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Draper University in Kalifornien: Tinder für Samenspender

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Uni für Start-up-Gründer "Ich werde scheitern und scheitern, bis ich Erfolg habe"

Multimillionär gründet Uni: An der Draper University im Silicon Valley sollen erfolgreiche Start-up-Gründer ausgebildet werden - für 9500 Dollar lernen die Studenten den Heldeneid und wie man in der Wildnis überlebt.
Von Jutta Maier

Aya Jaff, 20, steht in einer Gruppe junger Leute auf der Bühne im großen Saal und lässt die Hüften kreisen. Aus den Lautsprechern grölen die The Jackson Five "I Want You Back". Es ist Mittwochmorgen an der Draper University of Heroes in San Mateo im Silicon Valley, Kalifornien, wo sie noch glauben an den amerikanischen Selfmade-Traum.

Denn genau darum geht es hier an der Draper University: Die Studenten sollen lernen, wie sie aus ihren Ideen ein erfolgreiches Start-up gründen. Die Zutaten: viel Pathos, viel Geld - und völlige Hingabe. Und so will es das tägliche Procedere, dass Jaff, die einzige deutsche Teilnehmerin des diesjährigen Herbst-Jahrgangs, und die anderen als Nächstes den "Helden-Eid" aufsagen.

Dafür stellt sich Tim Draper, Multimillionär, Investor und Gründer der Universität, mit seinen Schützlingen in einer Reihe auf und legt seine rechte Hand aufs Herz. "Ich werde die Freiheit um jeden Preis fördern. Meine Marke, mein Netzwerk und meine Reputation sind mein Fallschirm. Ich werde scheitern und scheitern, bis ich Erfolg habe ..." Im Publikum sitzt eine 30-köpfige Delegation aus China, die sich über die Universität informieren will. Sie machen ungläubige Gesichter.

Tim Draper und seine Studenten sagen den Superhelden-Eid auf

Tim Draper und seine Studenten sagen den Superhelden-Eid auf

Foto: Jutta Maier

"Der Eid ist schon sehr amerikanisch", sagt Aya Jaff beim Mittagessen. "Ich habe ein paar Wochen gebraucht, um mich daran zu gewöhnen." Jaff studiert eigentlich Wirtschaftsinformatik in Nürnberg. Ein Stipendium brachte sie an die Draper Uni. Sie ist hier, um das Star-tup-Leben kennenzulernen, wie sie sagt. Ihr Traum: Ein Unternehmen zu gründen, das mit Hyperloop funktioniert, dem Schallgeschwindigkeits-Transportsystem von Tesla-Chef Elon Musk. Anstelle von Menschen will Jaff in Deutschland Güter wie Rohöl in Kapseln durch Röhren sausen lassen, zehnmal schneller als mit dem Lastwagen. Sie hofft, dass sie bei Draper Kontakte zu Ingenieuren oder Transport-Experten bekommt, die ihr bei der Forschung helfen.

Aya Jaff ist eine von 45 Teilnehmern des siebenwöchigen Herbstkurses: Studenten, Aussteiger und Gründer aus allen Teilen der Welt, die lernen wollen, wie man ein Start-up aufzieht. Um ins Programm aufgenommen zu werden, brauchen Bewerber jedoch keine Geschäftsidee, sondern ein Stipendium oder 9500 Dollar für die Kursgebühr und den richtigen Jahrgang: Sie müssen zwischen 18 und 28 Jahre alt sein. Nach sieben Wochen gibt es zwar keinen Abschluss - die Draper University ist nicht als Hochschule akkreditiert -, sondern ein Zertifikat und einen Superhelden-Umhang.

Der Kurs könnte auch den Titel tragen: Infotainment-Veranstaltung zum Silicon Valley, bei der die erfolgshungrigen Teilnehmer mit einer Mischung aus Drill-Camp und Motivationstraining vor allem lernen, sich selbst gut zu verkaufen. Und das ist hier nicht nur teuer, sondern auch anstrengend. Und ziemlich oberflächlich.

