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30. Juli 2014, 16:17 Uhr

Britische Crowdfunding-Studentin

Bringt MICH nach Oxford

Von Isabel Lochbühler

33.000 Euro für ein Master-Studium in Oxford? Emily-Rose Eastop sagt, sie habe noch genug Schulden aus ihrem ersten Uni-Abschluss. Also startete sie eine Crowdfunding-Seite. Mit Erfolg.

Emily-Rose Eastop kann sich freuen. Sie wird wohl in Oxford studieren, in einem Master-Programm für kognitive und evolutionäre Anthropologie. Möglich wurde ihr Traum durch das Internet.

Ihre erste Freude über die Zusage des Oxforder Wadham Colleges war bei Eastop zunächst in Ernüchterung umgeschlagen. 26.300 britische Pfund kostet der Studiengang an der noblen Universität. Ihr Problem: Bereits aus ihrem ersten, vier Jahre zurückliegenden Abschluss in Geisteswissenschaften hatte sie 20.000 Pfund Schulden. Wie sollte sie diese hohen Studiengebühren bezahlen?

Eastop beschloss, sich das Geld nicht bei einer Bank oder bei Verwandten zu besorgen, sondern im Internet. Unter dem Pseudonym Emily-Rose Swirlesque registrierte sie sich Anfang Juni bei der Crowdfunding-Plattform hubbub.net. Jeder, der Eastop unterstützen will, kann so einfach Geld spenden.

Die angehende Studentin listet auf der Seite auf, wie viel Geld sie braucht: 14.000 Pfund für das einjährige Programm plus Lebenshaltungskosten von 11.300 Pfund, die offizielle Schätzung der Universität. Hinzu kommen PayPal-Gebühren.

In ihrem Video "Get ER to Oxford" ("Bringt SIE (Emily-Rose) nach Oxford") erklärt sie ausführlich, warum es ihr großer Traum ist, menschliches Verhalten zu studieren. Sie beschreibt auch, was in ihrem Leben seit dem ersten Abschluss 2010 passiert ist: Sie habe damals geglaubt, schnell einen Job zu finden. "Es stellte sich heraus, dass diese Vorstellung naiv war und ich falsch lag", schreibt Eastop. Wegen der 20.000-Pfund-Schulden aus dem ersten Studium kämen neue Schulden für sie nicht infrage.

Ihren Sponsoren verspricht sie, alles, was sie während ihres Masterstudiums lernt, mit ihnen zu teilen - damit auch sie dazulernen könnten. "Ich bin sehr aufgeregt, wenn ich mir vorstelle, diesen Abschluss zu machen", sagt die Studentin. "Wenn ich von genügend Leuten nur ein kleines bisschen erhalte, bin ich vielleicht wirklich in der Lage, meinen Traum zu verwirklichen."

Das hat offenbar viele Leute überzeugt: In acht Wochen schaffte sie es auf 420 Sponsoren, deren kleine Beträge sich zu einer großen Summe addierten. Fast 22.000 Pfund hat sie bislang eingesammelt, das Masterstudium ist zum Greifen nah.

Doch Großbritannien ist nicht ungeteilt begeistert von der angehenden Masterstudentin: Eastop, die auch auf der erfolgreichen Seite "I fucking hate Pseudoscience" veröffentlicht, hatte auch dort ihr Video eingestellt - und erntete Hass und Beschimpfungen. "Ich gebe nichts, aber wir können uns sicher irgendwie einigen." "Ich wünschte, ich hätte auch Titten." "Frauen wie sie ekeln mich an." Oder einfach: "Friss Scheiße" - so kommentierten Leute Eastops Spendenaufruf. Eine "Posh Brat", also eine verwöhnte, hochnäsige Göre sei sie. Auch die Boulevardpresse goss Häme über Eastop aus und kramte ein Hulahoop-Video und Fotos der jungen Frau aus dem Netz.

Zu viel für sie, die sich als Reaktion darauf in einem Artikel im "Telegraph" erklären wollte. "Stellt euch vor, ihr wollt ein Aufbaustudium anfangen, müsst aber jahrelang warten, weil ihr das Geld dafür erst zusammenkratzen müsst", schreibt Eastop. "Und jetzt stellt euch vor, dass jemand zu euch kommt und sagt: 'Ich kenne eine Menge Leute, die dir das Geld geben.' Würdet ihr wirklich denken, dass es eure Pflicht ist, die ganze Last allein zu tragen, ohne zu wissen, wie lange es dauert? Eben."

Die negativen Reaktionen hätten sie überrascht, schreibt sie. Die vier Jahre seit ihrem ersten Oxford-Abschluss seien ein Auf und Ab gewesen. Durch eine Krankheit, ihren Job als Biologie-Tutorin und das Schreiben von fast 200 Bewerbungen auf Bewerbungsplattformen habe sie immer viel zu tun gehabt: "Ich habe meine Zeit nicht vertrödelt", versichert sie.

Eastop denkt ungeachtet der Anfeindungen bereits weiter: Nach ihrem Master in Oxford möchte sie einen Doktor in den USA machen. Am liebsten am Zentrum für Wahrnehmung der Indiana University in Bloomington (Indiana, USA).

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