Dokumentiert Stellungnahme eines Kölner Studenten

Am 3. Mai protestierten rund 1500 Kölner Studenten gegen die Einführung von Studiengebühren und sprengten eine Senatssitzung. Was dabei genau passierte, ist umstritten - hier die Version eines Studentenvertreters.


"Senator: Lügen-Rektor der Uni Köln ist untragbar!

In einem Schreiben vom 9. Mai 2006 versucht der Rektor der Universität Köln, Axel Freimuth, den Senatoren seine Sicht der Abläufe am Tag der verhinderten Senatssitzung am 3. Mai zu schildern.

Freimuth versucht mit Verdrehungen, die DemontrantInnen zu diskreditieren. Er bezeichnet die StudentInnen als "gewaltsam", während er PolizistInnen einsetzen ließ, die durchaus gewaltsam Menschen geschlagen, getreten, an den Haaren gezerrt und auf der Treppe haben fallen lassen – ohne dass es von Seiten des Rektors oder der Polizei eine Aufforderung gegeben hatte, die Senatssaaltür freizugeben.

Freimuth behauptet, er habe sich "wie üblich frühzeitig" im Senatssaal befunden. Das habe ich in meinen bisherigen zwei Jahren Senatsmitgliedschaft noch nicht erlebt. Freimuth versucht zu suggerieren, er habe persönlich dafür gesorgt, Sitzplätze für StudentInnen zu schaffen. Es ist absurd, dass Freimuth glauben machen will, er habe mit keiner großen Anzahl an StudentInnen gerechnet. Seine frühzeitige Anwesenheit im Senatssaal, während sämtliche Senatoren uninformiert vor verschlossener Tür standen, kann nur als Provokation für einen Polizeieinsatz gewertet werden.

Interessant auch die konstruierte Rolle von Prorektorin Dauner-Lieb, die mit mir gemeinsam vor der Tür stand und von den DemonstrantInnen mit Wasser und Ohropax versorgt wurde. Auch sie hämmerte gegen die Tür, um hereingelassen zu werden. Ist die Landesverfassungsrichterin etwa auch eine Terroristin?

Ohne Beweise zu erbringen, behauptet Freimuth, StudentInnen hätten mit Steinen gegen die Fenster gehämmert. Merkwürdigerweise gibt es außer ihm niemanden, der oder die Steine gesehen hat. Immer wieder versucht der Rektor, mit Ungenauigkeiten und Polemiken, von seiner verfehlten Politik abzulenken. Dazu gehört auch die stetige Wiederholung, es habe angereiste KrawallmacherInnen gegeben. Freimuth versucht, die Solidarität von anwesenden StudentInnen der FHund anderen Hochschulen sowie einer ver.di-Delegation der Streikenden UniklinkmitarbeiterInnen, für seine Zwecke zu instrumentalisieren.

Freimuth bedauert "sehr, dass bei den Aktionen der Weg des friedlichen Protestes verlassen worden ist." Der einzige, der nicht friedlich war, ist Freimuth selbst. Er trägt die Verantwortung für die gewaltsame Räumung. Dass hingegendie Räumung des Rektorates durch zwei Hundertschaften am Sonntag ohne Gewalt ablief, ist vor allem der massiv anwesenden Presse und der demonstrativen Gewaltlosigkeit der BesetzerInnen zu verdanken. Freimuths Interesse an Gewaltlosigkeit kann maximal durch die Angst vor weiteren unangenehmen Pressemeldungen erklärt werden.

Freimuth hat auf ganzer Linie politisch versagt. Ein Rektor, der seine Universität nur noch mit Hilfe von Polizeikräften und privaten Sicherheitsdiensten leiten kann, muss zurücktreten. Er ist nicht mehr tragbar für die Universität Köln."

Markus Struben, Mitglied des Senats der Universität Köln

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.