Direktor des kleinen Prinzen "Harry war so schlecht, er kann nicht geschummelt haben"

Eine frühere Lehrerin sagt, Prinz Harry habe beim Abschlussexamen gemogelt. Nun nimmt der Schuldirektor des britischen Eliteinternats Eton den 20-jährigen Harry in Schutz - mit einem eigenartigen Argument.


Sarah Forsyth: Hilfe für Prinz Harry?
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Sarah Forsyth: Hilfe für Prinz Harry?

Sarah Forsyth, 30, behauptet, sie habe fast den gesamten Begleittext zu einem der Kunstprojekte von Prinz Harry selbst geschrieben. Die frühere Kunstlehrerin des angesehenen Internats Eton wirft der Schulleitung vor, sie und einige ihrer Kollegen gezwungen zu haben, Harry bei seinen Abschlussarbeiten zu helfen.

Schuldirektor Tony Little bestreitet nicht, dass Harry ein schwacher Schüler war - im Gegenteil: Er hält die Examensarbeiten für so schlecht, dass er sich nicht vorstellen kann, dass Harry dabei Hilfe erhalten hat. "Offen gestanden, wenn eine Lehrerin solche Rechtschreibfehler machen würde (wie Harry), dann wäre sie in ihrem Beruf fehl am Platze." Für die Fehler nannte Little vor Gericht auch einige konkrete Beispiele.

Jede Menge Vorwürfe gegen die Schule

Im Kern geht es bei der Auseinandersetzung nicht um Prinz Harry selbst, sondern um die Entlassung von Sarah Forsythe. Sie musste im Juni 2003 gehen und fordert nun eine Entschädigung von 10.000 Pfund (15.000 Euro). Nach Forsyths Darstellung hatte der Leiter des Fachbereichs Kunst in Eton, Ian Burke, sie aufgefordert, Harry bei seinem Projekt zu helfen.

Prinz Harry (mit Vater Charles): Ankunft in Sandhurst
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Prinz Harry (mit Vater Charles): Ankunft in Sandhurst

"Ich war besorgt, dass es unethisch war und wahrscheinlich einen Betrug darstellte", sagte die frühere Lehrerin zum Prozessauftakt. Sie habe angenommen, sie habe Harry unterstützen sollen, weil er ein so schlechter Schüler war. Anderen Lehrern und auch dem Schulleiter habe sie davon berichtet, doch dies sei ignoriert worden.

Ein anderer Lehrer habe ihr erzählt, er habe in Harrys Test verzweifelt nach Punkten gesucht, damit er nicht durchfalle. Auch seine Bilder, die großes Lob erhalten hatten, habe Harry nicht alle selbst gemalt, berichtete Forsyth. Ian Burke habe gelegentlich für die Jungen gemalt, während er mit ihnen über Fußball gesprochen habe. Der Fachbereichsleiter, dem Forsyth außerdem sexuelle Belästigung vorwirft, wies die Anschuldigungen zurück.

Heimliche Tonbandaufnahme

Die Lehrerin stützte ihre Darstellung mit einem Tonband, das sie dem Gericht vorspielte. Darauf soll Harry gesagt haben, er habe "nur ein ganz kleines bisschen" von seinem Kunstaufsatz selbst geschrieben: "Ich habe ungefähr einen Satz davon selbst geschrieben", lautet ein strittiges Zitat des Prinzen.

Entlastete Harry: Direktor Little
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Entlastete Harry: Direktor Little

Die Tonbandaufnahme ist allerdings nur schwer verständlich. Forsyth soll sie heimlich aufgenommen haben, als der Prinz sich auif dem Weg zu einer Prüfung befand. Ein Sprecher des Königshauses hatte bereits im letzten Herbst darauf hingewiesen, dass es "kaum hörbare Halbsätze enthält und auch bearbeitet worden zu sein scheint".

Harry hatte die Abiturprüfung in Eton nur mit knapper Not geschafft. In Kunst erhielt er ein B (entspricht der deutschen Zwei), in Erdkunde ein D (also eine Vier). Und das reichte gerade noch aus, um eine Ausbildung an der Militärakademie in Sandhurst beginnen zu können. Dort ist Harry diese Woche eingerückt - und fast gleichzeitig begann der Prozess um die Entlassung seiner Ex-Lehrerin.



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