Neue US-Bildungsministerin Betsy DeVos Milliardärin mit Agenda

Sehr knapp hat der US-Senat Donald Trumps Kandidatin fürs Bildungsministerium bestätigt. Die umtriebige Milliardärin Betsy DeVos kann ihren Feldzug für Privatschulen nun auf höchster Ebene fortführen - die Lehrergewerkschaft ist empört.
Betsy DeVos

Betsy DeVos

Foto: Carolyn Kaster/ AP

Man kann nicht sagen, dass sich Donald Trump eine treue Gefolgsfrau ins Kabinett geholt hat. Betsy DeVos, 59, hatte einige Monate vor der US-Wahl noch in einem Interview  beklagt, dass Trump ein "Eindringling" in der Republikanischen Partei sei. Immer mehr Menschen würden sich von ihm abwenden, wenn sie erst mehr über seine Vergangenheit erführen.

Das ist nicht passiert und nun, nach der Wahl, ist es ein schlauer Schachzug von Trump, dass er DeVos zu sich ins Boot geholt hat. Denn die adrette und eloquente Lady aus Michigan gehört einem der einflussreichsten republikanischen Familienclans an. Diese versuchen seit Jahren, mit ihrem Vermögen politische Vorgänge zu steuern.

Der Senat hat DeVos sehr knapp bestätigt, zwei republikanische Senatorinnen hatten gegen sie gestimmt. DeVos ist sehr umstritten - wegen ihres einseitigen Engagements für Privatschulen und ihrer fehlenden praktischen Erfahrung im Bildungswesen.

Betsy DeVos' Vater Edgar Prince gründete einen Automobilzulieferer und brachte es zu einem Milliardenvermögen. Ihr Schwiegervater Richard DeVos hat die Firma Amway mit aufgebaut, die Konsumgüter produziert und vertreibt. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes " schätzt sein Vermögen auf rund fünf Milliarden Dollar.

Die neue Bildungsministerin selbst ist Vorstandschefin der Windquest Group, die unter anderem in alternative Energie und Technologien investiert. Ihr Bruder Erik Prince war jahrelang Chef der privaten Sicherheitsfirma Blackwater, die US-Truppen moralisch fragwürdig, aber sehr lukrativ im Irak unterstützt hat.

Blackwater ist ein Beispiel dafür, wie eng Geld und Politik in dem Familienclan beisammenliegen. Ein anderes sind die Spenden: Allein im Jahr 2014 gab die Familie laut "Forbes" mehr als 90 Millionen Dollar aus, unter anderem für Hochschulen, Krankenhäuser, Kunstpreise und Sozialprojekte.

Einfluss gegen Geld

Die Familie von Betsy DeVos erkauft sich mit ihrem Vermögen aber auch Einfluss bei christlich-konservativen Organisationen, Thinktanks, Kampagnen und Kandidaten, die ihren Wünschen entsprechen, sich also zum Beispiel gegen Abtreibung oder Homo-Ehe einsetzen.

Ganz oben auf Betsy DeVos' persönlicher Agenda: eine konservative Schulreform. "Der Status quo ist inakzeptabel", schreibt sie auf ihrer Homepage . Sie wolle das US-Bildungssystem "transformieren". Wie genau? Es sei unangemessen, das auszuführen, bevor der Senat sie als Bildungsministerin bestätigt habe, stand dort bis zum Mittwoch.

Was bekannt ist: Betsy DeVos machte sich bislang vehement dafür stark, dass auch weniger vermögende Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken können. Üblicherweise weisen Schulbehörden Kindern eine öffentliche Schule in ihrer Nachbarschaft zu. Wie viele Freiheiten Eltern bei der Schulwahl haben, hängt vom Wohnort ab.

Ein nationales Gesetz  ermöglicht es derzeit aber allen Kindern an staatlichen Schulen, auf eine andere staatliche Schule zu wechseln, wenn ihre Schule offiziell als unsicher oder besonders schlecht eingestuft wurde.

Lehrergewerkschaft ist empört

Betsy DeVos hatte sich bisher dafür eingesetzt, noch viel weiterzugehen: Alle Eltern sollen sich die Schule ihrer Kinder frei auszusuchen können. Sie sollen Gutscheine bekommen, die sie an der Schule ihrer Wahl gegen Unterricht einlösen können. Kritiker warnen davor, dass private Schulen so mit Steuergeldern massiv gestärkt und das staatliche Schulsystem weiter geschwächt würde.

Die Lehrergewerkschaft NEA reagierte empört auf DeVos' Nominierung. "Sie hat konsequent ihre Unternehmensagenda vorangetrieben, um die staatliche Bildung zu privatisieren und zu entprofessionalisieren, sagte Gewerkschaftschefin Lily Eskelsen Garcia im November. 

DeVos ist auch eine erklärte Anhängerin von Charter Schools. Das sind öffentliche Schulen, die aber von den meisten staatlichen Regulierungen befreit sind. Es ist damit wesentlich schwieriger für die Schulbehörden, das Unterrichtsniveau in diesen Schulen zu erfassen und zu steuern.

Um dieses Problem an staatlichen Schulen in den Griff zu bekommen, haben fast alle Bundesstaaten in den vergangenen sechs Jahren die Common Core State Standards eingeführt. Sie legen fest, was Schüler nach jeder Klassenstufe in den Fächern Mathe und Englisch gelernt haben sollen.

Betsy DeVos: "Politik ist frustrierend"

Dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump ist das allerdings zu viel Zentralisierung. Die Common Core State Standards seien eine "totale Katastrophe" und führten nur zu Bürokratie, schimpfte er im Wahlkampf. Bildung müsse auf lokaler Ebene passieren, ohne Einmischung von Behörden und Ämtern.

Seine Fachministerin hält ebenfalls wenig von den gemeinsamen Standards. Abschaffen wird sie sie allerdings nicht können: In der Bildungspolitik sind die Bundesstaaten - ähnlich wie in Deutschland - sehr autonom.

Betsy DeVos wurde zwischen 1996 und 2005 viermal zur Vorsitzenden der Michigan Republican Party gewählt. Sie sei danach aus der Politik ausgestiegen, weil sie es dort "frustrierend" gefunden habe, sagte DeVos im vergangenen März auf einer Konferenz . Sie habe sich lieber ganz ihrer Leidenschaft widmen wollen, der Bildung.

In den kommenden Monaten wird sie nun viel von beidem haben: Frust und Leidenschaft.

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