Elite-Unis Das Preisgeld der Gewinner schrumpft

Beim Elite-Wettbewerb durften am Final-Freitag viele jubeln - zu viele, um alle Projekte wie geplant zu fördern. Darum sollen die ausgezeichneten Unis jetzt mit 15 Prozent weniger Geld auskommen. Vor allem die Sieger der ersten Runde sind alles andere als amüsiert.
Elite im Sixpack: Weniger Geld für die Einzelprojekte

Elite im Sixpack: Weniger Geld für die Einzelprojekte

Foto: DPA

Als am Freitag im Bonner Wissenschaftszentrum die Sieger des Exzellenz-Wettbewerbs bekannt gegeben wurden, war der Jubel der vielen Sieger so groß, dass ein Satz von Matthias Kleiner kaum auffiel. "Um alle exzellent beurteilten Vorhaben bewilligen zu können, haben wir uns entschlossen, die Bewilligungssummen in allen Förderlinien pauschal um rund 15 Prozent zu kürzen", sagte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und versicherte: "Die Arbeitsfähigkeit der Vorhaben bleibt selbstverständlich auf sehr hohem Niveau erhalten."

Nach den ursprünglichen Plänen sollten die Exzellenz-Unis jeweils 21 Millionen Euro pro Jahr für fünf Jahre erhalten, die Forschungsnetzwerke ("Exzellenzcluster") 6,5 Millionen Euro und die Graduiertenschulen zur Nachwuchsausbildung eine Million Euro. Eine Rechnung, die nach der zweiten Bewilligungsrunde vom Freitag nicht mehr aufgeht: Insgesamt neun Elite-Unis, 37 Exzellenz-Cluster und 39 Graduiertenschulen würden demnach bis 2011 mehr als 2,3 Milliarden Euro kosten - über 400 Millionen mehr als vorgesehen.

Hups, das Geld reicht nicht

1,9 Milliarden Euro gab es in beiden Runden zusammen zu verteilen: Drei Viertel zahlt der Bund, das übrige Viertel steuern die Länder bei. Klingt nach einem gewaltigen Batzen Geld für die deutsche Wissenschaft - aber das ist durchaus eine Frage der Perspektive. Die Exzellenzinitiative bringe einen "enormen Schub" für die Forschung, versichern die Rektoren so übereinstimmend, als hätten sie sich zuvor auf diese gemeinsame Sprachregelung geeinigt. Sie wissen allerdings auch: Der Elite-Wettbewerb allein reicht keineswegs, um deutsche Hochschulen über Nacht in die Königsklasse zu katapultieren.

Durch die starke Streuung, die die Länder dem Bund in einem zähen Gerangel noch vor dem Start des Wettbewerbes abtrotzten, profitieren jetzt viele Hochschulen - dafür sind die Summen pro Jahr und Einrichtung überschaubar. Und auch die 1,9 Milliarden Euro Gesamtförderung nehmen sich wenig imposant aus, wenn man sie mit den Forschungsbudgets von US-Hochschulen vergleicht.

"Wer glaubt, mit einem solchen Betrag die deutschen Hochschulen international konkurrenzfähig machen zu können, sollte noch einmal den Mathematik-Unterricht besuchen", sagt Hans Weiler. Der Politikwissenschaftler kennt als emeritierter Professor der US-Elite-Universität Stanford und ehemaliger Rektor der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder beide Seiten des Atlantiks. Weiler rechnet vor: Die Stanford University allein verfüge für den laufenden Fünf-Jahres-Zeitraum über einen Forschungsetat von umgerechnet 2,2 Milliarden Euro.

Nun heißt es Umschichten

Gab es bei der Exzellenzinitiative zu viele Sieger? Sollte das Licht der akademischen Leuchttürme auch über die Provinz strahlen, hatten am Ende die Länderfürsten mit ihren regionalpolitisch motivierten Wünschen zu viel Einfluss? Man habe angesichts der überragenden Konzepte gar nicht anders können, als so viele Unis zum Zuge kommen zu lassen, gaben Politiker und Wissenschaftler am Final-Freitag unisono zu Protokoll. Von "durchweg mindestens sehr guten Anträgen" sprach etwa Peter Strohschneider, Vorsitzender des Wissenschaftsrates.

Also heißt es Umschichten - und mit der angekündigten Pauschalkürzung um 15 Prozent ziehen Wissenschaftsminister, Wissenschaftsrat und DFG deshalb die Finanz-Notbremse. Damit lösten sie vor allem bei den Siegern der ersten Wettbewerbsrunde ein vernehmliches Grummeln aus. Es sei schon "überraschend", dass die Elite-Konzepte vom Oktober 2006 nun nachträglich weniger Geld erhalten sollen, sagt Ulrich Marsch, Sprecher der TU München.

Die Technische Universität trägt seit einem Jahr zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und der TH Karlsruhe das Elite-Siegel. "Wir führen zu diesen Kürzungs-Ankündigungen derzeit Gespräche", gab sich Marsch gegenüber SPIEGEL ONLINE zurückhaltend, "bisher haben wir auch keinerlei Pläne, wie wir mit einer eventuell kommenden Mittelkürzung umgehen würden."

Ein TU-Professor, der an einem der Elite-Projekte beteiligt ist, äußerte sich dagegen weniger diplomatisch. "Es kann doch nicht sein, dass unsere Vorhaben erst als besonders gut und förderungswürdig eingestuft werden, und ein Jahr später tun die Verantwortlichen dann so, als ob man das genau in dieser Form auch mit weniger Geld umsetzen könne", schimpft der Ingenieurwissenschaftler.

Rechtsanspruch auf zugesagte Mittel?

Sprecher der LMU München hatten zuvor gegenüber Journalisten sogar die Meinung vertreten, es gebe einen gültigen Förderbescheid und damit einen Rechtsanspruch auf die ursprünglich zugesagten Mittel. Auch der SPD-Politiker Jörg Tauss nannte die nachträgliche Kürzung "sehr problematisch", denn sie schränke die "Verlässlichkeit gegenüber den Gewinnern der ersten Runde ein". Darüber werde man noch reden müssen, sagte der forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Möglicherweise könnte das also noch ein Fall für die Juristen an den beteiligten Universitäten und bei DFG und Wissenschaftsrat werden. "Die Gespräche laufen, über die konkrete Umsetzung der Förderung wird im Laufe der allernächsten Zeit entschieden", erklärte Wedig von Heyden, Generalsekretär des Wissenschaftsrats, heute auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Gleichzeitig machte er aber auch klar, "dass die Wettbewerbsgewinner der ersten und der zweiten Runde auf jeden Fall gleich behandelt werden". Die volle Förderung für die Sieger von 2006 und eine abgespeckte Überweisung für die Gewinner vom Freitag wäre wohl tatsächlich auch kaum zu vermitteln.

Es scheint also noch viel Diskussionsbedarf zu geben - zumal es bei der DFG bereits hieß, die angekündigte Pauschalkürzung gelte zwar für Elite-Unis und Forschungsnetzwerke, nicht aber für die Graduiertenschulen. Denn bei deren Jahresetat von einer Million Euro "kann man nicht mehr viel kürzen, wenn die überhaupt noch arbeiten sollen".

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.