Erste Studentinnen an Bundeswehr-Uni "Wir müssen keine Uniform tragen"

Sie heißen Barbara Schierl und Orosoo Ariunaa und sind die ersten Frauen an der Bundeswehr-Uni in München. UniSPIEGEL ONLINE sprach mit den beiden 24-jährigen Pädagogik-Studentinnen über den Reiz des Soldatenlebens, Traumjobs beim Bund und Männerbesuche auf dem Campus.


Fähnrich zur See Barbara Schierl (links) und Oberleutnant Orosoo Ariunaa

Fähnrich zur See Barbara Schierl (links) und Oberleutnant Orosoo Ariunaa

UniSPIEGEL ONLINE:

Was ist für eine junge Frau so reizvoll an einer Karriere beim Bund?

Schierl: Man arbeitet ständig mit Menschen zusammen, muss ihnen nicht nur Befehle erteilen, sondern auch Verantwortung übernehmen. Der Offiziersberuf fordert mich ständig neu heraus. Außerdem kann ich auch im Ausland arbeiten.

Ariunaa: Mein Vater ist selbst Soldat und war 25 Jahre lang Offizier in der mongolischen Armee. Das hat mich schon stark beeinflusst. Die Mongolei war als sozialistisches Land in den vergangenen 70 Jahren ganz abgeriegelt. Wir hatten ja keine Ahnung, was in Europa passiert. Als Frau habe ich durch eine Militärlaufbahn mehr Zugang zu den anderen Bereichen und kann Karriere machen.

UniSPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie den Entschluss gefasst, zum Bund zu gehen?

Schierl: Das war in der Kollegstufe, als man anfing zu überlegen, was man später einmal machen möchte. Vor vier Jahren bin ich dann zu den Sanitätern der Bundeswehr in meiner Heimatstadt Kempten. Nach der Grundgesetzänderung im vergangenen Jahr habe ich beschlossen, die Truppenoffizierslaufbahn bei der Marine einzuschlagen.

Ariunaa: Im letzten Jahr meines Studiums der internationalen Beziehungen und Jura machte ich ein Praktikum im Verteidigungsministerium. Man bot mir an, dort zu arbeiten. Vor zwei Jahren kam ich dann nach Deutschland. Im ersten Jahr lernte ich Deutsch. Dann machte ich das deutsche Abitur am Bayerischen Studienkolleg.

UniSPIEGEL ONLINE: Wie sah das Auswahlverfahren aus?

Schierl: Wir hatten drei Tage Prüfungen an der Offiziersbewerberprüfzentrale in Köln. Das reichte vom Deutsch-Aufsatz über Mathe-Aufgaben bis zum Intelligenztest. Beim "Physical Fitness-Test" mussten wir beispielsweise mindestens 30 Liegestützen machen und zwölf Minuten rennen. Außerdem mussten wir uns noch mit einem Psychologen und Soldaten unterhalten. Die scannten alles ab. Einmal wollten sie über Politik reden, dann wieder über militärische Fragen.

UniSPIEGEL ONLINE: Welche Eindrücke haben Sie vom Bundeswehr-Unileben?

Schierl: Das Studium läuft relativ zivil ab. Wir müssen auch keine Uniform tragen. Unsere Professoren und Assistenten sind ja Zivilisten. Der einzige Unterschied zur "normalen" Uni ist, dass wir in Trimestern studieren und maximal vier Jahre für das Studium brauchen dürfen - sonst ist Schluss mit Studium und Bundeswehr.

UniSPIEGEL ONLINE: Bei so vielen Männern - gucken die nicht ganz verdutzt?

Schierl: Nein, wir sind im Jahrgang nur 72 Leute. Und die kennen uns jetzt schon und gucken auch nicht mehr.

UniSPIEGEL ONLINE: Wohnen Sie auf dem Campus?

Schierl: Wir haben auf dem Campus unsere eigenen Appartments. Es gibt hier zwar Wachen, aber wir sind nicht so abgeriegelt wie normales militärisches Gelände. Und wenn Freunde bei uns übernachten wollen, wird das geduldet.

UniSPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr Traumjob beim Bund?

Schierl: Kommandant auf einem Minenjagdboot. Ich bin eine richtige Wasserratte und habe während der Ausbildung ein zweimonatiges Flottenpraktikum auf einem Minenjagdboot gemacht. Das ist ein kleineres Boot mit nur 45 Mann Besatzung. Es sucht unter Wasser nach Minen und zerstört sie dann.

Ariunaa: Schon seit ich ein kleines Mädchen bin, träume ich davon, als Diplomatin im Ausland zu arbeiten. Es wäre sehr schön, wenn ich als erster weiblicher Attaché der Mongolei nach Deutschland zurückkommen dürfte.

UniSPIEGEL ONLINE: Die Münchner Bundeswehr-Uni ist bekannt für Ihre wilden Partys – wie viele Maß Bier vertragen Sie?

Schierl: Eine Maß Bier vertrage ich noch ganz gut. Bei zwei wird es schon kritisch, aber es geht noch. Ich bin ja im Süden groß geworden und bin das Bier schon gewohnt.

Das Interview führte Sabine Hoffmann



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