Duell Oxford-Cambridge Deutsches Doktoranden-Duo jubelt nach Ruderkrimi

Sebastian Mayer und Steffen Buschbacher triumphierten wie nach bestandenem Examen. Die beiden deutschen Studenten saßen im siegreichen Achter aus Cambridge, der das Ruderduell gegen die ewigen Uni-Rivalen aus Oxford diesmal deutlich gewann. Nach einem spektakulären Rennen protestierten die Verlierer vergebens.


Legendäres Duell: Cambridge (links) rauscht den Rivalen davon
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Legendäres Duell: Cambridge (links) rauscht den Rivalen davon

Auf Sebastian Mayer, 29, war diesmal Verlass. Noch vor zwei Jahren hatte Mayers Schwächeanfall seinen Cambridge-Achter den Sieg gekostet. Doch bei der 150. Auflage des legendären Ruder-Rennens zwischen den Flaggschiffen der Noveluniversitäten Cambridge und Oxford hielt der Biologie-Doktorand durch und strahlte ausdauernd in die Kameras der BBC. "Wir haben's geschafft, wir haben's geschafft", schrie er seine Freude immer wieder heraus.

Mit dem lang erhofften Triumph konnte der Breisacher eine böse Scharte auswetzen. Endlich ziert ein Sieg beim berühmtesten Ruder-Klassiker der Welt seinen Lebenslauf. 2002 hatte es an Mayer höchstpersönlich gelegen, dass der schon sicher geglaubte Triumph der "Light Blues", der Hellblauen, auf den letzten Metern des Rennens noch verloren ging. Vor lauter Erschöpfung hatte er auf der letzten halben Meile nur noch pro forma mitrudern können - und so verlor Cambridge trotz Vorsprungs und vorteilhafter Innenbahn noch.

Revanche für die Niederlage

Nun hat Sebastian Mayer sich rehabilitiert. "Wir mussten dieses Jahr einfach gewinnen", stammelte Mayer überwältigt von Emotionen ins Mikrofon des Fernsehreporters. Der eiserne Wille der Cambridge-Crew erwies sich als Schlüssel zum letztlich deutlichen Erfolg, nachdem die Trainingszeiten, die Fitnesswerte der Athleten und die Prognosen der Experten sowie die Quoten der Buchmacher allesamt für einen engen Ausgang des Rennens gesprochen hatten. Nach 6,74 Kilometern über die Themse vom Bezirk Putney nach Mortlake trennten rund 15 Sekunden die beiden Achter - was einer Demontage der Oxford-Ruderer gleichkam.

Ruderer Mayer (rechts, bei Olympiastart 2000): Triumphierte diesmal
DPA

Ruderer Mayer (rechts, bei Olympiastart 2000): Triumphierte diesmal

Vorausgegangen war allerdings ein spektakuläres Rennen. Cambridge setzte sich nach 1500 Metern ab und baute den Vorsprung bis ins Ziel stetig aus, doch schon in der Anfangsphase kam es zu umstrittenen Szenen. Nicht zum ersten Mal in der 175-jährigen Geschichte des Klassikers kollidierten beim Positionskampf die Riemen. Einmal kamen sich die beiden Achter so nahe, dass der Oxford-Steuermann beinahe von Ruderblättern am Kopf getroffen worden wäre. Kurz darauf hob es Oxfords Mann im Bug, Chris Kennelly, nach einem harten Schlag gegen sein Ruder vom Rollsitz, so dass er fünf Schläge aussetzen musste.

Für Steffen Buschbacher, den zweiten Deutschen im Cambridge-Achter, war das der entscheidende Moment. "Auf einen Schlag wussten wir, dass wir gewonnen hatten. Wir hatten das Gefühl, dass wir mit jedem Schlag einen Mann voraus waren, und der Gegner kann nichts dagegen tun", so der 26-jährige Doktorand für International Studies.

Deutsche Studenten häufig mit im Boot

Nach dem Duell legten die Verlierer sofort Protest ein. Der Schiedsrichter jedoch machte das Oxford-Boot als Verursacher der gegenseitigen Behinderung aus und sah keinen Anlass, Cambridge zu bestrafen. "Das ist ärgerlich und frustrierend nach all dem Training. Ausgerechnet im Jubiläumsrennen muss sowas passieren. Eine Riesenenttäuschung", sagte Oxfords Steuermann Acer Nethercott, der glaubte, lediglich seine Linie gehalten zu haben. Schiedsrichter James Behrens konterte: "Ich hatte das Oxford-Boot zu dem Zeitpunkt gewarnt, weil es aus seiner Bahn gekommen war." Am Montag stellten einige Zeitungen seine Unparteilichkeit in Frage - immerhin war Behrens 1993 Mitglied des siegreichen Cambridge-Bootes.

Ruderer Wooge (links): 2003 nur knapp besiegt
AP

Ruderer Wooge (links): 2003 nur knapp besiegt

Den Fans der "Light Blues" unter den 250.000 Zuschauern an der Strecke war das gleichgültig, überschwänglich feierten sie ihre Helden. Das Prestigeduell der beiden Uni-Achter ist traditionell ein Riesenspektakel, und der Wettstreit wird immer internationaler. Nur einmal in den letzten zehn Jahren gab es ein Rennen ohne deutsche Beteiligung. Die beiden Elite-Universitäten ködern stets ausländische Studenten, darunter Olympiasieger und Weltmeister. Im vergangenen Jahr zum Beispiel war Tim Wooge, BWL-Student aus Mülheim, Kapitän des Cambridge-Achters. Und verlor im knappsten Rennen der Geschichte nur hauchdünn, nach Zielfoto-Entscheid mit 30 Zentimeter Rückstand.

78 Mal in der Geschichte des Rennens konnte Cambridge gewinnen, 71 Mal Oxford. Ein einziges Mal gab es ein "totes Rennen", ein Remis - 1877 lag der Schiedsrichter betrunken unter einem Baum und verschlief den Zieleinlauf.



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