Falsche Vorhersagen "Das Internet ist nur ein Hype"

Genau, und die Atombombe wird nie losgehen. Der UniSPIEGEL präsentiert eine eklektische Sammlung peinlichster Fehlprognosen der Geschichte. Urheber waren hochdekorierte Experten und Wissenschaftler. Für das eigene Studium heißt das: Die Visionen des Professors skeptisch prüfen.
Von Charlotte Haunhorst

Die Atombombe? Wird nie losgehen!

Die Prognose: "Die Atombombe wird nie losgehen, und ich spreche hier als Fachmann für Sprengstoffe."

Wer hat das gesagt? William Leahy, US-Admiral und Berater von US-Präsident Harry S. Truman in einem Vortrag 1945.

Wie war's am Ende wirklich? Bereits wenige Monate später, am 6. und 9. August 1945, ließ Truman die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki bombardieren. Seither lebt die Welt in Angst vor einem Atomkrieg.

Weltraumreisen? Klar, wir fliegen zum Mars

Die Prognose: "Mitte der achtziger Jahre wird es den ersten bemannten Flug zum Mars geben."

Wer hat das gesagt? Herman Kahn, Zukunftsforscher und als Berater des Pentagon aktiv, irgendwann in den Sechzigern.

Wie war's am Ende wirklich? Im August dieses Jahres schaffte es die Nasa, eine twitternde und fotografierende Blechbüchse namens "Curiosity" auf den Mars zu schicken. Der erste bemannte Flug soll frühestens im Jahr 2035 starten.

Internet? Was soll der Quatsch

Die Prognose: "Das Internet ist nur ein Hype."

Wer hat das gesagt? Microsoft-Mitgründer und Harvard-Abbrecher Bill Gates 1993. Er verordnete seinen Mitarbeitern deshalb, sich erst mal um andere Dinge zu kümmern.

Wie war's am Ende wirklich? Im Jahr 2011 war geschätzt ein Drittel der Weltbevölkerung online. Bill Gates wurde mittlerweile die Ehrendoktorwürde der Universitäten Harvard und Cambridge verliehen.

Langlebigkeit? Hundert Jahre, kein Problem

Foto: JACK SMITH/ ASSOCIATED PRESS

Die Prognose: "Wer die bhagwaneske Lebensweise befolgt, wird hundert Jahre länger leben."

Wer hat das gesagt? Der indische Philosophieprofessor Rajneesh Candra Mohan, besser bekannt unter dem Namen Bhagwan. "Bhagwaneske Lebensweise" bedeutete dabei eine Mischung aus Meditation, Handauflegen und Gruppensex.

Wie war's am Ende wirklich? Aufgrund seines massiven Übergewichts und einer damit verbundenen Herzschwäche starb Bhagwan 1990 im Alter von nur 58 Jahren.

Sprachcomputer? Erklär' mir die Welt, Rechner

Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

Die Prognose: "Schon 1977 wird es einen perfekten Übersetzungscomputer mit korrekter Grammatik geben."

Wer hat das gesagt? Eine amerikanische Trendstudie im Jahr 1966. Die Mehrheit der befragten Wissenschaftler hatte diese Aussage bejaht.

Wie war's am Ende wirklich? Wer je die Dienste des Google-Übersetzers in Anspruch genommen oder mit ähnlichen Übersetzungsprogrammen gearbeitet hat, kennt die traurige Realität ("Who ever the services of Google translator used or worked with similar translation programs, knows the sad reality").

Rohstoffvorräte? Bald ist alles vorbei

Die Prognose: "Im Jahr 2100 werden sämtliche Rohstoffvorräte weltweit ausgegangen sein. Die Goldvorkommen werden bereits 1979 aus sein, Silber im Jahr 1983."

Wer hat das gesagt? Das Professoren-Ehepaar Donella und Dennis Meadows in seiner Studie "Die Grenzen des Wachstums" aus dem Jahr 1972. Beide forschten am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Bereich der Systemdynamik.

Wie war's am Ende wirklich? Das US-Innenministerium schätzt momentan, dass die Gold- und Silbervorräte bei konstanter Abbaumenge noch mindestens für 20 Jahre reichen. Dennis Meadows ist trotzdem weiterhin als Weltuntergangsexperte beliebt: Erst 2011 sprach er wieder vor dem deutschen Bundestag über das nahende Ende. Er selbst habe sich deshalb bereits ein Notstromaggregat zugelegt.

VW-Käfer? Das ist doch kein Auto

Die Prognose: "Das Fahrzeug entspricht in keiner Weise den elementarsten technischen Erfordernissen eines Automobils. Es ist zu hässlich und zu laut. Seine Produktion würde sich als Verlustgeschäft beweisen."

Wer hat das gesagt? William Rootes 1945 über den VW-Käfer, nachdem man ihm die kostenlose Übernahme der Volkswagen-Werke angeboten hatte. Rootes' Firma war zu diesem Zeitpunkt einer der größten Automobilhersteller Großbritanniens.

Wie war's am Ende wirklich? Rootes, der auch an der Uni lehrte, lehnte ab, seine Autofirma wurde 1967 nach wirtschaftlichen Problemen von Chrysler übernommen. Der VW-Käfer war bis 2002 das meistverkaufte Auto der Welt.

Bankgeschäfte? Haben wir unter Kontrolle

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Die Prognose (ist hier ein zukunftsweisendes Fazit): "Wir haben dazugelernt. Wir sind demütiger geworden, wir machen nicht jedes Geschäft, das wir machen könnten."

Wer hat das gesagt? Thomas Fischer, damals Chief Risk Officer der Deutschen Bank und promovierter Volkswirt, im Jahr 2000 auf die SPIEGEL-Frage, ob die aktuelle Finanzsituation selbst die klügsten Manager überfordere.

Wie war's am Ende wirklich? 2008 kam die Finanzkrise, bei der die Deutsche Bank zum Inbegriff des gierigen Investmentbankertums wurde. Fischer wechselte noch vor der Krise zur WestLB, wo man sich 2007 wegen gravierender Fehler bei der Risikokontrolle von ihm trennte.

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