Elite-Unis Finale im Schaulaufen der Kandidaten

27 deutsche Hochschulen wollen sich künftig das Etikett der Elite-Universität ankleben. Heute Abend fällt die Vorentscheidung im Wettbewerb: Die Preisrichter heben zum ersten Mal die Wertungstafeln - wobei die B-Note allerdings geheim bleiben wird.

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Wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat am Abend die vorläufigen Ergebnisse der Exzellenzinitiative vorstellen, wird es fast nur Sieger geben - so viel steht jetzt schon fest. Anstatt mit den Milliarden einige wenige Leuchttürme in der deutschen Hochschullandschaft zu errichten, wie es seinerzeit die rot-grüne Bundesregierung plante, wird das Geld nun mit der Gießkanne verteilt.

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Kandidaten-Karussell: Deutschland sucht die Super-Unis

Von den insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die Bund und Länder über fünf Jahre hinweg ausschütten werden, bekommen viele Bildungseinrichtungen etwas ab: In der ersten Förderlinie sollen, mit jeweils einer Million Euro pro Jahr, rund 40 Graduiertenschulen bestückt werden, in denen die Hochschulen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden. Der zweite Topf kommt mit rund 6,5 Millionen Euro pro Jahr sogenannten "Exzellenzclustern" zugute. Das sind interdiziplinär angelegte Forschungsvorhaben, für die mehrere Fachbereiche kooperieren.

Beides ist nicht neu und gehört längst zum universitären Alltag. Mehr auf Wettbewerb angelegt ist dagegen die dritte Förderlinie für "Zukunftskonzepte zur universitäten Spitzenforschung". Mit dem schwurbeligen Technokratendeutsch sind die Elite-Unis gemeint, die mit dem Wettbewerb ursprünglich gefunden werden sollten. Die Leuchttürme werden allerdings etwas niedriger ausfallen - mit rund 21 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich können die Unis nicht allzu hoch hinaus.

Zehn Hauptgewinne, viele Trostpreise

Nach Angaben von DFG und Wissenschaftsrat liegen 27 Bewerbungen für die Hauptpreise aus dem Elite-Topf vor, nur rund zehn Hochschulen werden aber das Gewinnerlos ziehen. Heute Abend wird bekanntgegeben, welche Universitäten die erste Hürde genommen haben und einen vollständigen Antrag einreichen dürfen - eine Vorentscheidung also und der Auftakt zum Finale.

Die Siegeruniversitäten werden es sich nicht nehmen lassen, sich mit dem Elite-Gütesiegel zu schmücken und ihren Erfolg entsprechend zu bejubeln, erst recht wenn sie zusätzlich noch aus den beiden anderen Exzellenz-Töpfen bedacht werden - Marketing-Klappern gehört mittlerweile auch zum Geschäft einer jeden Hochschule. Die anderen werden sich mit den zweiten und dritten Preisen, den Geldern für Graduiertenschulen und Clustern, trösten.

Da dann immer noch ein paar Hochschulen übrig bleiben, die ganz leer ausgehen, wird es beleidigte Nachfragen geben: Warum wurde die Nachbaruni bedacht und wir nicht? Warum ballen sich so viele Elite-Unis in einem Bundesland? Was hat eine Hochschule vorzuweisen außer ihrer geografischen Lage und viel Unterstützung in der Politik?

Einflussnahme der Politik

Die beiden großen Wissenschaftsorganisationen und die hochkarätig besetzte Auswahlkommission bürgen für eine fachkundige Auswahl. Doch Experten bezweifeln, dass sich die Bildungsmanager und Wissenschaftler tatsächlich von politischer Einflussnahme frei machen können - Bildung ist schließlich Ländersache, und die Länderregenten drängen darauf, dass sie ihren Teil vom Kuchen abbekommen.

Die A-Noten sollen also objektiv aufgrund der Unterlagen und der Präsentation der Unis fallen; eine politisch und durch den vagen Faktor Image geprägte B-Note dürfte hinzukommen und geheim bleiben. "Wissenschaft ist kein politikfreier Raum", betonte etwa der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann im "Tagesspiegel". Er halte es für ausgeschlossen, "dass die Auswahl ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien verläuft". Die "Größe und Finanzkraft eines Bundeslandes" würden ebenso eine Rolle spielen wie "der Bekanntheitsgrad einer Universität".

Hartmann nennt deshalb als Favoriten: die Humboldt-Universtität in Berlin, die Uni Heidelberg, die TU Dresden. Im Vorteil sieht er außerdem die südlichen Bundesländer: Bayern und Baden-Württemberg können mit bekannten Traditionsunis aufwarten, die einen besseren Ruf genießen als norddeutsche Pendants und diesen in diversen Rankings immer wieder die Rücklichter zeigten.

Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel betonte dagegen, dass der Wettbewerb der deutschen Universitäten "allein nach Qualität und nicht nach regionalen, politischen oder parteibezogenen Gesichtspunkten" getroffen werde.

Goppel hat gut reden: Er hat mit der TU und der LMU München zwei Favoriten im Rennen - es gilt als höchst unwahrscheinlich, dass beide leer ausgehen.



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