschließend? Wie ist Ihre Meinung dazu?
Das haengt sicherlich ziemlich direkt damit zusammen, was man nach dem Studium anfangen will. Startet man in der Wirtschaft mit nicht zu hohem Anteil an Geschaeftsreisen ist es sicher vielfach von Vorteil, wenn der Nachwuchs aus dem Groebsten schon heraus ist. Beabsichtigt man jedoch eine akademische Karriere mit Promotion und div. Post-doc Stationen in aller Welt ist es moeglicherweise besser sich erst zu etablieren statt den Kindern alle 2...3 Jahre eine komplett neue Umgebung zuzumuten.
steinöl 01.12.2008
2. Nachdem...
....sie Beamtin geworden ist. Naja, einen Vorteil hat während des Studiums Kinder zu bekommen... man muss als Paar nicht, wie später, wenn man schon im Beruf steht, auf ein Gehalt verzichten....da man im Studium sowiso keines hat.... ;o) Soll jeder machen wie er will...es ist immer der falsche UND der richtige Zeitpunkt.
shopgirl1, 01.12.2008
3.
Zitat von sysopFür viele angehende Akademikerinnen stellt sich die Frage, wann für sie der beste Zeitpunkt ist, eine Familie zu gründen. Noch während des Studiums, oder erst anschließend? Wie ist Ihre Meinung dazu?
Im Idealfall ist das ja nicht die alleinige Entscheidung der jungen Akademikerin. Es kommt ja auch darauf an, wie die Meinung des dazu passenden jungen Vaters ist. Inwieweit er beruflich dazu in der Lage und auch willens ist, zu helfen und zu unterstuetzen. Ob er schon Geld verdient und auch mal Betreuung ausser der Reihe finanzieren kann, oder ob beide noch studieren und das Familieneinkommen nur aus Bafoeg besteht. Viele Dinge spielen eine Rolle. Fuer mich waere es nichts gewesen. Das unbeschwerte Studentenleben in grauen "Vor-Bologna-Zeiten" zu geniessen war schon schoen, trotz aller Arbeit, die auch damals anfiel (geschenkt gab's das Diplom auch nicht). Irgendwie haetten die Kinder da nicht hineingepasst. Alles hat eben seine Zeit.
Senfkorn, 01.12.2008
4.
Zitat von shopgirl1Im Idealfall ist das ja nicht die alleinige Entscheidung der jungen Akademikerin. Es kommt ja auch darauf an, wie die Meinung des dazu passenden jungen Vaters ist. Inwieweit er beruflich dazu in der Lage und auch willens ist, zu helfen und zu unterstuetzen. Ob er schon Geld verdient und auch mal Betreuung ausser der Reihe finanzieren kann, oder ob beide noch studieren und das Familieneinkommen nur aus Bafoeg besteht. Viele Dinge spielen eine Rolle. Fuer mich waere es nichts gewesen. Das unbeschwerte Studentenleben in grauen "Vor-Bologna-Zeiten" zu geniessen war schon schoen, trotz aller Arbeit, die auch damals anfiel (geschenkt gab's das Diplom auch nicht). Irgendwie haetten die Kinder da nicht hineingepasst. Alles hat eben seine Zeit.
Wie man ein Kind plus ein Bachelor Studium vereinbaren will ist mir ein Rätsel. Kommt vielleicht auf das Studienfach an, aber wenn ich sehe was meine Kinder für eine voll gepackte Stundentafel haben, das ginge gar nicht.
azrael1980 01.12.2008
5.
Zitat von SenfkornWie man ein Kind plus ein Bachelor Studium vereinbaren will ist mir ein Rätsel. Kommt vielleicht auf das Studienfach an, aber wenn ich sehe was meine Kinder für eine voll gepackte Stundentafel haben, das ginge gar nicht.
Bein den Ingenieuren gibts einen netten Spruch dazu: "Wer nix wird, wird Wirt." (Gemint ist damit meistens der Betriebswirt.) Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das gehen soll, ohne die Regelstudienzeit weit zu überschreiten.
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