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Pikante Prüfungsfragen: Vergewaltigung in Trinkgemeinschaften

Foto: © Paul Hackett / Reuters/ Reuters

Elite-Uni Cambridge Vergewaltigung als Prüfungsthema

Englands Elite-Universität Cambridge debattiert über eine fragwürdige Prüfungsaufgabe in einem Juraexamen: Den Studenten wurden detailliert sexuelle Übergriffe auf junge Männer beschrieben. "Entsetzlich", beschwerten sich schockierte Prüflinge. Die Hochschule wiegelt ab.

Samstagvormittag in Cambridge. Rund 200 Jurastudenten der britischen Elite-Uni schreiben eine dreistündige Prüfung im Strafrecht, die meisten von ihnen sind noch im ersten Studienjahr. Danach ist die Aufregung groß. Ungewöhnlich groß.

In den sozialen Netzwerken beginnt eine hitzige Diskussion um die Prüfungsfragen - nicht weil diese besonders schwierig oder leicht waren. Der zu behandelnde juristische Fall stand hinterher im Fokus. Detailliert wurden darin nämlich Oralsex und Vergewaltigung von männlichen Studenten beschrieben.

Der fiktionale Prüfungsfall über eine studentische Trinkgemeinschaft namens "The Vizards" (zu deutsch "Die Masken") lautete folgendermaßen:

"Sandra ist Präsidentin der 'Vizards', einer Trinkgemeinschaft der Universität. Sie organisiert die Aufnahme von neuen Mitgliedern. Nachdem viel Alkohol getrunken wurde, bilden die Mitglieder einen Kreis um Billy, Gilbert und Richard, die aufgenommen werden sollen.

(i) Sandra verbindet Billy die Augen und sagt ihm, Tracey würde ihn oral befriedigen. Jonny übernimmt daraufhin diesen Part.

(ii) Sandra nimmt eine Flasche und penetriert damit Gilberts After. Gilbert scheint sich zwar zu wehren und muss von Tracey festgehalten werden, dennoch macht es ihm Spaß.

(iii) Sandra entfernt Richards Schambehaarung mit Wachs. Dabei reißt sie die Haare mit solcher Kraft heraus, dass auch ein erhebliches Stück Haut abgetrennt wird. Die Wunde entzündet sich, doch Richard ist die Sache so peinlich, dass er sich nicht medizinisch behandeln lässt und stirbt.

Prüfe, ob und, wenn ja, welche Straftaten begangen wurden."

Sebastian Salek, ein Jurastudent aus einem höheren Semester, fotografierte die Prüfungsfrage und veröffentlichte sie später in seinem Blog .

"Entsetzlich" und "inakzeptabel"

Während der Prüfung zeigten die Studenten kaum eine Regung ob der ungewöhnlichen Frage. Im Nachhinein reagierten die Prüflinge unterschiedlich: Einige waren erschrocken, andere ungläubig oder leicht belustigt. Eine Studentin kommentierte laut BBC die Fragen im Nachhinein via Twitter als "entsetzlich" und "inakzeptabel". Sie zeichneten ein völlig falsches Bild von den Trinkgemeinschaften. Die Frage zeige, dass die Uni mit der Zeit gehe, kommentierten hingegen andere.

Jurastudent Salek sagte der Lokalzeitung "The Tab Cambridge": "Es ist überraschend, dass die Universität direkt auf die Trinkgemeinschaften hinweist, denn normalerweise ignorieren sie sie." Ein anderer Student bemerkte: "Trinkgemeinschaften machen schließlich einen großen Teil des Lebens in Cambridge aus."

Ein Sprecher der Uni zeigte der BBC zufolge wenig Verständnis für die Aufregung: Im ersten Teil der Strafrechtsprüfung würden "hypothetische Situationen dargestellt, um zu testen, ob die Studenten unterschiedliche Aspekte im Strafrecht verstanden haben".

"Essen eines Mars-Riegels aus einer Jungenunterhose"

Schon früher hatte die Uni in Juraprüfungen den Studenten fiktive Fälle aus dem studentischen Milieu vorgelegt: ein homosexueller Übergriff, der mit Messerstichen im Gesicht endet; oder Studenten, die nackt über den Campus rennen müssen und mit Brennnesseln ausgepeitscht werden.

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Wie auch an anderen britischen Universitäten gibt es auch in Cambridge mehrere Saufbruderschaften - für Frauen und für Männer. Dort werden tatsächlich befremdliche Einführungsrituale gepflegt, wie zum Beispiel "Essen eines Mars-Riegels aus einer Jungenunterhose" - nach mehreren Flaschen Wein. Auch aus anderen Ländern gibt es immer wieder Berichte über Vorfälle, bei denen die Grenzen zwischen schlechtem Geschmack und möglicher Straftat nicht immer klar erkennbar sind.

Die Saufgelage in Großbritannien jedenfalls werden häufig kritisiert. Der Vorwurf an die Studenten lautet dabei zumeist, sie würden ihre Unis in Misskredit bringen.

lgr
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