Dr. Queen Brian May veröffentlicht Doktorarbeit

Sein Stern scheint hell: Als Gitarrist von "Queen" war Brian May der Mann für schwindelerregende Soli - als Akademiker macht er nun eine zweite Karriere, gerade erscheint seine Doktorarbeit. Thema: Licht und interplanetarer Staub.

Das neueste Werk der Gitarrenlegende Brian May heißt A Survey of Radial Velocities in the Zodiacal Dust Cloud. Das könnte gut und gern der Name einer veritablen Rockoper sein, erinnert allerdings eher an Pink Floyd als an Queen. Ist aber weder das eine noch das andere. Der intergalaktische Titel prangt auf Brian Harold Mays Doktorarbeit und ist ein weiterer Baustein in der akademischen Karriere des Mannes, der sein Studium unterbrach, um mit "Queen" Rockstar zu werden.

Die Doktorarbeit "Eine Untersuchung der Radialgeschwindigkeit interplanetarer Staubwolken" ist der vorläufige Höhepunkt der akademischen Karriere des 61-jährigen Astrophysikers und Gitarrenhelden Brian May.

Mit dem 215 Seiten starken Werk hatte May im vergangenen Jahr nach 33 Jahren akademischer Pause am Imperial College in London seinen Doktor gemacht. Wenige Monate später machte die John-Moores-Universität in Liverpool den frischgebackenen Wissenschaftler öffentlichkeitswirksam zu ihrem Kanzler.

Physik ist was für Rocker, nicht für Stubenhocker

May behandelt in seiner Arbeit ein recht bekanntes astronomisches Phänomen, das allerdings bislang kaum genauer erforscht wurde: Der Gitarrist untersucht eine kegelförmige Licht-Erscheinung, die an besonders dunklen Orten einige Stunden vor Sonnenaufgang im Osten und einige Stunden nach Sonnenuntergang im Westen über dem Horizont zu sehen ist.

Auf englisch heißt das Phänomen Zodiacal Light. Ein Titel, den man sich nicht schlecht auch zwischen Radio Gaga, Innuendo oder We will Rock You auf einer Queen-Platte hätte vorstellen können. "Ich habe meine Jahre als Gitarrist bei Queen voll und ganz genossen, aber es ist extrem befriedigend, jetzt meine Arbeit veröffentlicht zu sehen", sagte May.

Sein Verlag empfiehlt das Buch zwar neben Astronomen auch den "Fans der berühmten Rockband Queen" - aber die Pressemitteilung liest sich schon wie eine Warnung an Nicht-Physiker: "Das Buch ist eine streng akademische Untersuchung und dokumentiert den Aufbau eines Fabry-Perot-Spektrometer, ausgestattet mit einem Photonenvervielfacher und einer elektronischen Pulszählschaltung". Populärwissenschaftlich klingt anders.

An dem Nischenphänomen forschte May bereits vor über 30 Jahren, weil sich aber kaum jemand um das Thema scherte, konnte er drei Dekaden später die Arbeit daran problemlos wieder aufnehmen, berichtet die britische Sonntagszeitung Sunday Times.

Physik und Musik - das, was die Welt am Laufen hält

May unterbrach die Arbeit am nächtlichen Lichtschein, als die Karriere mit seiner Band "Queen" abhob. Doch auch wenn er auf Tournee mit der Gruppe war, zog er sich immer wieder mit seinem Material zurück, um die Doktorarbeit voranzubringen.

Brian Cox, Professor für Physik an der Manchester University, sagte der Times: "Was Brian erreicht hat, ist großartig. Es zeigt, das ein Physikstudium mitnichten etwas für Nerds ist", so Cox. Musik und Wissenschaft speisen sich seiner Meinung nach nämlich aus derselben Quelle: " Eine Art emotionaler Neugier, die die Welt, und einen selbst, am Laufen hält."

cht