Elite-Unis "Das Projekt ist tot"

Weil die Föderalimus-Verhandlungen nicht vom Fleck kommen, schlagen die Länder einen schärferen Ton an. Bayern und Baden-Württemberg wollen den milliardenschweren Wettbewerb für Spitzen-Universitäten kippen. Außerdem peilen die Unions-Länder ein gemeinsames Modell für Studiengebühren an.


Einer der Elite-Kandidaten: Uni Heidelberg
DDP

Einer der Elite-Kandidaten: Uni Heidelberg

Stuttgart - Der von der Bundesregierung geplante Förderwettbewerb von Eliteuniversitäten steht vor dem Aus, wenn es nach den Ländern in Süddeutschland geht. Laut Samstagsausgabe der "Stuttgarter Zeitung" wollen Baden-Württemberg und Bayern das Konzept von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) blockieren. "Nach dem Scheitern der Föderalismuskommission wird niemand das Papier über einen Wettbewerb für Spitzenuniversitäten unterzeichnen", sagte Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU).

Dem Bericht zufolge wollen Bayern und Baden-Württemberg das Projekt nun endgültig stoppen, nachdem die Entscheidung über die Förderung der Elitehochschulen wegen der Verhandlungen über die Föderalismusreform aufgeschoben worden war. "Das Projekt ist tot", so Frankenberg.

Auf das Geld der Bundesregierung wollen auch Bayern und Baden-Württemberg allerdings nicht verzichten. Denn der Bund hatte angeboten, gut drei Viertel der insgesamt 1,9 Milliarden Euro für den Wettbewerb zu finanzieren. Davon würden gerade Universitäten in Bayern und Baden-Württemberg voraussichtlich am stärksten profitieren, weil sich dort etliche Kandidaten für den Status einer Spitzen-Universität versammeln.

Frankenberg und sein bayerischer Kollege Thomas Goppel (CSU) indes setzen sich für ein Alternativmodell ein: Sie wollen die gesamte Summe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) übertragen.

Anstatt Eliteuniversitäten zu unterstützen, sollten international wettbewerbsfähige Forschungseinheiten in den Hochschulen gefördert werden, hieß es. Laut "Stuttgarter Zeitung" will Frankenberg sich mit seinen Kollegen aus den CDU-regierten Ländern abstimmen und danach Kontakt zu den SPD-Ländern und zu Edelgard Bulmahn aufnehmen.

Suche nach gemeinsamem Gebührenmodell

Zugleich bereiten sich die unionsregierten Länder gemeinsam auf die Einführung von Studiengebühren vor. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet am 26. Januar über eine Klage mehrerer Länder, darunter Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt, gegen das Verbot von Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz des Bundes. Die Unions-Länder wollen sich schon zuvor auf ein Einheitsmodell für Gebühren festlegen. "Wir sind uns alle einig, dass es nachlaufende Studiengebühren- und Studienkredite geben wird", sagte Frankenberg der Zeitung "Südkurier".

Nach Frankenbergs Vorstellungen sollen Kreditgeber - er favorisiert die Landesbanken - den Studenten die Gebühren vorstrecken. Die Akademiker sollen erst nach dem Eintritt ins Berufsleben die Kredite zurückzahlen müssen. Eine Kombination mit dem bisherigen Bafög lehnt Frankenberg ab: "Das will Baden-Württemberg nicht antasten."

Damit widersprach er Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU). Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz hatte eine Reform des Bafög-Systems gefordert.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.