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30. Januar 2017, 15:17 Uhr

Elon Musks "Hyperloop"-Projekt

Münchner Studenten bauen schnellste Kapsel

Mit mehr als 1000 km/h soll der "Hyperloop" Menschen zwischen San Francisco und Los Angeles befördern. Ein Team der TU München hat den schnellsten Prototyp gebaut.

Die Fahrzeit von San Francisco nach Los Angeles von sechs Stunden auf 30 Minuten zu reduzieren, das ist das Ziel des umtriebigen Tesla-Gründers Elon Musk. "Hyperloop" hat er seine Zukunftsvision genannt: eine Hochgeschwindigkeitsröhre, die Menschen in Kapseln per Unterdruck auf bis zu 1220 Stundenkilometern beschleunigen soll.

Die Idee der "Rohrpost für Menschen" hatte Musk schon vor drei Jahren vorgestellt. Er selbst habe leider keine Zeit, sein Konzept umzusetzen, so der Unternehmer, schlaue Köpfe auf der ganzen Welt sollten sich bitte Gedanken machen. 2015 rief er dafür die "Hyperloop Pod Competition" aus.

Fast tausend Studenten aus aller Welt bewarben sich. Drei Teams hatten nun in Kalifornien die Gelegenheit, ihren Prototyp mit Dummys in eine Röhre zu schicken - und am schnellsten war eine Transportkapsel von Studenten der TU München. Die weiß-blaue Kapsel, die ein bisschen aussieht wie ein Rennrodel, erreichte auf der eine Meile langen Strecke eine Spitzengeschwindigkeit von 94 km/h. Für Musk ein gutes Zeichen: Er meint, es sei nun "absehbar", dass die Kapseln bald fünf bis zehn Mal so schnell durch die Röhre schießen.

350.000 Euro hat der Prototyp der Münchner Studenten gekostet. Die Sponsoren dafür haben sie selbst gesucht. Im vergangenen Jahr sei er kaum zum Studieren gekommen, sagt Thomas Ruck, Student der Luft- und Raumfahrt an der TU München. "Aber dieses Projekt ist besser als jede verpasste Vorlesung." Der 26-Jährige war für die Bremsen des Systems verantwortlich.

"Den Sieg jetzt nach Hause bringen zu können, macht uns unglaublich stolz", sagte Ruck. "Es ist ein tolles Gefühl, nach eineinhalb Jahren harter Arbeit als Sieger dazustehen und sagen zu können, dass man alles richtig gemacht hat."

Neben Ruhm und Ehre erhielt das Team aus München als Auszeichnung einen von Elon Musk handsignierten Miniatur-Pod aus Titan.

Ausgezeichnet wurde außerdem ein Team von Studenten aus Delft in den Niederlanden. Die Jury fand das Design ihrer Kapsel besonders überzeugend. Als drittes Team erreichten Studenten des renommierten Massachusetts Institute of Technology mit ihrem Prototyp die Endausscheidung.

Es gibt bereits mehrere von SpaceX unabhängige Unternehmen, die Musks Idee aufgegriffen haben und kommerziell am "Hyperloop" arbeiten. So hat die Firma Hyperloop Transportation Technologies angekündigt, eine solche Highspeed-Strecke zwischen dem tschechischen Brünn und der slowakischen Hauptstadt Bratislava bauen zu wollen. Die Distanz von 130 Kilometern könnte man dann in nur zehn Minuten überwinden.

Doch Experten sehen noch viele ungelöste Probleme: Wie organisiert man Notzugänge, Brandschutz oder Klimatisierung in einer solchen Unterdruckröhre? Wie sicher ist das Konzept, wenn die Kapseln irgendwann im Zweiminutentakt fliegen? Woher kommt der viele Strom, den man dafür braucht? Und: Wie bringt man die Kapseln auf die zehnfache Geschwindigkeit?

Ob und wann aus den ersten Prototypen ein echtes Verkehrsmittel wird, weiß also noch niemand.

vet/dpa

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