Einser-Schwemme Professor für zu gute Noten bestraft

Hier eine Eins, da eine Eins, alle eine Eins: Ein Professor der Fachhochschule Hildesheim hat seine Studenten mit Spitzennoten beschmissen, seine Vorlesungen aber eher selten gehalten. Jetzt hat ihn die Hochschule zu 2000 Euro Disziplinarstrafe verdonnert.


Ein Professor aus Hildesheim muss 2000 Euro Strafe zahlen, weil er seinen Studenten dutzendweise Einsen gegeben hat, ohne sie ordentlich zu prüfen. Zu dieser Disziplinarmaßnahme entschloss sich die Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst (HAWK) in Hildesheim am Freitag. Der "fachlich und persönlich sehr geschätzte" Kollege habe seine Vorlesungen nur unregelmäßig gehalten, seine Prüfungsverfahren seien undurchsichtig gewesen, sagte die Pressesprecherin der HAWK.

Undurchsichtig? In der Tat: Vor einem Jahr vergab der Professor an seine Prüflinge im Fach Restaurierung, Studienrichtung "Stein und Keramik", reihenweise die Note 1,0 - allerdings ohne sie offiziell zu prüfen und zwei Wochen vor dem letzten Prüftermin. Die Noten waren Studenten der bautechnischen Fachhochschule in ihrem Notenportal im Internet aufgefallen. Sie wendeten sich daraufhin an die Presse. So erfuhr auch die Hochschulleitung von dem Vorwurf, der Professor vergebe Kuschelnoten. Die angehenden Restauratoren, die zu gut bewertet worden waren, holten ihre Prüfungen wenig später nach, die Hochschule leitete ein Disziplinarverfahren gegen den Professor ein.

Fälle, in denen an Unis und Hochschulen gute Noten leichtfertig vergeben werden kommen hin und wieder an die Öffentlichkeit. Sie schaden meist dem Ansehen des Fachbereichs und mitunter auch der ganzen Hochschule.

Der gestrafte Professor unterrichtet und prüft weiter

Die häufige Abwesenheit des Professors und seine laxen Prüfungsmethoden, seien "keine Bagatellen", sagte der Kanzler der HAWK, Marc Hudy. Darum habe sich die Fachhochschule für eine "spürbare Geldstrafe" entschieden, so Hudy weiter in einem Gespräch mit der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung". Außerdem habe die Hochschule die Prüfungsabläufe verschärft, um Wiederholungsfälle auszuschließen.

Während der Vorfälle im Juli 2007 war der Professor teilweise von seiner Lehrtätigkeit freigestellt, so die Sprecherin der Hochschule. Neben der Geldstrafe von 2000 Euro drohen dem Hochschullehrer keine weiteren Konsequenzen. Er habe die Vorwürfe eingeräumt und könne weiter seiner Arbeit nachgehen - Lehren und Prüfen inklusive.

cht/dpa

insgesamt 457 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Karendric, 15.05.2007
1.
Ja, an der Uni kann man Noten nicht mehr ernst nehmen - fast jeder bekommt heute ein "sehr gut" - oft von wohlmeinenden Dozenten, die so die Chancen des Absolventen auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen. Einzige Ausnahme sind hier wohl noch die Juristen.
Pnin, 15.05.2007
2.
Das muss Studienfachabhängig sein. Bei Rechtswissenschaften gibt es dieses Problem nicht.
Rover, 15.05.2007
3.
Zitat von KarendricJa, an der Uni kann man Noten nicht mehr ernst nehmen - fast jeder bekommt heute ein "sehr gut" - oft von wohlmeinenden Dozenten, die so die Chancen des Absolventen auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen. Einzige Ausnahme sind hier wohl noch die Juristen.
In den geistes- und Sozialwissenschaften war es zu meiner Zeit (Abschluss 99) sicher so. Wobei das schlicht auch von den Dozenten abhängt. Ich hatte eine Professorin, die auch gleich sagte, sie gäbe prinzipiell nur 1 und 2. Andere gerierten sich als streng und gaben prinzipiell (fast) nur 2 + 3, aber generell waren 1 und 2 das Maß - allerdings eben sehr willkürlich angewandt und ausschließlich abhängig vom jeweiligen Dozenten.
Polarwölfin, 15.05.2007
4. Verkehrte Welt
Als mein Mann Ende der Achtziger Ingenieurwesen studierte, rühmten sich manche Professoren an der Uni mit Durchfallquoten von 100 Prozent. Das war etwas ganz tolles - für die! Für die Studenten sah das natürlich ganz anders aus. Nun soll es gute Noten für Nüsse geben? Wer soll denn davon profitieren? Die Uni? Die Studenten wohl eher nicht, denn die Wahrheit kommt doch raus. Spätestens im Beruf merkt man, ob jemand etwas kann oder nicht.
Tomkick, 15.05.2007
5.
Ich muss das falsche studieren (oder am falschen Ort :) ), hier ist "sehr gut" gegenüber "gut" bzw. "befriediegend" klar in der Minderheit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.