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25. April 2019, 18:22 Uhr

Französische Elitehochschule Ena

Unter sich, unten durch

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Frankreichs Präsident Macron erwägt, die École Nationale d'Administration zu schließen. Die Hochschule bringt seit Jahrzehnten Staatsbeamte hervor - und schürt als Eliteschmiede den Unmut der Gelbwesten.

Nein, was Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorhat, das wolle sie nicht kommentieren. Das dürfe sie nicht kommentieren. Edith Berger, Pressesprecherin der Elitehochschule École Nationale d'Administration (Ena), hat da klare Vorschriften. Sie wird nicht sagen, wie sie es findet, dass Macron die Straßburger Kaderschmiede womöglich schließen will. Dass er damit die Gelbwesten beschwichtigen will.

Dieses Vorhaben wurde bekannt, bevor Macron es offiziell publik machen konnte. Er hatte es an jenem Abend verkünden wollen, als Notre-Dame in Paris brannte. Nun will sich der Staatschef an diesem Abend erneut zu den Protesten der Gelbwesten äußern.

Die Demonstranten prangern unter anderem die Elitenbildung an, die im Land betrieben wird. Und die Ena mischt da kräftig mit. Gegründet im Oktober 1945 von Charles de Gaulle, bringt die Schule schon seit Jahrzehnten Staatsbeamte, Unternehmenschefs, Minister und Präsidenten hervor. Die Gelbwesten monieren, dass die sogenannten Enarchen die Probleme der einfachen Menschen nicht verstehen würden, dass sie fernab jeglicher Realitäten lebten.

Prominente Absolventen in Serie

Macron selbst machte vor 15 Jahren seinen Abschluss an der Verwaltungshochschule. Auch die ehemaligen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing, Jacques Chirac, François Hollande sind sogenannte Enarchen, ebenso der amtierende Premierminister Édouard Philippe, der Chef des Telefonnetzwerks Orange, Stéphane Richard, sowie der Chef der Geschäftsbank Société Generale, Frédéric Oudéa.

Wer es also an die Schule geschafft hat, gehört damit zum Netzwerk der wichtigsten Persönlichkeiten in der französischen Gesellschaft. Die "Financial Times" bezeichnete diese Verbindungen unlängst gar als inzestuös .

Wer den Auswahltest geschafft hat, für den ist ein Weg in die wichtigsten Ämter des Landes vorprogrammiert. Doch das ist nicht leicht, nur 80 von 1500 Bewerbern werden genommen. Meist gelingt das nur denjenigen, die an speziellen Vorbereitungskursen teilnehmen können. Und wer kann das? Vor allem die Kinder aus guten Elternhäusern, Töchter und Söhne gut situierter Familien, die sich gute - und entsprechend teure - Schulen leisten können.

Geschlossenes Netzwerk der Eliten

Die Kritik liegt auf der Hand: Die Eliten bleiben unter sich, Kinder aus sozial schwachen Schichten oder auch Absolventen anderer Hochschulen haben kaum Chancen, an der Ena aufgenommen zu werden und dann hochrangige Posten im Staatsapparat zu erhalten.

Pressesprecherin Berger verweist auf einen Artikel des Schuldirektors Patrick Gérard in der französischen Zeitung "Le Figaro". Darin verteidigt Gérard seine Schüler: Sie seien nicht alle privilegierte Menschen, würden in keiner Weise bevorzugt, sondern hätten alle den Aufnahmetest bestanden. Zwar sei es bedauerlich, dass nur 19 Prozent der derzeitigen Studenten Kinder von Angestellten, Ladenbesitzern, Landwirten oder Handwerkern seien, aber im "aktuellen Jahrgang sind keine Kinder von Enarchen, Ministern oder Parlamentariern".

Außerdem bemühe sich die Ena um eine größere gesellschaftliche Öffnung, so Gérard: Um auch Schülern aus sozial schwachen Schichten den Zugang zu erleichtern, gebe es seit zehn Jahren einen einjährigen Vorbereitungskurs (classes préparatoires) in Paris, im September soll ein zweiter in Straßburg hinzukommen.

Öffnung in homöopathischen Dosen

Hier lernen die Schüler für den Auswahltest: Sie erhalten in dieser Zeit ein Stipendium, einen Wohnheimplatz und werden psychologisch betreut. Allerdings ist der Kurs nur für jeweils 15 bis 20 Studenten ausgelegt. Wie viele davon es tatsächlich an die Ena schaffen, bleibt unklar.

Gérard schreibt auch, man könne es natürlich besser machen, und setzt gleich den Satz dahinter, dass ja niemand an die anderen Eliteschulen in Frankreich oder ins Ausland schaue. Und es stimmt: Auch andere renommierte Hochschulen haben ein Elitenproblem, wie man unlängst am Bestechungsskandal in Yale sehen konnte.

In der Schule ist der Unmut deshalb groß. Hier versteht man nicht, wieso Macron überhaupt erwägen könne, die Ena abzuschaffen. Mission der Schule sei es schließlich, Beamte auszubilden. Beamte mit speziellen Kompetenzen, die Frankreich für die Staatsverwaltung braucht.

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