Eklat in Oxford Debatte mit Holocaust-Leugner - Demonstranten stürmten Saal

Meinungsfreiheit oder Grenzüberschreitung? Mit seiner Einladung des Holocaust-Leugners Irving und eines rechtsextremen Politikers sorgt der Debattierclub der Oxford Union für heftige Proteste. Hunderte Demonstranten versuchten die Diskussion zu verhindern - erfolglos.


London - Vor der Debatte mit dem Holocaust-Leugner David Irving und dem Chef der britischen rechtsextremen Partei BNP ist es an der Universität Oxford zu heftigen Protesten gekommen. Rund 30 Demonstranten durchbrachen gestern Abend die Absperrungen der Bereitschaftspolizei und drangen in das Gebäude ein, in dem der britische Publizist Irving und BNP-Chef Nick Griffin auf einer Veranstaltung des elitären Debattierclubs Oxford Union sprechen sollten. Insgesamt hatten sich an der renommierten Universität rund 500 Aktivisten und Antifaschisten versammelt. Sie riefen "Schande über euch!", einige warfen mit Eiern.

Proteste in Irving: "Shame on you"
REUTERS

Proteste in Irving: "Shame on you"

Die Diskussion Irvings und Griffins mit vier Studenten des Debattierclubs konnte wegen der Proteste nicht pünktlich beginnen, startete aber schließlich mit Verspätung. Als die Demonstranten jedoch in den Saal gelangten, teilte sich die Diskussionsrunde laut Nachrichtenagentur AP: Irving und zwei Studenten hielten sich in einem Raum auf, Griffin und die beiden anderen Diskutanten sprachen in einem anderen Saal.

Die studentischen Teilnehmer zeigten sich im Anschluss erleichtert, dass die Debatte trotz der Proteste stattfand. "Ich glaube, es war ein ausgewogenes Streitgespräch, und beide Seiten haben sich gut geschlagen", sagte der Student Roland Scarlett der BBC. Auch Demonstranten äußerten sich zufrieden, dass sie ihrem Unmut Luft machen konnten.

Die Einladung Irvings hatte schon im Vorfeld für Zündstoff gesorgt. So war der Tory-Abgeordnete Julian Lewis aus Protest aus dem Club ausgetreten. Verteidigungsminister Des Browne hatte seinen Auftritt bei anderen Debatten der Veranstaltung abgesagt, deren Thema Grenzen der Meinungsfreiheit war. Martin McCluskey, Vorsitzender des Studentenverbandes Oxford Student Union, sagte, es sei "eine Schande", dass die beiden auf derselben Veranstaltung sprechen würden wie einst Mutter Teresa und der Dalai Lama. Der Debattierclub betonte, es sei wichtig, Menschen mit verschiedenen Ansichten eine Plattform zu geben.

Irving war im Februar 2006 in Österreich zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, aber im Dezember vorzeitig entlassen worden. Er hatte mehrmals den Holocaust geleugnet. Griffin war 1998 wegen Rassenhasses verurteilt worden

phw/AP/dpa



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