Diplomthema Bier Im Fusel liegt die Wahrheit

Die Sonne lacht, der Biergarten lockt. Aber kann ich am nächsten Tag wieder fit im Seminar sitzen oder zur Arbeit gehen? Ob's zum Kater kommt, hängt nicht allein von der Menge ab. Siegrun Mohring, 25, Diplomandin im Chemieingenieurwesen, hat Dutzende von Biersorten auf einen anderen Katerfaktor untersucht: Fuselalkohole.


UniSPIEGEL ONLINE:

Frau Mohring, der Titel Ihrer Diplomarbeit an der FH Steinfurt lautet "Gaschromatographische Bestimmung von Fuselalkoholen in Bier". Welches Bier muss ich denn trinken, um am nächsten Tag keinen Kater zu haben?

Diplomandin Mohring: Kennt sich mit Fusel bestens aus

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Siegrun Mohring: So konkret kann man das gar nicht sagen. Wenn es nach meiner Untersuchung geht, dann "Ahornberger Landbier" oder "Beck's". Die enthalten die wenigsten Fuselalkohole, jene Alkohole, auf die ich geschaut habe. Generell haben die untergärigen Biere davon weniger als die obergärigen. Jedenfalls sollte es wohl kein Weizenbier sein. Das ist eiweißreicher, daher sind mehr Fuselalkohole drin. Aber es spielen ja viele Faktoren eine Rolle: das körperliche Befinden, was ich außer Bier noch trinke. Und natürlich, wie viel Bier ich trinke.

UniSPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee zur Bier-Diplomarbeit gekommen?

Mohring: Mein Professor hat's mir angeboten. Und da musste ich einfach zusagen. Zudem wollte ich kontrollieren, ob es stimmt, dass "Pilsener Urquell" das beste Bier ist, wie mein Vater behauptet.

UniSPIEGEL ONLINE: Und?

Mohring: Nun ja, es war mit vorn dabei, enthält relativ wenig Fuselalkohole.

UniSPIEGEL ONLINE: Trinken Sie selbst auch gern Bier?

Mohring: Schon. Aber mehr als Mixgetränk mit Sprite oder Cola. Einen Kater habe ich vom Bier noch nie bekommen. Wenn ich mal einen hatte, dann lag's an anderen Getränken.

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UniSPIEGEL ONLINE: Wie ging denn Ihre Untersuchung vonstatten?

Mohring: Ich hatte mich mit der Literatur auseinandergesetzt. Da hieß es: Fuselalkohole sind vor allem für einen Kater am Morgen danach verantwortlich. Das sind die höheren Alkohole. Davon haben ich und mein Professor vier ausgesucht. Ich habe dann von jedem Bier rund 200 Milliliter destilliert, um Stoffe wie Zucker und Proteine zu entfernen. Das destillierte Bier habe ich in einen Gaschromatographen gespritzt. Der trennt die einzelnen Alkohole auf, man bekommt ein Chromatogramm. Damit kann man dann auswerten, wie viel Fuselalkohol enthalten ist.

UniSPIEGEL ONLINE: Wie viele Sorten haben Sie untersucht?

Mohring: Für die Diplomarbeit waren es 25. Inzwischen bin ich bei 64. Ich habe einfach weitergemacht. Es kamen auch eine Menge Anfragen von Leuten, die wissen wollten, wo ihr Lieblingsbier einzuordnen ist.

UniSPIEGEL ONLINE: Wo haben Sie die ganzen Biere herbekommen?

Mohring: Natürlich waren so viele nicht im Supermarkt zu bekommen. Bekannte haben mir aus allen möglichen Gegenden Bier mitgebracht. Mein Professor importierte eins aus Indonesien, eine Freundin schickte eins aus Dänemark. Ich selbst war in Polen und kaufte dort eins.

UniSPIEGEL ONLINE: Wie wirkt sich denn der Fusel genau aus?

Mohring: Das habe ich nicht untersucht. Es handelt sich um komplexe Vorgänge im Körper. Das wirkt bei jedem anders.

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UniSPIEGEL ONLINE: Aber die Fuselalkohole sind nicht nur schlecht, oder?

Mohring: Nein, sie sind ja auch mitverantwortlich für den Geschmack eines Bieres, die besondere Note. Ohne sie würden die Biere total labbrig schmecken. Für Bierbrauer sind die Ergebnisse meiner Arbeit auch nichts Neues. Aber eine solche vergleichende Messung sorgt halt für Aufsehen.

UniSPIEGEL ONLINE: Und jetzt? Mischen Sie per Doktorarbeit den Weinmarkt auf?

Mohring: Nee. Erst mal mache ich noch meinen Master of Science. Da muss man allerdings zwei Projektarbeiten machen. Ein Thema, das im Raum steht, lautet tatsächlich "Schwermetalle im Wein".

Das Interview führte Carsten Heckmann



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