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05. Januar 2004, 17:43 Uhr

Elite-Unis

SPD-Plan für deutsches Harvard stößt auf Skepsis

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Die Sozialdemokraten, traditionell keine Freunde elitärer Bildung, denken über eine Spitzenuniversität nach US-Vorbild nach. Doch auf den Plan reagieren Opposition und Studenten mit Spott, auch in den eigenen Reihen erntet die SPD-Spitze Befremden und Ablehnung.

Campus in Harvard: Großes Vorbild für die SPD?
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Campus in Harvard: Großes Vorbild für die SPD?

Für manche Sozialdemokraten war es ein Kulturschock: Am Wochenende kündigte die SPD-Führung an, die Bundesregierung wolle gemeinsam mit den Bundesländern die Struktur der Hochschullandschaft so verändern, dass sich mindestens eine Universität als internationale Spitzenhochschule etablieren kann. Begriffe wie Elitebildung indes standen in weiten Teilen der Partei bislang auf dem Index, und in den Ländern gab es in den letzten 20 Jahren unter Sozialdemokraten reichlich Streit um private Hochschulen.

Nun will der SPD-Vorstand neue Akzente in der Forschung- und Bildungspolitik setzen, die im Mittelpunkt einer Klausurtagung am Montag und Dienstag in Weimar steht. Im Zuge der "Innovationsoffensive" soll dort morgen auch über den Aufbau einer deutschen Spitzenuniversität nach amerikanischem Muster debattiert werden. Der Plan löste ein lebhaftes Echo aus - Politiker der Opposition, aber auch bei den Grünen und den Sozialdemokraten meldeten erhebliche Bedenken an.

"In der Breite besser werden"

So warnte Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) davor, ausschließlich auf Eliteförderung zu setzen. Sie habe nichts gegen Elite-Universitäten, aber es müsse darum gehen, alle deutschen Universitäten konkurrenzfähig zu machen, sagte Simonis im NDR.

Grünen-Chef Bütikofer: Angstfrei, aber kein Fan von Elite-Unis
DPA

Grünen-Chef Bütikofer: Angstfrei, aber kein Fan von Elite-Unis

Ähnlich argumentiert auch Reinhard Bütikofer: "Ich fürchte mich nicht vor dem Wort Elite", erklärte der Grünen-Chef, doch das Ziel in der Bildungspolitik müsse sein, "in der Breite besser zu werden". Die immer wiederkehrende Debatte um eine Spitzenhochschule in Deutschland zeige, dass es wesentlich einfacher sei, eine solche "auf dem Reißbrett zu entwerfen". Amerikanische Top-Unis wie Harvard oder Princeton seien ja auch nicht als Elitehochschulen gegründet worden, sondern hätten sich so entwickelt, sagte Bütikofer.

Schärfer fiel die Kritik der Juso-Hochschulgruppen aus: "Wer nur auf eine kleine Elite schielt und bei den meisten Menschen Aufwand und Kosten für Bildung so gering wie möglich halten möchte, wird der Zukunft nicht gerecht. Dies werden wir auf der Klausurtagung auch zur Sprache bringen", kündigte Ruppert Stüwe vom Bundesvorstand an.

Hoffnung in Hamburg

Auch der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften glaubt, dass "Leuchtturmprojekte wie Elite-Universitäten nicht weiterhelfen". "Man kopiert damit nur Versatzstücke aus ausländischen Modellen und drückt sich so um die Diskussion einer qualitatitven Hochschulreform", so Nele Hirsch vom fzs-Vorstand.

Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) sprach sich für "Leuchttürme in der Hochschullandschaft" aus: "Hamburg war schon immer dafür, dass Hochschulen lieber unterschiedlich gut als gleich schlecht sein dürfen." Karl-Joachim Dreyer von der Handelskammer Hamburg begrüßte den Kurswechsel der SPD ebenfalls. So viel Zustimmung ist kein Wunder - die Hansestadt macht sich Hoffnungen, Standort einer Spitzen-Hochschule werden zu können, auch wenn der Zustand der Universität Hamburg dafür bisher wenig Indizien liefert. "Ich appelliere an alle in der Bürgerschaft vertretenen Parteien, sich gemeinsam gegnüber der Bundesregierung für eine nationale Elite-Hochschule in Hamburg einzusetzen", sagte Dreyer.

Derweil meldeten CDU und FDP Zweifel an der Ernsthaftigkeit des SPD-Vorschlags an. So erklärte FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper, es mache keinen Sinn, über Elite-Unis zu fabulieren, ehe die Hochschulen nicht die Freiheit erhielten, über Personal und Ressourcen selbst zu verfügen und sich ihre Studenten auszuwählen.

Staatliche Unis ausgezehrt, private im Überlebenskampf

Die CDU-Bildungspolitikerin Katherina Reiche beklagte eine "Kluft zwischen vollmundiger Ankündigung und der Realität" der deutschen Hochschullandschaft; der Aufbau einer Elite-Uni sei lediglich "ein rot-grünes Lippenbekenntnis". Auch Jürgen Rüttgers, CDU-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, nannte die Pläne "verfehlt" und "keine Antwort auf Überbelegung und Unterfinanzierung" der deutschen Universitäten. "Eine Elite-Universität allein ist noch kein Konzept", erklärte der frühere Bundesbildungsminister. Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) wählte rustikale Worte und nannte das SPD-Duo, Generalsekretär Olaf Scholz und Fraktionschef Franz Müntefering, "Wendehälse ohne Format und Anstand". Die SPD habe "Eliten drei Jahrzehnte verteufelt und zerstört".

Private Universität Witten/ Herdecke: Chronisch klamm

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Unterdessen murren auch Sozialdemokraten unüberhörbar über das Grundsatzpapier von Generalsekretär Scholz, das Kritiker als oberflächlich bewerten. Es handele sich um eine "Ansammlung von Gemeinplätzen", erklärte etwa die SPD-Forschungsexpertin Ulla Burchardt. Das NRW-Wissenschaftsministerium in Düsseldorf reagierte zurückhaltend und will die "Leistungsfähigkeit und das Profil aller Universität im Land" stärken.

Über die Schaffung einer oder mehrerer Top-Universitäten, die sich mit Vorbildern wie Harvard, Stanford oder Cambridge messen können, wird in Deutschland seit Jahrzehnten geredet. Tatsächlich hat noch keine den Anschluss geschafft. Im Gegenteil: Die staatlichen Universitäten sind ausgezehrt, weil sie seit Ende der siebziger Jahre immer neuen Sparattacken ausgesetzt waren. Gerade in den letzten Monaten hat die Finanzkrise von Bund und Ländern sie abermals kalt erwischt; fast überall stehen trotz massiver Studentenproteste drastische Kürzungen bevor und sind zum Teil bereits umgesetzt. Die besten deutschen Unis bangen heute, ob sie die neuen Sparwellen ohne größere Substanzverluste überleben können.

Hochschule der Wirtschaft (in Berlin): Dilettantischer Start
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Unterdessen haben sich die Hoffnungen, die Bildungspolitiker aller Parteien Ende der neunziger Jahre an zahlreiche Neugründungen privater Hochschulen knüpften, bislang nicht erfüllt. Einige Privatunis ringen um ihre Existenz: So hat die durchaus renommierte Universität Witten/Herdecke seit ihrer Gründung vor 20 Jahren erhebliche Finanzprobleme, der noch jungen privaten Universität in Bremen geht es kaum besser. Und die Management-Hochschule großer Konzerne in Berlin sorgte ebenfalls bereits zum Start für Negativ-Schlagzeilen, weil zwei dutzend deutscher Unternehmen das Startkapital kaum zusammenbekamen - auch sie wurde als "deutsches Harvard" angekündigt.

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