Erfolgsinvestor Thiel in Stanford Uni-Hasser kündigt ultimatives Seminar an

Er bot Studenten Geld, wenn sie ihr Studium aufgeben. Jetzt kehrt der deutschstämmige Milliardär Peter Thiel selbst als Dozent an die Uni zurück. Den Studenten in Stanford verspricht er nebulös: Wenn sein Seminar gut läuft, brauchen die Gäste danach nie wieder eines zu besuchen.

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Die Silicon-Valley-Größe Peter Thiel, 44, hat mit seinem Geld schon Talente aus der Uni gelockt. So fördert er 20 hochbegabte junge Studenten mit 100.000 Dollar - Voraussetzung: Sie müssen ihr Studium abbrechen und stattdessen an einer eigenen Geschäftsidee arbeiten. Nun wird Thiel selbst freiwillig an die Uni zurückkehren, an der er selbst einst studierte, und an der Elite-Uni Stanford lehren.

Früher einmal sagte Thiel, Bildung hemme Innovation und Fortschritt. In seinen Augen ein Unding, ist er doch selbst ein großer Fan dieser beiden Tugenden. So hat er vor über zehn Jahren etwa eine viertel Million Dollar in ein kleines Start-up investiert, das inzwischen ziemlich groß geworden ist: PayPal. Auch Facebook unterstützte Thiel als einer der ersten finanziell. Mittlerweile ist der deutschstämmige Amerikaner Milliardär.

Auch wenn sein Credo, der Uni lieber fernzubleiben, für sich selbst nicht zu gelten scheint, bleibt er immerhin seinen Themen treu: Sein Seminar wird er zum Thema Start-ups halten. Auf 250 Plätze ist das Seminar begrenzt, inzwischen gibt es dafür schon eine Warteliste, so begehrt ist das Seminar unter Studenten. Thiel selbst wird entscheiden, wer teilnehmen darf. "Wenn ich meinen Job richtig mache, ist das das letzte Seminar, das du besuchen musst", teilte Thiel über einen Sprecher mit.

Holt er Zuckerberg als Gastdozenten?

Da verwundert es nicht, dass einige an der Uni skeptisch waren, ob sie Thiel tatsächlich holen sollten. Einige fürchteten, Thiel könnte das Seminar lediglich dazu nutzen, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Mehran Sahami, Informatik-Professor in Stanford, sagte, es sei nicht klar, mit welcher Motivation Thiel an die Uni komme.

Jim O'Neill, Leiter der Thiel-Stiftung, versucht vorab, Ängste zu zerstreuen: "Er sagte nur, dass das College einigen Leute nützen kann, aber eben nicht allen", so O'Neill. Thiel plädiere nicht für die Abschaffung der Hochschulen. Trotz seiner heutigen Kritik am Uni-Betrieb beendete Thiel sein eigenes Studium mit Abschluss: Er studierte in Stanford Philosophie und Jura und arbeitete danach als Anwalt in einer renommierten Kanzlei.

Thiel kündigte an, sein Seminar möglichst praxisnah zu halten. PayPal, Google und Facebook sollten als Beispiel dienen - dabei sollen neben Thiel auch andere große Unternehmer unterrichten. Deswegen spekulieren die Studenten bereits, wer ihnen was über Start-ups erzählen wird. Sean Parker? Mark Zuckerberg? "Es könnte jeder sein", sagt ein Student. "Er ist ziemlich gut vernetzt im Valley." Mit Mark Zuckerberg stünde zumindest ein prominenter Studienabbrecher vor den Studenten, der es nicht bereuen dürfte, die Uni einst ohne Abschluss verlassen zu haben.

fln/Reuters



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