Urteil zu Discotür-Diskriminierung Club muss Student mit 1000 Euro entschädigen

Türsteher verweigern jungen Männern mit vermeintlich ausländischem Aussehen oft den Zutritt. In Hannover klagte jetzt ein abgewiesener Student - erfolgreich.

Tanzfläche einer Disco: Der Türsteher bestimmt, wer rein darf (Archivbild)
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Tanzfläche einer Disco: Der Türsteher bestimmt, wer rein darf (Archivbild)


Dunkle Augen, dunkle Haare, dunkle Haut - vor allem junge Männer kommen wegen ihres Aussehens oft nicht in Clubs. Ein abgewiesener Gast hat sich jetzt erfolgreich dagegen gewehrt: Die Betreibergesellschaft einer Disco in Hannover muss 1000 Euro Schadensersatz an einen Deutschen mit ausländischen Wurzeln zahlen, urteilte jetzt das Amtsgericht Hannover (Aktenzeichen: 462 C 10744/12).

Der junge Mann war als Kind mit einer kurdischen Familie aus der Türkei nach Deutschland eingewandert. Im Januar 2012 hatte er versucht gegen 23.30 Uhr in die Disco zu gehen, scheiterte aber am Türsteher. Die Richter sind überzeugt, dass ihm der Eintritt verwehrt wurde, weil männliche Ausländer nicht erwünscht waren. Die Beweisaufnahme ergab, dass zeitgleich Gäste ohne erkennbaren Migrationshintergrund die Discothek betreten durften, teilte das Gericht am Mittwoch mit.

Die Richterin erkannte darin einen Verstoß des Betreibers gegen Paragraf 21 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Der habe den Kläger diskriminiert, womit ihm Schadensersatz zusteht. Zudem verurteilten die Richter die Betreibergesellschaft dazu, dem jungen Mann künftig den Eintritt nicht verwehren zu dürfen - "sofern nicht im Einzelfall zwingende Gründe vorliegen, die in keinem Zusammenhang mit der ethnischen Herkunft des Klägers stehen".

Immer wieder erleben junge Männer Diskriminierung an der Discotür. So planten Studenten in Hannover, mit Flugblättern Clubs anzuprangern, die Menschen mit vermeintlich ausländischen Aussehen diskriminieren, berichtete die "Hannoversche Allgemeine" im Juni. Und in Leipzig klagten Anfang des Jahres mehrere Betroffene gegen insgesamt sechs Clubs. Die dortigen Betreiber sind sich mitunter keiner Schuld bewusst, so sagte einer Anfang des Jahres SPIEGEL ONLINE: "Die Klagen sind eine Rufmordkampagne des Antidiskriminierungsverbands, der eine Daseinsberechtigung sucht."

fln

insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
boingdil 15.08.2013
1. Ist aber jede Abweisung gleich Diskriminierung?
Diskriminierung gibt es im Alltag oft, keine Frage. Aber gerade das Beispiel Club ist sehr fragwürdig. Die Auswahlkriterien der Clubs sind intransparent, manche kommen wegen falschen Klamotten nicht rein, manche weil sie dem Türsteher nicht gut genug aussehen, manchmal wegen dem Geschlechterverhältnis, ... Solange der Türsteher also nicht explizit "Türken kommen hier nicht rein" von sich gibt, kann es auch ein anderer Faktor sein. Das ist das Vertrackte in diesen Situationen: es kann Diskriminierung sein, wird es oft auch sein. Es kann aber auch was anderes sein. Das selbe Problem gibt es zum Beispiel auch bei Bewerbungen: da wird auch oft von Diskriminierung ausgegangen. Es kann aber auch schlichtweg der andere besser gewesen sein. Kommt halt auf die Begründung an, und wer nicht blöd ist wird da andere Gründe vorschieben, wenn Diskriminierung der echte Grund war. Ergo: mit Klagen kann hier nicht wirklich was erreicht werden.
Martin Ogger 15.08.2013
2. Jaja,
Meist wird nicht aufgrund des Aussehens diskriminiert, sondern wegen der einschlägigen Erfahrungen der Türstehen mit Personen dieses Aussehens, genauso wie dies beispielsweise auch glatzköpfigen, Springerstiefel tragenden Personen passieren kann. Wer aussieht als ob er Probleme bereiten würde, wird eben schwerer eingelassen. Wenn ich mich recht an den Leipziger Fall erinnere, war es dort weniger Rassismus, sondern vielmehr Sexismus, da Frauen, welche zum selben Kulturkreis wie die Abgewiesenen zu gehören schienen, ohne Probleme die Einrichtungen betreten durften. Merkwürdig, wenn doch angeblich Rassismus der Beweggrund der Abweisung war.
larry_lustig 15.08.2013
3. Vertragsfreiheit & Hausrecht?
Ich dachte immer ich dürfte bedienen wen ich will und auch in meine Räumlichkeiten rein lassen wen ich will.... 1) Selten dämlicher Türsteher, wenn der einen ablehnt "weil er Ausländer ist" dann sollten es schon die Schuhe, Jacke o.ä. sein... 2) Wird der Club dann auch verklagt, wenn 20 Migranten eine Schlägerei anfangen, weil er nicht für Sicherheit garantiert hat? Dann kann er seine Disco gleich zumachen 3) Kann ich das als Beruf machen für sagen wir 15min. Anstehen + 5 min. Laberei = € 1000 Verdienst? (Mit Ende 30 würde ich wohl auch abgelehnt, ist dann wohl eine Altersdiskriminierung)
OskarVernon 15.08.2013
4.
Zitat von sysopDPATürsteher verweigern jungen Männern mit vermeintlich ausländischem Aussehen oft den Zutritt. In Hannover klagte jetzt ein abgewiesener Gast - erfolgreich. Diskriminierung: Disco muss 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/diskriminierung-disco-muss-1000-euro-schmerzensgeld-zahlen-a-916803.html)
Türsteher verweigern jungen Männern mit deutschem Aussehen oft den Zutritt - ein ganz alltäglicher Vorgang; wo genau ist bitte der Unterschied?
Ober_Gumbo 15.08.2013
5. Ausgewogene Mischung
Der Türsteher muss doch darauf achten, dass die Menge ausgewogen ist. Wenn einige Männer aus dem Land X hineinwollen, müssen eben auch soviele Frauen aus dem Land X hineingegangen sein. Was soll daran falsch sein ?
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