Eintritt fürs Austreten Uni Bonn privatisiert Toiletten

Schmuddeltoiletten wollte die Bonner Universität erst mit Studiengebühren-Euros sanieren - ein Griff ins Klo, zürnten Studenten. Dem famosen Plan folgte ein weiterer: Jetzt sucht die Hochschule einen externen Betreiber, der von den Studenten Toilettenmaut kassiert.


Der Leitung der Uni Bonn kam im November eine wohl einmalige Idee für die Verwendung von Studiengebühren: 545.000 Euro wollte die Uni verplanen - und das Geld direkt in Uniklos versenken. Genauer ging es um marode Toiletten an der juristischen Fakultät und im Hauptgebäude am Bonner Hofgarten, die eine Sanierung offenbar bitter nötig haben - von uni-weit bekannten "Schmuddeltoiletten" berichtet der "Bonner General-Anzeiger".

Bonner Absolventen: Hurra, endlich Nobeltoiletten
DPA

Bonner Absolventen: Hurra, endlich Nobeltoiletten

In Nordrhein-Westfalen gibt es einen "Innovationsminister" (Andreas Pinkwart, FDP) und ein "Hochschulfreiheitsgesetz". Das erlaubt es Unis und Hochschulen seit gut zwei Jahren, Gebühren für ein Erststudium zu verlangen. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn beeilte sich mit der Umsetzung, seit Sommer 2007 müssen die Studenten dort 500 Euro pro Semester zahlen.

Die Hochschulen können die Einnahmen aus der Campusmaut allerdings nicht verbraten, wie es dem Rektorat oder Senat gerade einfällt. Das Gesetz schränkt es so ein: "Die Beiträge sind Mittel Dritter und zweckgebunden für die Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen zu verwenden."

"Wie in Bahnhöfen müssen Benutzer für ihr Geschäft zahlen"

Aber ist nicht alles Lehre und Studium, irgendwie? Und grassiert nicht allenthalben große Not? Deutschlands Universitäten schmiedeten sogleich die schönsten Pläne, was sie mit dem Geld der Studenten machen könnten - von der Sanierung einer Tiefgarage (Passau) bis zum Verfeuern für die Heizkosten, wie gerade an der Universität Hohenheim vom Rektorat vorgeschlagen.

Auch die Bonner Uni sah die NRW-Campusmaut als Freibrief, selbst dringend nötige Renovierungsarbeiten mit Geld zu bezahlen, das eigentlich exklusiv für mehr und bessere Lehre verwendet werden soll, wie Gebührenbefürworter stets betonen. Im November beschloss der Senat die Klo-Sanierung; die studentischen Senatoren stimmten geschlossen dagegen. Der Pressesprecher der Universität rechtfertigte den Plan so: "Zur Verbesserung der Studienbedingungen gehören auch funktionsfähige Toiletten", sagt er dem "Bonner General-Anzeiger".

Das wollte der Asta partout nicht einsehen und argumentierte, Toiletten seien "absolute Grundausstattung" und damit eindeutig vom Land zu finanzieren. Die Studentenvertreter fanden eine alte Angst der Campusmaut-Gegner bestätigt: "Wie befürchtet dienen die Studiengebühren nicht der Verbesserung der Lehre", sagte Asta-Sprecher Christoph Paesen, "ein klareres Beispiel findet man wohl kaum."

Von der Campusmaut zur Klomaut

Mitte Januar nahm die Hochschule dann ihren Plan, die Toiletten mit Studenten-Euros zu verschönern, zurück. Und präsentierte eine überraschende Alternative: Ein "externer Betreiber" solle nun "für die universitären Örtchen gewonnen werden", teilte die Uni mit.

Der Investor soll zunächst die Toiletten reparieren und anschließend Drehkreuze aufstellen dürfen. Die Uni kündigt an: "Wie in Bahnhöfen und Autobahnraststätten müssen Benutzer dann für ihr Geschäft zahlen." Der Auftrag sei bereits ausgeschrieben, meldet der "General-Anzeiger".

Gegenentwurf zur "Schmuddel-Toilette": Goldenes 4,8-Millionen-Dollar-Klo (in Hongkong)
AFP

Gegenentwurf zur "Schmuddel-Toilette": Goldenes 4,8-Millionen-Dollar-Klo (in Hongkong)

Von der Campusmaut zur Klomaut - ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für die Uni Bonn. Vielleicht sollte sich der einfallsreiche Uni-Senat für gute Vorschläge zur Kloprivatisierung kurzfristig an einen der Gebührenzahler wenden. Ein Bonner Student schlägt in seinem Weblog unter der Überschrift "Uni Bonn - Abkack!" vor, den Auftrag direkt an die ortsansässige Deutsche Telekom zu vergeben. Die Firma habe schließlich Erfahrung mit Mautsystemen. Sie sei sicher auch in der Lage, die Toiletten mit Maut-Kollekte "bis zum Wintersemester 2016 rudimentär einsatzfähig zu machen".

Besser fände der Student nur noch einen Deal, der die Cafeteria des Studentenwerks direkt dem Autobahnraststätten-Betreiber Tank & Rast überträgt. Deren Toilettentochter Sanifair könnte als Toiletteneigner "Wertgutscheine für Snacks und Getränke ausstellen", wenn sich der Student für ihren Notdurftservice entscheidet.

Absurd? Unmöglich scheint in Bonn gar nichts.

cht



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