Student Chad beim Pitch-Training: Zweiminütige Präsentationen

Student Chad beim Pitch-Training: Zweiminütige Präsentationen

Foto: Jutta Maier

An jenem Mittwochvormittag stehen wieder einmal Vorträge auf dem Programm: Zwei Unternehmer erzählen den Helden-Schülern von den Höhen und Tiefen des Silicon Valley. Nachmittags können die Studenten dann ihre Pitches üben: Zweiminütige Präsentationen ihrer Geschäftsideen, die sie am Pitch Day vor einer Gruppe Investoren halten müssen.

Zeit, um an ihren Start-up-Ideen zu arbeiten, bleibt den Teilnehmern kaum. 60 Prozent des Curriculums sind für Unternehmer-Vorträge reserviert, bei den anderen 40 Prozent handelt es sich um Lerneinheiten zu Themen wie "Geschwindigkeit und Stärke", "Recht und Justiz" oder "Vision und Zukunft", jede Woche hat ein anderes Motto.

Los geht es morgens 9.45 Uhr, der Tag endet um 19.30, manchmal erst um 21 Uhr. Woche fünf ist reserviert für die berüchtigte Survival Week: Dafür werden die Studenten für fünf Tage auf ein mehrere Stunden entferntes, abgelegenes Grundstück gekarrt, das Tim Draper gehört. Dort lernen sie, in der Wildnis zu überleben: Stundenlang müssen die Studenten mit schwerem Gepäck wandern, Schießübungen mit ehemaligen Soldaten überstehen und nachts werden sie aufgeweckt, um den "Helden-Eid" aufzusagen.

"Der aktuelle Jahrgang ist der stärkste, den wir je hatten", sagt Mentorin Erin Brady, die zwischen den Vorträgen an diesem Mittwoch in High Heels auf die Bühne stöckelt, um Ansagen zu machen. Im Frühjahr war die heute 28-Jährige noch selbst Draper-Schülerin. Zu den Geschäftsideen damals zählte ein "Tinder für Samenspender" und ein Katzenstreu, das bei Benutzung die Farbe wechselt.

Erin Brady im Seminarraum: "Ich kann hier mit großartigen Menschen zusammenarbeiten"

Erin Brady im Seminarraum: "Ich kann hier mit großartigen Menschen zusammenarbeiten"

Foto: Jutta Maier

Erin Brady, die 2013 zur Miss USA gewählt wurde, hat ihre Geschäftsidee allerdings schnell wieder verworfen: einen Abo-Lieferservice für Männer, die nicht wissen, was sie ihren Partnerinnen schenken sollen. Als die Draper-Leitung dann überraschend fragte, ob sie Mentorin werden wolle, sagte sie zu. Ihre Begründung: "Ich kann hier mit großartigen Menschen zusammenarbeiten."

Was Brady mit ihrem Leben anfangen soll, weiß sie allerdings immer noch nicht. Anderen Draper-Absolventen geht es ähnlich. Viele, wie Aya Jaff, studieren hinterher an einer richtigen Universität weiter und nutzen das Programm eher, um Silicon-Valley-Luft zu schnuppern. Andere versuchen, bei einem fremden Start-up anzuheuern. Wieder andere nutzen Draper als Sprungbrett für ernsthafte Gründerprogramme wie "Y Combinator", bei denen man sich die Teilnahme nicht erkaufen kann, sondern mit einer richtig guten Idee punkten muss.

Und knapp die Hälfte werden tatsächlich Entrepreneure. Laut Uni haben 250 der 462 bisherigen Absolventen ein Startup gegründet und 30 Millionen Dollar Investitionen eingeworben. Ein Teil des Geldes stammt von Tim Draper selbst, der sich dafür Anteile an den Firmen sichert. Bekannte Namen sind jedoch Fehlanzeige: Auf Nachfrage präsentiert die Uni schließlich Le Pur, eine chinesische Marke für gesundes Essen.

Erin Brady weiß mittlerweile nur, dass sie nicht ewig für die Draper University arbeiten wird. "Man kann den Studenten schlecht predigen, groß zu denken und dann jahrelang hier bleiben."