Typologie der Erstsemester Der Trödelstudent - Im Takt des akademischen Viertels

Blick durch die grüne Brille: Alles ist cool, solange ich genügend chille
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Blick durch die grüne Brille: Alles ist cool, solange ich genügend chille

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Der ewige Student hat sein ganzes bisheriges Leben auf den Studienstart gewartet. Seine Hochschulzugangsberechtigung ist für ihn wie die Zahlenkombination bei "Lost", sein Studentenausweis wie die Meisterschale für Bayern München. Schon zu Beginn des Studiums ist ihm der Campus so vertraut wie sein Zwölf-Quadratmeter-Zimmer im Wohnheim.

Er freut sich auf ein entspanntes Studentenleben zwischen WG-Partys und verkifften Nachmittagen am Baggersee. Sein Herz klopft bereits im Takt der akademischen Viertelstunde. Der Peter Pan im Hochschulland würde am liebsten niemals seinen Abschluss machen, allein um weiterhin im alternativen Theaterkeller nach einem Studentenrabatt fragen zu können. Nur die angekündigten Prüfungen und das Bachelor-Punktesystem machen ihn ein wenig nervös.

Das studiert er: Das Leben. Er schreibt sich aber für Kunstgeschichte oder Philosophie ein.

Das erwartet er vom Studium: Die Frage ist eher, was das Studium von ihm erwartet. Er strebt eine friedliche Koexistenz an.

Das überrascht ihn dann aber doch: Die Regelstudienzeit.

Das erwarten seine Eltern: Irgendwann einen Abschluss, zumindest aber die Aussicht, dass sie die monatlichen Zahlungen einstellen können. Ihre Hoffnungen konzentrieren sich bereits auf den jüngeren Sohn.

Das sagt er gern: "Ich habe ein Recht, diese Prüfung zu wiederholen."

Das wünscht er sich als Song auf der Erstsemester-Party: "Wonderful World" von Sam Cooke.

Das denkt der Professor über ihn: "Den kenne ich doch."

Das wird er einmal arbeiten: Halbtagsjob als Aufsicht in der Uni-Bibliothek.

So lange wird es dauern, bis er einen Abschluss hat: Erst wenn MTV wieder Musik spielt.


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